von Redaktion
   

„Zwischentag“ in Erlangen: Vernetzungstreffen der Neuen Rechten

Verglichen mit früheren Auflagen des neurechten „Zwischentages“ müssen die Organisatoren um Felix Menzel mittlerweile kleinere Brötchen backen. Die für den 4. Juli in Erlangen unter dem Rahmenthema „Geopolitik und Einwanderung“ stehende „Freie Messe“ wird mit ihrem abgespeckten Programm nichtsdestoweniger eine Vielzahl an Personen des rechten Randes abseits von NPD und Freien Kameradschaften anziehen.

Die Grenzen zwischen der extremen Rechten und dem Konservatismus verwischen - wie die Wellen des Meeres am Strand.

„Der Verkauf der Messekarten läuft sehr gut. Sie sollten also nicht zu lange mit ihrer Bestellung warten“, warnten die Veranstalter des mittlerweile vierten „Zwischentages“ mögliche Interessenten auf ihrer Webseite am 12. Mai. Vor wenigen Tagen wiederholten sie diese Wasserstandsmeldung – derzeit scheint der „Freien Messe“ kein Ausverkauft-Schild an der Eingangstür zu drohen. Nach eigenen Angaben bietet das neurechte Vernetzungstreffen Platz für 200 Besucher, die pro Person 14,00 Euro Eintritt auf den Tresen legen müssen.

Der auf Initiative des „Sezession“-Machers Götz Kubitschek, eines Vordenkers der Neuen Rechten mit Rednereinsatz auf den Dresdner-Pegida-Demonstrationen, ins Leben gerufenen „Zwischentag“ wird mittlerweile von dem Chemnitzer Felix Menzel organisiert. Der Gründer der „Blauen Narzisse“ konnte für den 4. Juli in Erlangen 13 Aussteller, darunter sein eigenen Projekt, die „Sezession“, das ebenfalls von Kubitschek gegründete „Institut für Staatspolitik“ (IfS), das rechte Monatsmagazin „Zuerst!“, die „Identitäre Bewegung“ mit einem kleinen Stand, die „Bürgerbewegung Pax Europa“ oder die vom bayerischen Verfassungsschutz beobachte Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ gewinnen. Gegen die Erwähnung im Bericht der Schlapphüte aus dem Jahr 2012 klagte der herausgebende Verein „Midgard“ – eine Entscheidung steht aber offenbar noch aus.

Who is who

Umrahmt wird das Treffen unter dem Motto „Geopolitik und Einwanderung“ von acht Vorträgen mit einer Dauer zwischen 30 und 45 Minuten. Die Rechtspopulisten von „Pax Europa“ werden laut Programm zu „Allah und IS, Mohammed und Charlie Hebdo“ reden, während die „Identitären“ über „den großen Austausch“ fabulieren. Menzel selbst obliegt das Schlusswort, sein Referat steht unter dem Titel „Repressive Toleranz und die globalen Ursachen der Masseneinwanderung“. Kein Wunder, dass der islamfeindlichen Hassblog „PI News“ die Werbetrommel für die Veranstaltung rührt.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung findet der „Zwischentag“ in den Räumen der Burschenschaft „Frankonia“ statt, die ebenfalls auf dem Beobachtungszettel des Verfassungsschutzes steht. Im Mai letzten Jahres folgte der umstrittene Autor Akif Pirinçci einer Einladung der Erlanger Verbindung. Vor Ort waren einige bekanntere Kader der extremen Rechten wie der Publizist Jürgen Schwab und der NPD-Landesgeschäftsführer Axel Michaelis.

Messe mit sinkendem Zuspruch

Inzwischen haben auch die Planungen für Gegenproteste Fahrt aufgenommen. Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) sagte den Nürnberger Nachrichten: „Ich finde es widerlich, wenn sich Rechte in unserer Stadt tummeln. Das passt nicht zum Image und zu den Inhalten unserer Stadt“.

Der gesellschaftliche Widerstand der letzten Jahre dürfte auch zu einem verminderten Zuspruch des „Zwischentages“ unter der anvisierten Klientel beigetragen haben. Im letzten Jahr kamen etwa nach einem Verwirrspiel um den tatsächlichen Austragungsort gut 200 Interessenten nach Bonn. Bei seinen ersten beiden Auflagen hatte die neurechte Zusammenkunft noch mehrere Hundert Unterstützer und rund 40 Aussteller nach Berlin mobilisiert. 2013 befanden sich unter den Gästen auch der damalige sächsische NPD-Landtagsabgeordente Arne Schimmer und der Chef der Rechtsextremisten in der Hauptstadt, Sebastian Schmidtke. 

Kommentare(6)

Schwab Donnerstag, 11.Juni 2015, 17:38 Uhr:
"Inzwischen haben auch die Planungen für Gegenproteste Fahrt aufgenommen. Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) sagte den Nürnberger Nachrichten: „Ich finde es widerlich, wenn sich Rechte in unserer Stadt tummeln. Das passt nicht zum Image und zu den Inhalten unserer Stadt“."

Herr Janik weiß nicht, daß zu einer Demokratie auch die Meinungsäußerungen von Minderheiten gehören. Herr Janik wurde von einer Minderheit der wahlberechtigten Erlanger Bürger ins Amt des OB gewählt (absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen). Er maßt sich an, welche Minderheiten sich auf dem Erlanger Stadtgebiet äußern dürfen und welche nicht! Und auch Nicht-Erlanger, welche das Statgebiet seiner Auffassung nach betreten dürfen und welche nicht! Dümmlich!
 
Roichi Samstag, 13.Juni 2015, 14:23 Uhr:
@ Schwab

"Dümmlich" ist vor allem dein Kommentar.
Abgesehen davon, dass er rein aus Eigeninteresse entstand und nichts sachliches beinhaltet.

Natürlich weiß Herr Janik, dass Meinungsäußerungen zur Demokratie gehören. Deswegen äußert er nicht nur seine Meinung und macht bei Protesten mit, sondern lässt auch zu, dass ihr diesen Kaffeeklatsch veranstalten könnt.
Weiterhin bist du offensichtlich nicht in der Lage demokratische Wahlen und die Ergebnisse zu akzeptieren. Jedenfalls, wenn sie nicht deinem Gusto entsprechen. Ob es eine Mehrheit der Wahlberechtigten gibt ist nicht relevant. Wie du selbst schreibst ist es die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Wer nicht teilnimmt, akzeptiert das Ergebnis.
Du maßt dir also an, deine Meinung nicht nur über die demokratische Meinungsäußerung der Erlanger, sondern auch noch über Recht und Gesetz zu stellen.
Und deine Begründung ist dann auch noch eine Lüge aus Eigeninteresse.
"Dümmlich" ist dann wohl doch die falsche Bezeichnung.
Gelogen wäre richtig.
 
Kurth Samstag, 13.Juni 2015, 23:07 Uhr:
Wie immer:
Tja Schwab...

Der (Rechts-)Konservative denkt ja sehr oft er dürfe einfach ohne Konsequenzen seine Meinung rausblöken. Zur Meinungsfreiheit gehört aber auch andere Meinungen scheisse finden zu dürfen und das euch deutlich zu sagen. Wenn dann Gegenwind kommt dann ist der (Rechts-)Konservative beleidigt und jammert rum und sieht den Rotfaschismus am Horizont aufziehen.

Dass die Veranstaltungen aber nicht verboten wurden (was rechtsstaatlich auch nicht möglich ist, so lange nichts verfassungswidrigen geschieht), sondern nur mißbilligt -das kann bzw. muss man in dem Kontext natürlich auch schön ausblenden.
 
Schwab Sonntag, 14.Juni 2015, 13:35 Uhr:
@Kurth

Was man "scheiße" findet (Kurth), muß weggespült werden, was man als "widerlich" empfindet (Janik), ist zu selektieren.
Oder hab ich das falsch interpretiert? Ich muß nicht noch Goebbels bemühen, wie der politische Gegner bezeichnete.
Du hast das Dilemma, in dem sich OB Janik befindet, unfreiwillig auf den Punkt gebracht: er k a n n den Zwischentag nicht verbieten, auch wenn er es möchte, weil er es halt nicht k a n n , weil die Veranstaltung auf einem Privatgelände stattfinden wird.
Also auf juristischem Wege ist die Zensur nicht machbar, aber sicherlich hat OB Janik sich schon mal überlegt, woher die Herren Burschenschafter, die die Räume stellen, ihre Einkommen beziehen, ob diese auf gesellschaftliche Reputation gegenüber ihren Arbeitgebern, Kunden, Professoren, Nachbarn usw. angewiesen sind, usw. usf. Die soziale-ökonomische Zensur ist da wohl der "richtige" Ansatzpunkt. Und dann wird sich ja sowieso die "Zivilgesellschaft" in der Nähe des Hauses versammeln ...
 
Kurth Montag, 15.Juni 2015, 07:30 Uhr:
@Schwab:
Mein Deutschlehrer sagte immer: Bei einem Text müssen Sie etwas aus dem Inhalt heraus interpretieren, nicht hinein. Hätte nicht gedacht, dass man in ein Wort wie "scheisse" so viel reinprojizieren kann.

Der Rest des Kommentars jedenfalls offenbart ein sehr paranoides Weltbild. Es sei denn Sie haben für die Mutmaßung der OB möchte Burschenschaftler diskreditieren einen Beleg? Oder entspringt diese Annahme auch nur Ihrer Phantasie?
 
Roichi Montag, 15.Juni 2015, 07:52 Uhr:
@ Schwab

Man kann auch Veranstaltungen auf Privatgelände verbieten.
Wie an diversen rechten Konzerten bewiesen.

Aber nichtmal, wenn man diesen Lapsus in deiner "Argumentation" weglässt, bleibt noch etwas mit Substanz übrig.
Denn eine Zensur behauptest du nur. Egal, welche Krücken du dir dafür zusammenschustern musst.
Ebenso behauptest du, zu wissen, was er warum will.
Und das alles nur, um dich als Opfer darzustellen.
Fakten, Belege, konkrete Argumenta kannst du nicht liefern. Wie auch?
Sie existieren ja nicht, daher dein Rumgekrücke.

Und die Zivilgesellschaft mag euch nunmal nicht. Akzeptiere das doch mal.
Wo du oben von Demokratie und freier Meinungsäußerung schwadronierst, gilt das mal wieder nur für deine Meinung, nicht die anderer Menschen.

Du bleibst dir also treu und versuchst es mit dümmlichen Lügen, um deine Ideologie nicht zu gefährden.
 

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