„Trauern“ bei Neonazis nicht mehr in Mode

Noch vor einigen Jahren gehörten sogenannte Trauermärsche zu den „Höhepunkten“ in den Demonstrationskalendern der extremen Rechten. Der Aufzug in Magdeburg trat bald an die Stelle von Dresden, wo zivilgesellschaftlicher Widerstand den Neonazis ihre Pläne mehr und mehr durchkreuzte. Doch an diesem Wochenende fanden sich in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt nunmehr noch 230 „Trauernde“ ein.

Wenn das „Volk“ die „Sicherheit“ in die eigene Hand nimmt

30 Personen zählt der Trupp. Mit Knüppeln bewaffnet sind die einheitlich gekleideten Männer nachts unterwegs – auf der Suche. Sie suchen Fremde und werden fündig. Mit ihren Knüppeln schlagen sie auf sechs Menschen ein, treten und schlagen zu. Nur rund zwei Tage später kommt es zu Morddrohungen, eine Person hängt symbolisch am Galgen. Es klingt nach Ereignissen einer Nacht aus einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, sie ereigneten sich aber in den zurückliegenden Tagen in Magdeburg. Eine Chronologie und Bilanz der Gewalt.

Neonazi-Fußballverein ausgeschlossen

Seit Montagabend ist es amtlich: Der Landessportbund Sachsen-Anhalt hat den Neonazi-Verein FC Ostelbien-Dornburg ausgeschlossen. Zuvor hatte die Mehrzahl der Schiedsrichter sowie einige Konkurrenten erklärt, nicht mehr gegen die braunen Freizeit-Kicker antreten zu wollen. Derweil wurde bekannt, dass gegen den Kopf der lokalen Neonazi-Szene, Dennis Wesemann, Ermittlungen wegen Körperverletzung laufen.

Aus Angst um ihre Gesundheit: Schiedsrichter und Vereine boykottieren von Neonazis durchsetzten Fußballverein

Laut Verfassungsschutz sind im FC Ostelbien Dornburg, einem Kreisligaverein aus dem Jerichower Land (Sachsen-Anhalt), 15 Neonazis aktiv. Jüngst griffen einige Spieler dieser Mannschaft noch auf dem Platz ihren Gegner an, das Schiedsrichtergespann wurde ebenfalls beleidigt. Nicht der einzige Vorfall dieser Art. Deshalb weigern sich mittlerweile 59 von 65 Unparteiischen, den FC Ostelbien Dornburg zu pfeifen. Mindestens vier Kreisligavereine wollen ebenfalls nicht mehr gegen den Klub antreten.

„Erst Deutschland, dann die Welt!“: Neonazi-Partei Die Rechte stellt sich für Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf

Frei nach diesem Motto stellt sich die Partei Die Rechte auf ihrer Webseite nicht nur dem „geneigten Denkzettelwähler“ vor. Ihrem Selbstbild nach zu urteilen, sieht sich die Splittergruppierung als einzige Alternative zu den etablierten Parteien. In altbekannter Rhetorik kämpft Die Rechte für ein „souveränes Deutschland in einem Europa der Vaterländer“. Dafür möchten die Neonazis im nächsten Frühjahr in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen – vorher ist jedoch die Sammlung von 1.000 Unterstützungsunterschriften notwendig.