Oktoberfest-Anschlag von 1980: Zweifel an der Alleintäter-These

Der Journalist Ulrich Chaussy hatte bereits 1985 ein Buch mit dem Titel „Oktoberfest. Das Attentat“ veröffentlicht, worin er ausführliche Kritik an der Einzeltäter-These bei der Deutung des Anschlags vom 26. September 1980 formulierte. Die Neuausgabe macht erneut auf Lücken und Ungereimtheiten bei der seinerzeitigen Aufarbeitung der Ereignisse ohne die Präsentation einer Gegen-Geschichte, aber auch ohne die Spekulationen von Verschwörungsvorstellungen deutlich.

Zwischen Antisemitismus und „Judenemanzipation“ – ein Sammelband zum Thema

Die Historiker Guido Hausmann, Manfred Hettling und Michael G. Müller präsentieren in ihrem Sammelband „Die ‚Judenfrage’ – ein europäisches Phänomen?“ 13 Fallstudien zum Bild von und Umgang mit den Juden in europäischen Ländern zwischen Ende des 18. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um gut belegte und recherchierte Fallstudien, wobei die vergleichende Betrachtung leider nur auf die allerdings sehr reflexionswürdige Einleitung beschränkt bleib.

Millionen-Bestseller-Autor als Opfer fehlender Meinungsfreiheit?

Thilo Sarrazin legt mit „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“ ein neues Buch vor, worin er die Debatte um seinen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ kommentiert. Hierbei beklagt der Autor des millionenfach verkauften Werks eine Einschränkung seiner Meinungsfreiheit und „widerlegt“ so kaum ernsthaft in der Debatte vertretene Auffassungen zu unterschiedlichen Aspekten von gesellschaftlicher Gleichheit.

Populismus – eine Einführung und Überblicksdarstellung zum Thema

Der Politikwissenschaftler Florian Hartleb legt mit „Internationaler Populismus als Konzept. Zwischen Kommunikationsstil und fester Ideologie“ eine Gesamtdarstellung zum Thema im Sinne einer Bilanz des Forschungsstandes mit vielen Fallbeispielen vor. Das überaus informative und gut strukturierte Werk dürfte die kommende Auseinandersetzung mit dem Thema bezogen auf Konzeptionalisierungen und Problemstellungen begleiten.

Der antisemitische Sprachgebrauch der Gegenwart

Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz legen mit „Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert“ eine Auswertung von über zehntausend Einsendungen an die Israelische Botschaft und den Zentralrat der Juden vor. Dabei gelingt es ihrer qualitativen Studie, durch eine Kombination historischer, linguistischer und politologischer Methoden einen tiefen Einblick in die Manifestation des Verbal-Antisemitismus der Gegenwart zu geben.

Neofaschisten in Griechenland: Die Partei „Goldene Morgenröte“

Der Journalist Dimitris Psarras legt mit seinem Buch „Neofaschisten in Griechenland. Die Partei Chrysi Avgi“ eine Gesamtdarstellung zu Entwicklung, Ideologie, Organisation und Strategie der Partei „Goldene Morgenröte“ dar. Die Publikation beschreibt und untersucht informativ und kenntnisreich den Aufstieg einer offen rechtsextremistischen Partei zu einer etablierten Wahlpartei in einem EU-Land in der Krise.

Migrationsbericht 2012 widerlegt rechte Stammtischparolen

In der Vorwoche legte die Bundesregierung den inzwischen 11. Migrationsbericht vor. Für das Berichtsjahr 2012 kommt die amtliche Statistik auf eine Zuwanderung von 1,08 Millionen Menschen – so viele wie zuletzt Mitte der neunziger Jahre. Wasser auf die Mühlen populistischer und rechter Stimmungsmacher? Mitnichten! Denn Migration 2012 ist deutlich komplexer, als das simple Stammtischgerede von der „Armutsmigration“ weis macht.

„Faschisten des 3. Jahrtausends“ – eine kritische Darstellung zu „Casa Pound“

Der Publizist Heiko Koch liefert in seinem Buch „Casa Pound Italia. Mussolinis Erben eine kritische Darstellung zu einem rechtsextremistischen Netzwerk in Italien, das durch die Adaption von Aktionsformen und Lifestyle von „Linken“ und Subkulturen auf sich aufmerksam macht. Die journalistische Darstellung präsentiert einen informativen Einblick in eine ansonsten noch nicht gesondert beachtete neue Entwicklung im europäischen Rechtsextremismus, leider ohne genaue Belege für die jeweiligen Informationen in Form von Quellen.

„Der blinde Fleck“: Staatsversagen auf der Kinoleinwand

Mit einem Sprengstoffanschlag tötete der Neonazi Gundolf Köhler am 26. Oktober 1980 zwölf Menschen und sich selbst, mehr als 200 Menschen verletzt er zum Teil schwer. Aus wahlkampftaktischen Gründen wurde ein rechtsextremer Hintergrund schnell ausgeschloßen. Doch der Journalist Ulrich Chaussy hatte schon damals Zweifel an der offiziellen Version — und wird dafür nicht nur bedroht, sondern gerät sogar ins Visier des Münchner Staatschutzes. Heute kommt der Reporter als Held zurück — gespielt durch Benno Fürmann in einem Thriller, der die engagierte Arbeit von Chaussy minutiös rekonstruiert und zugleich verstehen lässt, wie der NSU funktionieren konnte.

Kein „Soldat wie andere auch“ – zur Biografie des KZ-Kommandanten und SS-Divisionskommandeurs Theodor Eicke

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs treten Veteranen der Waffen-SS mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, sie seien Soldaten gewesen wie etwa die Angehörigen der Wehrmacht auch. Zeitgenössische Rechtsextremisten teilen diese Haltung und leugnen damit den weltanschaulichen Charakter der nationalsozialistischen Parteiarmee, um dadurch auch von deren Verbrechen abzulenken. Eine aktuelle Veröffentlichung zeigt am Lebensweg des Röhm-Mörders, KZ-Kommandanten und Divisionskommandeurs Theodor Eicke, wie unhaltbar diese Behauptung ist.