Zahl der Neonazi-Vertriebe in Thüringen gestiegen

Wieder einmal haben Neonazi-Vertriebe ihren Sitz von Niedersachsen nach Thüringen verlegt und dafür gesorgt, dass die Zahl dieser Versandunternehmen gestiegen ist.

Montag, 08. Februar 2021
Kai Budler

Nach dem Umzug eines Neonazis aus Niedersachsen werden in Thüringen jetzt rund 20 extrem rechte Versandunternehmen betrieben. Bereits Ende 2019 hatte der extrem rechte „Der Versand“ nach 16 Jahren seinen Sitz von Niedersachsen nach Thüringen verlegt.

Nach Informationen der Abgeordneten der Linken im Thüringer Landtag, Katharina König-Preuss, zog nun der niedersächsische Neonazi Nils Budig als Geschäftsführer der „Küsten Textil UG“ aus Ostfriesland in den Nordthüringer Kyffhäuserkreis. Damit hat sich auch die Anschrift von Budig und seinen drei Vertrieben geändert. „Wewelsburg Records“, „Front Records" und „Gjallarhorn-Klangschmiede“ sind nun über ein Postfach in der knapp 7.000 Einwohner zählenden Stadt Artern erreichbar.

Mit dem Gesellschaftsvertrag aus dem August 2019 ist die „Küsten Textil UG“ mit Geschäftsführer Budig für den „Vertrieb von Tonträgern und Textilien über das Internet“ tätig. Wie sein Firmennetzwerk steht Budig den elitären „Hammerskins“ nahe und zählt zu den Kern-Mitgliedern des Neonazi-Kampfsportteams „Kampf der Nibelungen“.

König-Preuss befürchtet, dass „auf den Umzug eines bekannten Hammerskins nach Thüringen auch entsprechende Aktivitäten folgen werden“. Dafür spreche, dass Budig laut der Politikerin zu den Zuschauern einer Stadtratssitzung in Eisenach gehörte, in der die acht Stadträte von NPD und AfD an ihrem Sitzplatz den Mund-Nase-Schutz abgenommen und sich geweigert hatten, sie wieder aufzusetzen.

König-Preuss erklärte, unter den zehn organisierten Neonazis auf den Zuschauerrängen seien neben Budig auch mehrere Personen aus der extrem rechten Kampfsportgruppierung „Knockout 51“ aus Eisenach gewesen. Dies sei eine „sichtbar gewordene Vernetzung zwischen „Knockout 51“ und Hammerskins-Anhängern“.

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