Zu Besuch bei Freunden – Brandstifter von Lichtenhagen in der NPD-Fraktion

Am 22. August jähren sich die pogromartigen Ausschreitungen gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen zum 19. Mal. Zu den Brandstiftern zählt auch der Schweriner Ronny Sanne – ihn empfing kürzlich der NPD-Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs.

Mittwoch, 27. Juli 2011
Robert Scholz
Zu Besuch bei Freunden – Brandstifter von Lichtenhagen in der NPD-Fraktion
Sonderlich großen Rückhalt dürfen Kriminelle dieser Tage nicht von der NPD erwarten – schließlich hat in Mecklenburg-Vorpommern gerade der Wahlkampf begonnen. Diese Erfahrung musste zuletzt der Abrissunternehmer Sven Krüger machen, der seinen Posten im NPD-Landesvorstand schneller wieder los war, als seine „Jungs für´s Grobe“ Häuser niederreißen. Nach seinem Geständnis, Geschäfte mit Hehler-Ware gemacht zu haben, versagte ihm die NPD M-V die Rückendeckung.

Unterstützung gewährte sie allerdings dem auf der eigenen Internetseite als „hilfesuchenden Bürger“ vorgestellten Lichtenhagen-Brandstifter Ronny Sanne. Dass dieser Fall überhaupt öffentlich wurde, hat sich die NPD selbst zuzuschreiben. Da Sanne mit Schuhen der Marke „New Balance“ den Landtag betreten wollte, ist er am Eingang abgewiesen worden. Die Marke gilt – wie „Thor Steinar“ – als Erkennungszeichen der rechtsextremen Szene und für den Landtag „unangemessen“. Barfuß konnte der Lichtenhagen-Brandstifter den Landtag dann doch noch betreten, um Hilfe bei der NPD zu suchen. Er sei in einer „die Würde des Menschen verachtenden Art und Weise“ gezwungen worden, sich seiner Schuhe zu entledigen, befand die NPD. In einem kurzen Video-Clip beklagte der NPD-Fraktionschef und Biedermann Pastörs diese Vorgehensweise und zeigte sich mit dem besockten Brandstifter.

Das Anliegen Sannes: Der Schweriner Sportpark „Paulshöhe“, Heimstätte unter anderem von Dynamo Schwerin, soll geschlossen werden. Hintergrund ist der Bau eines Mega-Sportparks für mehr als 5 Millionen Euro, der künftig von den Vereinen Eintracht Schwerin, Schweriner SC und Dynamo Schwerin genutzt werden soll. Bei Dynamo wehrt man sich allerdings gegen die Pläne der Stadt, da die „Paulshöhe“ als Traditionsstätte erhalten werden soll. Mit der NPD scheint man politisch einen Partner gefunden zu haben.

Sanne engagiert sich seit langem bei Dynamo Schwerin. Als Fanbeauftragter des Vereins, der immer wieder mit rechtsextremen Fans in Verbindung gebracht wird, leitete er ein Präventionsprojekt mit dem Titel „Fan statt Hooligan“. Das Innenministerium förderte das Projekt finanziell. Und noch 2008 lobt der zuständige Minister Lorenz Caffier das Projekt gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“: „Dynamo Schwerin beweist, dass gezielte Förderung und fachliche Anleitung zur Eindämmung von Gewalt und Rassismus im Amateurfußball sinnvoll sind.“

Zur gleichen Zeit will Sanne mit dem „Neonazikram“ abgeschlossen haben. Mit dem „Neonazikram“ dürfte Sanne seine erst 2002 erfolgte Verurteilung wegen Mordversuchs und Brandstiftung in Rostock-Lichtenhagen gemeint haben. Nur weil die Tat schon zehn Jahre zurücklag, kam der mehrfach unter anderem wegen Körperverletzung verurteilte Sanne mit einem solch milden Urteil davon. Nicht wenige sprachen aufgrund der Verschleppung des Verfahrens von einem Justizskandal.

Einen parlamentarischen Skandal versuchte die NPD aus ihrem Antrag zum Erhalt der Sportstätte „Paulshöhe“ zu machen. Noch während seiner Rede gab Fraktionsvorsitzender Udo Pastörs seiner Fraktion ein Zeichen, fuhr das Rednerpult herunter und entrollte mit seinen „Kameraden“ ein Transparent mit der Aufschrift „Heimat und Kultur erhalten“. Die Sitzung musste unterbrochen werden, tumultartige Szenen spielten sich noch einmal in der letzten Sitzung der Legislaturperiode ab. Auf den Besucherrängen hätte die NPD ihre Claqueure platziert: Mehrere Dynamo-Fans und augenscheinlich der rechtsextremen Szene nahestehende Personen hatten dort auf Einladung der NPD-Fraktion Platz genommen und applaudierten lautstark beim Redebeitrag Pastörs´. Auch sie wurden im Zuge des Eklats am Rednerpult des Saales verwiesen.

Die NPD dürfte mit ihrem Auftritt trotzdem zufrieden gewesen sein, schließlich gab es ein bundesweites Medienecho auf die Aktion. Dass der Ausgangspunkt ihrer Propaganda ein verurteilter Straftäter war, nahmen die Rechtsextremisten dabei billigend in Kauf.
Foto: Screenshot
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