Kritik Israels mit jüdischer Ethik? Judith Butlers neues Buch

Die Philosophin Judith Butler versucht in „Am Scheideweg. Judentum und die Kritik am Zionismus“, eine jüdische Ethik zur Kritik der israelischen Palästinenserpolitik zu entwickeln. Während ihre Rekurse auf jüdische Denkerinnen und Denker des 20. Jahrhunderts von Bedeutung sind, bleibt sie bei der Betrachtung des Israels der Gegenwart all zu platt ihrer „Schwarz-Weiß-Perspektive verhaftet.

Judenfeindlichkeit in der islamisch geprägten Welt

Der Historiker Robert Wistrich weist in seinem erstmals 2002 erschienenen Buch „Muslimischer Antisemitismus. Eine aktuelle Gefahr“ auf die Verbreitung judenfeindlicher Stereotype in der arabischen Welt hin. Der mehr essayistisch denn wissenschaftlich ausgelegte Text macht die hohe Verbreitung einschlägiger Agitation überzeugend deutlich, lässt aber eine differenzierte Einordnung des Phänomens vermissen.

Ältere journalistische Arbeiten zum Rechtsextremismus in Deutschland

Der Journalist Anton Maegerle legt in seinem Buch „Vom Obersalzberg bis zum NSU: Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988-2013“ über siebzig frühere Veröffentlichungen von ihm in gebündelter Form vor. Nicht alle Texte lohnen heute noch die Lektüre, gleichwohl liefert der Band einen interessanten Rückblick auf Recherchen zum Thema, wobei manche prognostische Dimension besondere Beachtung verdient.

Neuausgabe von Karlheinz Deschner „Mit Gott und den Faschisten“

In seinem bereits vor fast 50 Jahren erschienenen Buch „Mit Gott und den Faschisten. Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelic“ hatte der Kirchengeschichtskritiker Karlheinz Deschner auf die Unterstützung der katholischen Kirche für Rechtsdiktaturen aufmerksam gemacht. Die Neuausgabe macht dieses – im Detail, aber nicht im Kern veraltete - Buch wieder zugänglich.

Geschichte und Gegenwart rechtsextremistischer Gewalt

Die Fachjournalisten Andrea Röpke und Andreas Speit legen mit „Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland“ eine Gesamtdarstellung sowohl zur historischen Entwicklung des Rechtsterrorismus wie zum aktuellen Wissen um die NSU-Serienmorde vor. Die Beiträge des Sammelbandes beeindrucken durch akribische Faktenkenntnis und genaue Recherche, ihnen fehlt aber mitunter eine stärker analytische Dimension zur Einordnung der geschilderten Ereignisse. 

NSU-Nachahmer? Verfassungsschutz warnt vor gewaltbereiten Rechtsextremisten

Im heute veröffentlichten Verfassungsschutzbericht wird nach der NSU-Pannenserie vor Nachahmern gewarnt – weitere rechtsterroristische Aktivitäten seien nicht auszuschließen. Auch auf gewaltbereite Rechtsextremisten wird explizit hingewiesen. Die Anzahl von Demonstrationen, Rechtsrock-Konzerten und Mitgliedern aus dem rechtsextremen Spektrum ging hingegen weiter zurück.

Gefahren einer Re-Biologisierung der Gesellschaft

In dem von Annett Schulze und Thorsten Schäfer herausgegebenen Sammelband „Zur Re-Biologisierung der Gesellschaft. Menschenfeindliche Konstruktionen im Ökologischen und im Sozialen“ zeigen die Autoren die Gefahren einer Renaissance biologistischer Deutungen auf. Dabei konzentrieren sich die Autoren auf eine kritische Auseinandersetzung mit einschlägigen Protagonisten von Konrad Lorenz bis Thilo Sarrazin, wobei man sich aber auch eine Differenzierung etwa zu Ansätzen aus der Evolutionsforschung und Soziobiologie gewünscht hätte.

Jugendschützer registrieren Höchststand bei Neonazi-Webangeboten

Die Initiative „Jugenschutz.net“ gehört zu den schärfsten Waffen in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. Mehr als 50.000 Internetangebote überprüfen die Mitarbeiter jährlich auf der Suche nach brauner Propaganda oder nach Darstellungen sexuellen Missbrauchs. Gestern legte „Jugendschutz.net“ den neuen Jahresbericht vor. Mit einer klaren Tendenz: Neonazis setzen vor allem auf die Sozialen Netzwerke.

"Die anderen sind wir" – Neuer FES-Band über Rechtsextremismus in Europa

Gestern stellte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Berlin ihren neuen Band "Rechtsextremismus in Europa" vor. Eröffnet wurde die hochkarätig besetzte Veranstaltung durch zwei Referate von Martin Schulz, Pra?sident des EU-Parlaments, und Cecilia Malström, der EU-Kommissarin fu?r Inneres. Beide waren sich angesichts der vielfach sehr problematischen Situationen in den Mitgliedsstaaten einig: Ein erfolgreiches Europa kann nur durch ein Bekenntnis zur Vielfalt und entschlosseneres Auftreten gegen Rechtsextremismus gelingen.