Zentrum des neonazistischen Konzertgeschehens
Im vergangenen Jahr fanden in Thüringen so viele Rechtsrock-Konzerte wie seit 20 Jahren nicht mehr statt. Der Großteil davon fand in einer Immobilie in Südthüringen statt, die von dem langjährigen Neonazi Tommy Frenck genutzt wird.
Die Mobile Beratung in Thüringen (Mobit) hat für das vergangene Jahr einen neuen Höchststand an Rechtsrock-Musikveranstaltungen in Thüringen registriert. Mit insgesamt 100 Hassmusik-Events hat die Zahl ein Allzeithoch seit Beginn der Zählung vor knapp 20 Jahren erreicht. Die zuständigen Behörden zählten 80 Konzerte.
Die von Mobit berechnete Zahl hat das bisherige Spitzenjahr 2018 um 40 Prozent übertroffen und sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Damit ging 2025 an jedem vierten Tag mindestens eine Rechtsrock-Veranstaltung im Freistaat über die Bühne. Fast zwei Drittel davon fanden im „Gasthaus Eiserner Löwe“ des Neonazis Tommy Frenck in Brattendorf im Landkreis Hildburghausen statt.
Zuvor Eisenach, jetzt Brattendorf
Seit der Eröffnung des von ihm betriebenen Gasthauses im Herbst 2024 finden hier fast wöchentlich Konzerte oder „Liederabende“ statt, oft drei an einem Wochenende. Mobit spricht von einer „umfassenden neonazistischen Konsum- und Erlebniswelt“ mit einer Mischung „aus Essen, Einkauf und Live-Musik“. Die Immobilie in Brattendorf im Süden Thüringens sei ein „bundesweit frequentiertes Zentrum extrem rechten bzw. neonazistischen Konzertgeschehens“.
100 #RechtsRock-Konzerte 2025 – Thüringer Zahlen auf Rekordhoch Damit hat sich die Anzahl im Vergleich zum Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Schwerpunkt dieser Entwicklung ist mit 63 Konzerten das Gasthaus „Eiserne Löwe“ des Neonazis Frenck in Brattendorf. #Thüringen @thhindrichs.bsky.social
— Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) (@mobit-thueringen.bsky.social) 10. März 2026 um 09:10
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Diese Bezeichnung traf noch vor bis rund zwei Jahren auf die Parteizentrale von „Die Heimat“, ehemals NPD, im westthüringischen Eisenach zu. Im „Flieder Volkshaus“ fanden regelmäßig Konzerte mit Ausstrahlung weit über Thüringen hinaus statt. Ein Hotspot, der inzwischen keiner mehr ist. Der Grund dürften vor allem die Aussagen des damaligen Landesvorsitzenden von „Die Heimat“, Patrick Wieschke, zur neonazistischen Kampfsportgruppe „Knockout 51“ gegenüber der Bundesstaatsanwalt sein.
Vor allem extrem rechte Liederabende
In dem Verfahren gegen mutmaßliche Mitglieder der Neonazi-Gruppe ist auch Wieschke angeklagt und muss sich wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht in Jena verantworten. Nach seinen Aussagen wurde Wieschke von Neonazis als „Kameradenschwein“ bezeichnet.
Im Rückblick hat sich vor allem die Art der Konzerte gewandelt, wie es sich schon seit der Corona-Pandemie angedeutet hat. So sind 85 Prozent der Konzerte in Thüringen 2025 extrem rechte Liederabende mit geringem technischen Aufwand. Weit abgeschlagen folgen Erfurt und Gera mit je sechs Rechtsrock-Konzerten.
Sonderstellung der Immobilie von Frenck dürfte wachsen
In der Landeshauptstadt beobachtet Mobit vor allem Metal-Konzerte im Klub „From Hell“ zahlreicher Bands mit extrem rechten Texten oder dem Spiel mit extrem rechter Symbolik. In Gera in Ostthüringen handelte es sich Konzerte und eine Mischung aus Demonstration und Rechtsrock-Open-Air, die das Bundesvorstandsmitglied von „Die Heimat“, Christian Klar, veranstaltete. Nach ihm fahndet mittlerweile die Staatsanwaltschaft Gera. Der vorbestrafte Klar ist wegen mehrerer Delikte angeklagt und gilt als flüchtig. Nach Beiträgen in den Sozialen Medien soll er sich angeblich in Spanien oder Südafrika aufhalten.
Auch für das laufende Jahr gibt es keine Entwarnung. In den ersten drei Monaten sind laut Mobit bereits 25 Rechtsrock-Konzerte angekündigt und damit mehr als doppelt so viele wie im ersten Quartal 2025. Außerdem habe Frenck angekündigt, sein Angebot durch Übernachtungsmöglichkeiten auszubauen. Damit, so die Berater*innen, drohe „die Sonderstellung der Szene-Immobilie in Brattendorf als ein bundesweit frequentiertes Zentrum“ weiter zu wachsen.