von Mathias Brodkorb
   

Wolfgang Wippermann: „Ernst Nolte ist mein missratener Lehrer“ - Teil 1

Der renommierte linke Kritiker von Totalitarismus- und Extremismustheorien, Wolfgang Wippermann, ist ein Schüler Ernst Noltes und zugleich einer seiner größten Kritiker. Im Gespräch mit Mathias Brodkorb bezeichnet er die These von der Singularität des Vernichtungslagers Auschwitz, um die sich der "Historikerstreit" des Jahres 1986 drehte, dennoch als ein "unhaltbares Dogma". Das Interview ist ein Abdruck aus dem Band "Singuläres Auschwitz".

Mathias Brodkorb: Sehr geehrter Herr Wippermann, Sie haben bei Ernst Nolte promoviert. Wie kam es dazu?

Prof. Dr. Wolfgang Wippermann: Das ist richtig. Ich habe aber nicht nur bei ihm promoviert, sondern auch habilitiert – als Einziger, glaube ich. Ich bin also sein Meisterschüler, wenn Sie so wollen. Wir trafen in Marburg aufeinander. Ich hatte eine Stelle bei dem marxistischen Professor Wolfgang Abendroth. Marburg entwickelte sich aber immer mehr zu einem Hort von Stalinisten. Ein Schockerlebnis war für mich, das weiß ich noch wie heute, im Jahr 1970. Es war der 100. Geburtstag von Lenin und Abendroth hielt so eine Rede, in der war Lenin so etwas wie eine Mischung aus Jesus und Mutter Theresa. Und zum Schluss erhob sich das gesamte Auditorium und klatschte, und auch das Podium erhob sich und klatschte sich selbst zu, nur ich blieb sitzen. Damals dachte ich so bei mir: Das ist nun wirklich etwas zu viel des Guten. Ich hatte damals eine Stelle bei Abendroth und wurde dann wegen „Abweichlertums“ von den Studierenden entfernt. Anschließend begann ich bei Nolte zu arbeiten. Er war durch seine Belesenheit durchaus faszinierend für mich, aber auch methodisch, das muss ich schon sagen. Methodisch war damals entweder ein vulgärer Marxismus oder das Dogma der Sozialgeschichte angesagt. Nolte war der letzte Vertreter der traditionellen Ideengeschichte, was insbesondere für die Faschismusanalysen von Bedeutung ist. Faschismus kann man nicht erklären mit Ökonomie, sondern nur mit Ideologie. Dann gingen wir nach Berlin und ich wurde Noltes Assistent. Hier habe ich dann über die Bonapartismus-Theorie meine Habilitationsschrift1 verfasst. In Sachen Marxismus war und ist Nolte ein anregender Autor. Sein Marx-Buch2 ist wirklich sehr gut. Der Erste, der mich dann darauf hinwies, dass in Noltes Buch über den Kalten Krieg3 ein Israel-Kapitel enthalten ist, das so nicht geht, war Peter Gay. Es ging damals um eine Parallelisierung von Verbrechen der Israelis gegenüber den Palästinensern mit den Verbrechen der Nazis gegenüber den Juden. Nolte hatte dies in seinem berühmten schwebenden Stil geschrieben, der sehr problematisch ist – „man könnte“, „es ist vielleicht“ usw. usf. Obwohl das in der Öffentlichkeit gar nicht so bemerkt wurde, war diese komische aufrechnende Tendenz darin schon enthalten. Damit verband sich dann auch Noltes Wende um 180 Grad. Ich selbst hatte ihn ja als denjenigen gefeiert, der die Totalitarismustheorie im Grunde theoretisch erledigt hatte, aber dann gab es diese Wende in seinem Denken. Er hat mit seinem großen Erstlingswerk „Der Faschismus in seiner Epoche“ für den Faschismusbegriff wirklich Großartiges geleistet, anschließend aber selbst alles wieder kaputt gemacht.

Brodkorb: Wie war Nolte als Mensch, als akademischer Lehrer, als Vorgesetzter?

Wippermann: Da kann ich mich wirklich nicht beklagen. Nolte gehörte nicht zu jenen Professoren, die ihre Assistenten ausbeuten oder schlecht behandeln, sich ihre Aufsätze durch sie schreiben lassen oder Ähnliches. Natürlich musste auch ich zuarbeiten, aber Nolte hat seine Texte immer selbst geschrieben. Auch die Methodik seiner Doktorandenkolloquien habe ich in meiner Arbeit übernommen. Aber als Gutachter war Nolte unfassbar. Wenn er bei Bewerbungen, an denen ich beteiligt war, begutachtet hat, war ich raus. Da hat er dann gesagt: Der schreibt zuviel. Das ist ja auch nicht völlig falsch. Es sind ja inzwischen auch mehr als 30 Bücher und etwa 200 Aufsätze von mir erschienen, und ich werde Nolte demnächst überholen. Allerdings sind meine Bücher nicht so dick wie seine – ich hasse dicke Bücher. Aber Nolte ist ziemlich rechthaberisch. Er kann nicht zugeben, dass auch nur ein Komma falsch ist. Wenn er sich an einer Idee festgebissen hat, ist die Diskussion mit ihm sinnlos. Einen Historikerstreit mit ihm zu führen, ist also zwecklos.

Brodkorb: War dies auch der Grund, warum Sie sich seinerzeit nicht am Historikerstreit beteiligt haben?

Wippermann: Ich war damals der Auffassung, dass ich zu nahe an ihm dran war, um mich in die Diskussion einzumischen. Das hat etwas mit Anstand zu tun. Ich überlege schon seit längerer Zeit, ob ich noch einmal ein Buch zum Historikerstreit schreiben soll, aber damals kam das für mich nicht in Frage. Ich sage immer: Ernst Nolte ist mein missratener Lehrer. Aus einer solchen Perspektive sollte man vielleicht kein Buch über seinen Doktorvater schreiben.

Brodkorb: Was genau hat nun den Bruch zwischen Ihnen und Nolte hervorgerufen?

Wippermann: Exemplarisch steht da vielleicht das berühmte Spiegel-Gespräch mit Augstein. Nolte bewegte sich damals hart am Rande der Holocaust-Leugnung. Ich habe gesagt: So geht es einfach nicht. In einem Vortrag habe ich ihn dann auch einmal, mit gebrochener Stimme durchaus, in die Reihe der Holocaustleugner eingereiht. Als Reaktion habe ich mich dann nicht von Nolte losgesagt, sondern er hat mich umgekehrt verstoßen. Seitdem gibt es zwischen uns im Prinzip keine Beziehung mehr.

Brodkorb: Auf welchen Satz des Augstein-Interviews beziehen Sie sich dabei?

Wippermann: Ich habe das jetzt so nicht parat, das waren mehrere Aussagen.

Brodkorb: Für den Historikerstreit zentral ist die Diskussion über nationale Identität. Wie sehr hat dies Nolte aus Ihrer Sicht berührt?

Wippermann: Sehr. Er konnte mit der Täterperspektive, mit Schuld, Sühne und Gedenkstättenfahrten gar nichts anfangen. Was wir damals alles gemacht haben, dass ich darüber gepredigt, Gedenkstättenfahrten quasi pseudoreligiös vorbereitet habe, dafür hatte er gar kein Verständnis. Er verfiel regelmäßig in eine Täter-Opfer-Umkehr und die Schuldabwehr.

Brodkorb: Ich würde gerne noch einmal auf Ihre These zurückkommen, Nolte hätte sich der Holocaustleugnung genähert. Holocaustleugner bestreiten ja einfache historische Tatsachen, empirische Fakten also. Ich kann mich nicht erinnern – vielleicht ist meine Kenntnis des Werkes Noltes aber auch zu oberflächlich –, dass Nolte in diesem Sinne den Holocaust geleugnet hat. Sind seine Argumente nicht eher auf der Ebene von Wertungen angesiedelt?

Wippermann: Nolte hat immer eine Verharmlosung durch Vergleich vorgenommen, indem er am Ende behauptet hat, Stalin sei schlimmer gewesen...

Brodkorb: ...Angenommen, Nolte hätte das gesagt, wäre das doch aber dem Bereich der Wertungen, nicht dem der historischen Fakten zuzuordnen.

Wippermann: Das können Sie doch gar nicht voneinander trennen. Es ist doch auch nicht nur der Vergleich Hitler-Stalin, sondern auch der Vergleich Hitler-Juden. Und das geht nicht, das ist nicht tragbar.

Brodkorb: Mir leuchtet das noch nicht ein. Ich finde es nachvollziehbar, wenn man zum Beispiel die Position hat, dass ein Vergleich historischer Ereignisse einem unangemessen erscheint oder bei einem spezifischen Auditorium politisch schwierige Assoziationen auslösen kann, aber mir leuchtet noch immer nicht ein, warum man die Leugnung des Holocaust, die Leugnung nackter historischer Tatsachen also, nicht trennen können soll von ihrer Bewertung, zum Beispiel als „singulär“? Das hätte ja nicht nur die merkwürdige Konsequenz einer Verharmlosung ganz eigener Art – z. B. tatsächlicher Leugnung des Holocaust durch Neonazis –, sondern führte begrifflich ins Uferlose. Jede von einem strikten Schema vorgegebene Abweichung wäre dann gleichsam eine Holocaustleugnung.

Wippermann: Nein, da sind Sie jetzt Philosoph, aber die Geschichtswissenschaft ist keine objektive Wissenschaft. Sie können Fakten nicht von Bewertungen trennen, das wäre naiver Historismus. Das geht einfach nicht. Natürlich kann man alles miteinander vergleichen, aber wenn etwas Unvergleichbares verglichen wird, wird es relativiert. Wenn man also Israel und die Nazis vergleicht, dann ist das wirklich unfassbar, das geht nicht.

Brodkorb: Es ist ja unbestritten, dass kein Mensch theorielos wahrnehmen kann. Aber daraus, scheint mir, kann man noch nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass das Beschreiben historischer Ereignisse in ihrem empirischen Gehalt strukturell nicht mehr unterscheidbar ist von Bewertungen. Ein zugespitztes Beispiel: Unter idealtypischen Bedingungen kann ich durch bloßes Zählen herausfinden, wie viele Menschen in Auschwitz gestorben sind. Ob das, was diesen Menschen angetan wurde, tatsächlich „singulär“ war oder ist, kann ich den Leichen aber nicht ansehen, das ist eine Frage der Bewertung, und diese ist sehr viel theorieabhängiger als eine bloße Beobachtung, gleichwohl diese natürlich auch nicht theorielos ist. Nach Ihren Ausführungen kann man diese Unterschiede gar nicht mehr sinnvoll machen.

Wippermann: Das geht einfach nicht. Empirische Fakten und Theorien gehen nun einmal ineinander über, man kann das nicht sauber trennen. Das ist Historismus, das ist von vorgestern, ein frommes Ammenmärchen. Noch einmal: Wenn man in einem Satz „Juden“ und „Nazis“ sagt, das geht nicht! Das ist Trivialisierung durch Vergleich und darum geht es bei Nolte, das ist Schuldabwehr, das ist Täter-Opfer-Umkehr.

Brodkorb: Es gibt also nach Ihrer Ansicht kein Kriterium, anhand dessen in der Wissenschaft bloße Beschreibungen empirischer Tatsachen von Bewertungen unterschieden werden können?

Wippermann: Doch, doch, es gibt die positivistische Ideologiekritik, die funktionalistische Ideologiekritik, die Diskursanalyse – das ist eine große Geschichte, ein weites Feld. Aber damit hat sich Nolte ja nie beschäftigt.

Brodkorb: Meinen Sie? Es wird ja häufig behauptet, der Historikerstreit sei ein rein politischer Streit gewesen. Mir scheint allerdings, dass damals in Wahrheit Vertreter zweier wissenschaftstheoretischer Konzepte aufeinander geprallt sind, nämlich jene, die wie Nolte am Sinn der Unterscheidung zwischen Faktum und Bewertung in der Historiographie festhalten und zum Beispiel die Sozialhistoriker, die diesen Standpunkt ablehnen und vielleicht auch deshalb Noltes Gegner sind.

Wippermann: Das ist falsch, weil es kein Historikerstreit war, sondern ein Politikerstreit oder ein politisierter Historikerstreit. Es ging um Geschichtspolitik und um nichts anderes. Das ist es.

Brodkorb: Das ist jetzt eine Behauptung, aber noch kein Argument. Nolte macht auf mich eher den Eindruck des einsamen Intellektuellen, nicht des politisch Ambitionierten.

Wippermann: Nochmal, das war Geschichtspolitik. Sie müssen das sehen vor dem historischen Hintergrund der 1980er Jahre und den Debatten über den Nationalsozialismus. Damals gab es die Befreiungsrede von von Weizsäcker, Debatten über Ver-gangenheitsbewältigung und -aufarbeitung, Singularität, Schuld, Verbrechen – diese ganze Richtung hat ihm nicht gepasst, und in diese Situation hat er interveniert. Er wollte mit seinem FAZ-Artikel bewusst politisch intervenieren und die besondere Qualität des nationalsozialistischen Rassenmords kleinreden. Biologischer Rassenmord und sozialer Klassenmord sind einfach nicht dasselbe.

Fortsetzung folgt morgen

Fußnoten

1 Wolfgang Wippermann, Die Bonapartismustheorie von Marx und Engels, Stuttgart 1983. Alle Anmerkungen verantwortet der Herausgeber.

2 Gemeint ist Ernst Nolte, Marxismus und Industrielle Revolution, Stuttgart 1983.

3 Ernst Nolte, Deutschland und der Kalte Krieg, 2. Auflage, Stuttgart 1985.

Mathias Brodkorb (Hrsg.):
Singuläres Auschwitz?
Ernst Nolte, Jürgen Habermas und 25 Jahre „Historikerstreit“
(Adebor Verlag)
ISBN: 978-3-9809375-9-7
Paperback ca. 180 S. - 19,0 x 12,0 cm
Preis: 14,90 Euro







Foto: Screenshot YouTube

Kommentare(14)

Atze Dienstag, 12.Juli 2011, 08:32 Uhr:
Hehe, "...mein missratener Lehrer...", lustiger Vogel der Wippermann. Leider auch leicht begriffsstutzig. "Vergleichen", "bewerten" und "relativieren" sind nunmal ... "vergleichen", "bewerten" und "relativieren" und eben nicht "leugnen". Über die Unterscheidung sollte er sich mal mit einem Juristen unterhalten...
Eine andere Frage ist natürlich, ob "relativieren" nicht mindestens genauso übel sein kann, wie "leugnen". In dem Sinne passen Wippermanns Aussagen wieder.
 
Paul.pa Dienstag, 12.Juli 2011, 13:46 Uhr:
Wenn die Haltung von Herrn Nolte dem Historismus zu zuordnen wäre, würde ich diese Betrachtungsweise erheblich angebrachter finden in dieser Frage als dieses sich auf ein imaginäres hohes Ross setzen seiner Kontrahenten, die im nachhinein alles besser zu wissen meinen.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung des Gesprächs.
 
Atze Dienstag, 12.Juli 2011, 14:51 Uhr:
Hallo Matthias Brodkorb,

"Nolte macht auf mich eher den Eindruck des einsamen Intellektuellen, nicht des politisch Ambitionierten."

Einsamkeit und politische Ambitionen sind - zumal für Rechtskonservative - doch eigentlich kein Widerspruch... :-)

Deine Wahrnehmung Noltes verblüfft mich insoweit, als dass ich, der eher wenig von Nolte gelesen und ihm nie persönlich begegnet bin, IMMER den Eindruck hatte, den Wippermann aus vergleichsweise intimer Kenntnis latent bestätigt: Noltes Antrieb ist das basteln eines moralischen Rettungsrings für das vollständige Versagen der konservativ ausgerichteten deutschen Eliten vor, während und eben auch nach der Zeit des "Tausendjährigen Reiches".
Die deutschen Eliten wollten Hitler und seine Vernichtungsexzesse, weil sie "Revanche" für den 1. WK, vor allem die verfehlten Kriegsziele wollten, weil sie eine Revision des Versailler Vertrages anstebten und sich Erlösung von der Eliminierung der bolschewistischen und aus Akzeptanzgründen zur "jüdisch-bolschewistischen" hochstilisierten "Gefahr" versprachen.
Für Nolte - so meine Hypothese - alles "ehrbare" Ziele. Kritikwürdig nur die "unappetitlichen" Aspekte der "Überreaktion"...

Für mich ist Nolte ein "konzeptiver Ideologe", der dem es sehr wohl um politisch motivierte Deutungshoheit über die deutsche Geschichte geht.
Bitteschön, man mag dem alten Sack ja vielleicht wirklich Unrecht tun, wenn man ihn auf die Rezeptionsgeschichte seines Wirkens reduziert. Aber hätte Nolte nur einen Funken andersartiger Absichten als die von mir unterstellten, hätte er sich da nicht auch mal zu eben dieser Rezeptionsgeschichte kritisch äußern können...?
 
Karl_Murx Dienstag, 12.Juli 2011, 19:22 Uhr:
@Wolfgang Wippermann: Der nächste studierte Linksaktivist in Talarsverkleidung im Interview mit Mathias Brodkorb:

"(Prof. Dr. Wolfgang Wippermann:) Das ist richtig. Ich habe aber nicht nur bei ihm promoviert, sondern auch habilitiert – als Einziger, glaube ich. Ich bin also sein Meisterschüler, wenn Sie so wollen. ... Nolte gehörte nicht zu jenen Professoren, die ihre Assistenten ausbeuten oder schlecht behandeln, sich ihre Aufsätze durch sie schreiben lassen oder Ähnliches."

Interessant die weiter unten stehenden Ausführungen Wippermanns, auf welche Art er es Nolte dankt.

"Aber Nolte ist ziemlich rechthaberisch. Er kann nicht zugeben, dass auch nur ein Komma falsch ist. Wenn er sich an einer Idee festgebissen hat, ist die Diskussion mit ihm sinnlos. Einen Historikerstreit mit ihm zu führen, ist also zwecklos. ... Ich sage immer: Ernst Nolte ist mein missratener Lehrer. Aus einer solchen Perspektive sollte man vielleicht kein Buch über seinen Doktorvater schreiben. ... In einem Vortrag habe ich ihn dann auch einmal, mit gebrochener Stimme durchaus, in die Reihe der Holocaustleugner eingereiht."

Könnte es sein, daß hier der Neid des Schülers Wippermann auf die Popularität, den Erfolg, die wissenschaftliche Reputation und vor allem auf das überlegene fachliche Können und Wissen des Mentors Nolte dazu geführt hat, daß ersterer die Linkslastigkeit des universitären Betriebs der bundesdeutschen Geisteswissenschaften dazu benutzte, Nolte als Reaktionär und Holocausleugner zu diffamieren, um dessen Position zu unterminieren und sich eine Stellung zu ergattern, die er auf Grund eigener Leistungen nie erreicht hätte?

"(Wippermann): Es sind ja inzwischen auch mehr als 30 Bücher und etwa 200 Aufsätze von mir erschienen, und ich werde Nolte demnächst überholen. Allerdings sind meine Bücher nicht so dick wie seine – ich hasse dicke Bücher."

Auf den Inhalt kommt es an, Herr Wippermann. Wer viel zu sagen hat, braucht oft auch viele Worte. Wer aber wort- und phrasenreich nur die eigene linke Gesinnung darlegen und ansonsten fachlich wenig zur wissenschaftlichen Untersuchung deutscher und europäischer Historie beizutragen hat, sollte besser gar nichts schreiben.

"(Wippermann): Wir trafen in Marburg aufeinander. Ich hatte eine Stelle bei dem marxistischen Professor Wolfgang Abendroth. Marburg entwickelte sich aber immer mehr zu einem Hort von Stalinisten. Ein Schockerlebnis war für mich, das weiß ich noch wie heute, im Jahr 1970."

Wenn Leute wie Wippermann so etwas sagen, dann muß es ja wirklich schlimm gewesen sein. Ich kann nur wiederholen, was ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe: Es ist absurd und nur kafkaesk zu nennen, daß sich die Bundesrepublik Deutschland, die im Wettbewerb mit anderen Nationen im Gerangel und Wohlstand, Erfolg und Einfluß steht, diesen marxistischen Narrensaum in der Darstellung eigener Geschichte und der eigenen Nation leistet. Da war selbst die pöhse DDR in ihren letzten Jahren schon weiter.

"(Wippermann:) Nolte war der letzte Vertreter der traditionellen Ideengeschichte, was insbesondere für die Faschismusanalysen von Bedeutung ist."

Versuchen wir, das in die Klarsprache zu übersetzen: Demnach ist Nolte der letzte Vertreter der deutschen Historikerzunft, der noch um wissenschaftliche Objektivität bemüht war und alle Episoden der deutschen Geschichte in ihrem realen historischen Kontext einzuordnen wußte. Im Gegensatz zu den 68ern, bei denen die eigene (linke) Gesinnung mehr zählte als fachliches Wissen und Können, inklusive der rituellen Verdammung der eigenen Geschichte und Nation sowie der Tendenz, die deutsche Historie als direkten Weg zum Holocaust zu interpretieren.

"(Wippermann): Der Erste, der mich dann darauf hinwies, dass in Noltes Buch über den Kalten Krieg3 ein Israel-Kapitel enthalten ist, das so nicht geht, war Peter Gay. Es ging damals um eine Parallelisierung von Verbrechen der Israelis gegenüber den Palästinensern mit den Verbrechen der Nazis gegenüber den Juden. Nolte hatte dies in seinem berühmten schwebenden Stil geschrieben, der sehr problematisch ist – „man könnte“, „es ist vielleicht“ usw. usf."

Ähnlich wie die Bürger in der ehemaligen DDR ihre politischen Aussagen in der Öffentlichkeit ebenfalls "schwebend" formulierten, um sie bei Anstößigkeit oder Verletzung der (gerade aktuellen) politischen Linie der SED sofort wieder zurücknehmen zu können. Bei diesem geistigen Umfeld a lá Wippermann kein Wunder. Aber wer entscheidet eigentlich darüber, was geht und was nicht? Die Meinung von Leuten wie ihm?

"(Wippermann:) Obwohl das in der Öffentlichkeit gar nicht so bemerkt wurde,"

Ja, warum wohl, Herr Wippermann? Warum wurde diese "aufrechnende Tendenz" wohl von niemandem bemerkt? Vielleicht weil es sie gar nicht gab, sondern lediglich eine verleumdende und bewußte Fehlinterpretation von Leuten Ihres Schlages war, um der Reputation von Nolte den Garaus zu bereiten und auf diese Weise das Deutungsmonopol in der öffentliche Debatte zu erlangen?

"(Wippermann:) Er hat mit seinem großen Erstlingswerk „Der Faschismus in seiner Epoche“ für den Faschismusbegriff wirklich Großartiges geleistet, anschließend aber selbst alles wieder kaputt gemacht."

Oder aber Sie haben gemerkt, daß diese Faschismusdefinition fatalerweise auf die von Ihnen hofierten sozialistischen bis kommunistischen Gesellschaftssysteme zutraf bzw. faschistische Tendenzen in vielen anderen Ländern vorhanden sind, auch in der Gegenwart. Alles das ganz ohne Deutsche und ohne Judenverfolgung. Das konnte man natürlich nicht dulden.

"Brodkorb: Für den Historikerstreit zentral ist die Diskussion über nationale Identität. Wie sehr hat dies Nolte aus Ihrer Sicht berührt?

Wippermann: Sehr. Er konnte mit der Täterperspektive, mit Schuld, Sühne und Gedenkstättenfahrten gar nichts anfangen. Was wir damals alles gemacht haben, dass ich darüber gepredigt, Gedenkstättenfahrten quasi pseudoreligiös vorbereitet habe, dafür hatte er gar kein Verständnis."

Bingo. Da blitzt doch mal selbst bei Herrn Wippermann ein Hauch von Einsicht und Selbsterkenntnis durch. Als Wissenschaftler und seriöser Historiker, der Nolte ist, konnte er für den ideologisch motivierten (anderes Wort für quasireligiösen) Politaktivismus seines Schülers kein Verständnis entwickeln.

"(Wippermann:) Er verfiel regelmäßig in eine Täter-Opfer-Umkehr und die Schuldabwehr."

Hier liegt des Pudels Kern für die ideologischen Bauchkrämpfe Wippermanns: Waren die Deutschen in ihrer Geschichte, vor allem den relevanten Jahren nach dem Ende des 1. Weltkrieges, wirklich nur T ä t e r und ein "stillschweigendes Kollektiv der Holocaustbefürworter", wie uns das ein Herr Goldhagen einreden will und von Leuten wie Wippermann eifrig nachgebetet wird?

Oder waren sie tatsächlich auch und nicht zum geringsten Maße O p f e r, sowohl des Machtmißbrauchs durch konkurrierende Nationen wie Frankreich, das dem Machtrausch nicht widerstehen konnte, auf dem als unbesiegbar geglaubten teutonischen Koloß herumzutrampeln, der nun besiegt am Boden lag, als auch der ungerechten Behandlung einer internationalen Gemeinschaft, die in historisch und politisch verfälschender Weise Deutschland die gesamte Kriegsschuld zuschob und das im Versailler Vertrag formulierte Selbstbestimmungsrecht der Völker immer dann fallen ließ, wenn es sich zugunsten Deutschlands ausgewirkt hätte? Waren die Deutschen nicht auch O p f e r einer Finanz- und Wirtschaftspolitik, die sich nach 1929 besonders stark auf die deutsche Wirtschaft auswirkte und dort noch höhere Arbeitslosigkeit, Massenelend und Verzweiflung auslöste? Waren die Deutschen nicht auch O p f e r von sowjetischen und allierten Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, die sich nicht mit den deutschen Kriegsverbrechen erklären oder aufrechnen lassen? Waren es tatsächlich d i e Deutschen, die den Holocaust beschlossen und exekutierten, war der Antisemitismus in Deutschland vor 1933 tatsächlich stärker als in anderen vergleichbaren europäischen Ländern?

"(Wippermann:) Nolte hat immer eine Verharmlosung durch Vergleich vorgenommen, indem er am Ende behauptet hat, Stalin sei schlimmer gewesen..."

Hat er das wirklich so gesagt? Und selbst wenn das so wäre: Sind die Stalinschen Verbrechen in ihrem Umfang und in ihrem Ergebnis harmloser oder weniger schlimm als der Massenmord an den Juden?

"Brodkorb: ...Angenommen, Nolte hätte das gesagt, wäre das doch aber dem Bereich der Wertungen, nicht dem der historischen Fakten zuzuordnen.

Wippermann: Das können Sie doch gar nicht voneinander trennen. Es ist doch auch nicht nur der Vergleich Hitler-Stalin, sondern auch der Vergleich Hitler-Juden. Und das geht nicht, das ist nicht tragbar."

Hier der ganze Wippermann in drei Sätzen. Meinung und Gesinnung wird mit historischem Fakt verwechselt. Das ideologische Axiom steht vor der Wahrheit bzw. der Wahrheitsfindung. Wenn ein solches also lautet, daß man nicht vergleichen darf, d a n n ist das eben so, und dann trifft denjenigen, der sich nicht daran hält, der härteste ideologische Bannfluch der linken Geschichtsprofessoren namens Holocaustleugnung.

"(Brodkorb:) Mir leuchtet das noch nicht ein."

Wem schon?

"(Brodkorb:) Das hätte ja nicht nur die merkwürdige Konsequenz einer Verharmlosung ganz eigener Art – z. B. tatsächlicher Leugnung des Holocaust durch Neonazis –, sondern führte begrifflich ins Uferlose. Jede von einem strikten Schema vorgegebene Abweichung wäre dann gleichsam eine Holocaustleugnung."

Präzise, Herr Brodkorb.

"(Wippermann: Nein, da sind Sie jetzt Philosoph, aber die Geschichtswissenschaft ist keine objektive Wissenschaft. Sie können Fakten nicht von Bewertungen trennen, das wäre naiver Historismus. Das geht einfach nicht. Natürlich kann man alles miteinander vergleichen, aber wenn etwas Unvergleichbares verglichen wird, wird es relativiert. Wenn man also Israel und die Nazis vergleicht, dann ist das wirklich unfassbar, das geht nicht."

Man sieht: Die Empörung über die Verletzung eines selbstkonstruierten Axioms namens Einzigartigkeit des Holocausts und des Vergleichsverbotes führt hier zum reflexartigen Griff nach der Nazikeule. Das wird nicht immer so direkt zugegeben, ist aber der Grundtenor der 68er Geschichtsprofessoren und ihrer geistigen Erben an deutschen Unis.

Es zeigt sich einmal mehr: Wippermann ist der typische Vertreter einer Geschichtswissenschaft, die historische Fakten und Wahrheiten einer politischen Gesinnung unterwirft, die sich nach dem jeweils herrschenden Zeigeist richtet. Damit wird er zum Apologeten einer linken Geschichtsdogmatik, die sich - oft genug - zur Hure einer politischen Tendenz macht und den wissenschaftlichen Auftrag verrät.

Damit wird er das, was der Historiker Ethan aus dem Buch von Stefan Heym "Der König David Bericht" sein soll, aber auf Grund seines Charakters nicht sein kann, als er an den Hof des Königs Salomo gerufen wird, um dort den "einzig wahre(n), autoritative(n), historisch genaue(n) und amtlich anerkannte(n)" Bericht über das Leben des König David zu schreiben. Er empfiehlt darum König Salomo jüngere Historiker, die noch "geschmeidig im Denken und Urteilen" sind, mit anderen Worten der gewünschten Darstellung der Geschichte williger und beflissener nachkommen. Mir scheint, hier nimmt Nolte die Rolle Ethans und diese jüngeren Historiker diejenige von Leuten wie Wippermann ein.

http://www.die-leselust.de/buch/heym_stefan_david.htm

"(Brodkorb:) Es gibt also nach Ihrer Ansicht kein Kriterium, anhand dessen in der Wissenschaft bloße Beschreibungen empirischer Tatsachen von Bewertungen unterschieden werden können?

Wippermann: Doch, doch, es gibt die positivistische Ideologiekritik, die funktionalistische Ideologiekritik, die Diskursanalyse – das ist eine große Geschichte, ein weites Feld. Aber damit hat sich Nolte ja nie beschäftigt."

Warum sollte er sich auch mit diesen formalistischen Kopfgeburten und seitlichen Arabesken einer Politischen Korrektheit beschäftigen, wenn er doch die historischen Fakten hatte? Ist das nicht die Aufgabe eines Historikers?

Wenn man freilich bestimmte historische Fakten nicht mehr nennen d a r f , weil man sich damit dem reflexartigen Vorwurf der Holocaustleugnung bzw. -relativierung einer tabuisierten und ideologisierten öffentlichen Debatte aussetzt, dann sieht es freilich übel um diese Debatte aus.

"(Wippermann:) Das ist falsch, weil es kein Historikerstreit war, sondern ein Politikerstreit oder ein politisierter Historikerstreit. Es ging um Geschichtspolitik und um nichts anderes. Das ist es."

Hier volle Zustimmung, Herr Wippermann. Es geht bei Ihrer Argumentation nicht um Wissenschaftlichkeit oder Objektivität, sondern um Politik. Konkret um den eigenen linken Aktivismus, der um das Deutungsmonopol deutscher Geschichte kämpft.

"(Wippermann:) Nochmal, das war Geschichtspolitik. Sie müssen das sehen vor dem historischen Hintergrund der 1980er Jahre und den Debatten über den Nationalsozialismus. Damals gab es die Befreiungsrede von von Weizsäcker, Debatten über Ver-angenheitsbewältigung und -aufarbeitung, Singularität, Schuld, Verbrechen – diese ganze Richtung hat ihm nicht gepasst, und in diese Situation hat er interveniert."

Was haben diese Dinge mit der heute a posteriori gepredigten und von Leuten wie Ihnen praktizierten Geschichtsdogmatik zu tun? Könnte es sein, daß Ihnen bestimmte historische Fakten nicht passen?

"(Wippermann:) Er wollte mit seinem FAZ-Artikel bewusst politisch intervenieren und die besondere Qualität des nationalsozialistischen Rassenmords kleinreden. Biologischer Rassenmord und sozialer Klassenmord sind einfach nicht dasselbe."

Den Beweis bzw. Beleg Ihrer Behauptungen bleiben Sie schuldig. Warum sollten Sie auch den Versuch unternehmen, nicht? Zum ersten können Sie damit nur scheitern. Zweitens wissen Sie, daß Sie (gegenwärtig) im Besitz des Deutungsmonopols sind und einen solchen Beweis nicht nötig haben.
 
Roichi Dienstag, 12.Juli 2011, 21:11 Uhr:
@ Karl

"Interessant die weiter unten stehenden Ausführungen Wippermanns, auf welche Art er es Nolte dankt."

Nur weil man jemanden als Mensch nicht gut findet, heißt das noch nicht, dass derjenige kein ordentlicher Chef sein muss. Was du da alles wieder reinphantasierst.

"Wer aber wort- und phrasenreich nur die eigene [...] Gesinnung darlegen und ansonsten fachlich wenig zur wissenschaftlichen Untersuchung deutscher und europäischer Historie beizutragen hat, sollte besser gar nichts schreiben."

Die Auslassung ist bewusst, weil für alle gültig. Und lieber Karl, halte dich doch mal an deine Worte.

"Demnach ist Nolte der letzte Vertreter der deutschen Historikerzunft, der noch um wissenschaftliche Objektivität bemüht war und alle Episoden der deutschen Geschichte in ihrem realen historischen Kontext einzuordnen wußte"

Komisch, das hat er doch gar nicht gesagt. Das interpretierst du hinein.

""(Wippermann:) Er hat mit seinem großen Erstlingswerk „Der Faschismus in seiner Epoche“ für den Faschismusbegriff wirklich Großartiges geleistet, anschließend aber selbst alles wieder kaputt gemacht."

Oder aber Sie haben gemerkt, daß..."

Irgendwie ist die Aussage an dir vorbeigegangen. Nolte hat seinen eigenen Begriff kaputt gemacht, nicht irgendwer anderes.
Das ist die Aussage.

"Wippermann ist der typische Vertreter einer Geschichtswissenschaft, die historische Fakten und Wahrheiten einer politischen Gesinnung unterwirft, die sich nach dem jeweils herrschenden Zeigeist richtet."

Du hast nicht verstanden was Wippermann sagt, das zieht sich durch deinen gesamten Kommentar.
Du interpretierst in seine Aussagen Dinge hinein, die du gerne dort sehen möchtest, um ihn als "Linksaktivist in Talarsverkleidung" darstellen zu können, wie du es im ersten Absatz schon vorweg nimmst.
Die Aussagen interessieren dich dabei nicht weiter, als dass du sie instrumentalisieren kannst. Oder glaubst es zu können.
Dabei entgeht dir der Kern dieser und du hängst auf einmal alleine mit deinen Phantasien im Raum. Dabei kommen dann solche Dinge raus: "Könnte es sein, daß Ihnen bestimmte historische Fakten nicht passen?"
Hättest du verstanden, worum sich die Aussagen drehen, wüsstest du die Antwort.
Und bevor du fragst, Nein, ich werde hier nicht jede Aussage nocheinmal erklären. Das wurde oben schon getan.

An die beiden Gesprächspartner: Interessantes Interview. Ich freue mich auf den nächsten Teil.
 
Sickingen Mittwoch, 13.Juli 2011, 09:00 Uhr:
„Nein, da sind Sie jetzt Philosoph, aber die Geschichtswissenschaft ist keine objektive Wissenschaft. Sie können Fakten nicht von Bewertungen trennen, das wäre naiver Historismus.“

Nun, wenn Geschichte keine objektive Wissenschaft darstellt, dann heißt dies konsequent zu Ende gedacht, dass es keine objektiven historischen Fakten gibt, da sie jeweils subjektiven Bewertungen unterliegen. Damit ist alles relativ.
Naivität muss hier Wippermann unterstellt werden, serviert er doch mit seiner Nivellierung historischer Objektivität den Schlüssel zum historischen Relativismus. Die Revisionisten werden es ihm danken. Ein klassisches Eigentor! Subjektivität muss ich den Revisionisten, um in der Scheinlogik Wippermanns zu bleiben, dann ebenso zugestehen, die natürlich zu ganz anderen Ergebnissen gelangen.

Oder ein weiteres Beispiel paradoxer, nein, schärfer formuliert, sinnfreier Argumentation:

„Das geht einfach nicht. Natürlich kann man alles miteinander vergleichen, aber wenn etwas Unvergleichbares verglichen wird, wird es relativiert. Wenn man also Israel und die Nazis vergleicht, dann ist das wirklich unfassbar, das geht nicht.“

Der Mann ist Historiker und weiß nicht zwischen vergleichen und gleichsetzen zu unterscheiden? Ist das „Unvergleichbare“ denn nicht durch Vergleich aufzuzeigen? Oder wie will Wippermann die Singularität des Holocausts begründen, mit Formulierungshülsen wie: „Das geht einfach nicht.“
Dies geht eben nur, indem man etwas in Beziehung setzt, eben relativiert. Insofern heißt relativiert nicht, singuläre Ereignisse in Frage zu stellen, sondern durch vergleichendes in Beziehung setzen, die tatsächliche Dimension historischer Singularität zu verdeutlichen.

Dementsprechend formuliert Nolte bezüglich Beispiellosigkeit und Singularität der NS-Verbrechen folgende Erkenntnis: „Das historisch Präzedenzlose besteht nicht in der Massierung außerordentlichster Grausamkeiten. (...) Das wäre nicht historisch präzedenzlos, denn furchtbare, entsetzliche Grausamkeiten hat es in der Weltgeschichte viele gegeben. (...) Daß Menschen umgebracht werden sollten, weil man in ihnen die Urheber einer verhängnisvollen geschichtlichen Entwicklung sah, und dass man das .. . ohne grausame Absicht tat, wie man Ungeziefer, dem man ja auch nicht Schmerzen bereiten will, weghaben möchte.“ (Spiegel 40/1994, S. 93)

Wippermann bietet hingegen keinen wirklich substantiellen Ansatz, was man nun unter Singularität zu verstehen habe, sondern predigt, da ja keiner objektiven Wissenschaft verpflichtet, in einem geradezu priesterhaften Weiheton: „Das geht einfach nicht.“

Zwar versucht Brodkorb Wippermann zu bewegen, das Singuläre zu verdeutlichen: „Ob das, was diesen Menschen angetan wurde, tatsächlich „singulär“ war oder ist, kann ich den Leichen aber nicht ansehen, das ist eine Frage der Bewertung, und diese ist sehr viel theorieabhängiger als eine bloße Beobachtung, gleichwohl diese natürlich auch nicht theorielos ist.“

Wippermann flüchtet auch hier wieder in Worthülsen: „positivistische Ideologiekritik, die funktionalistische Ideologiekritik, die Diskursanalyse“. Eine Feststellung, was denn nun Singulär ist, erfolgt nicht. Dazu reicht wahrscheinlich die intensive Beschäftigung mit den allzu vielen Theorien nicht. Ist ja auch ein weites Feld.

Man muss Noltes Argumenten nicht folgen, seine Auffassungen nicht teilen, dennoch erscheinen mir seinen Positionen eine intellektuelle Herausforderung, sich daran zu reiben, ihn zu widerlegen, die kleingeistig priesterhaften Ausführungen Wippermanns hingegen schrecken intellektuell eher ab.

Also Herr Wippermann, was ist denn nun „präzedenzlos“, „einzigartig“, „singulär“. Um dies festzustellen, brauchen sie keinen theoretischen „Überbau“.
 
Xberg Mittwoch, 13.Juli 2011, 09:40 Uhr:
"Nun, wenn Geschichte keine objektive Wissenschaft darstellt, dann heißt dies konsequent zu Ende gedacht, dass es keine objektiven historischen Fakten gibt, da sie jeweils subjektiven Bewertungen unterliegen. Damit ist alles relativ."

Natürlich gibt es objektive historische Fakten. Sie müssen aber in ein zusammenhängendes Narrativ gebracht werden. Man muß also entlang der Dokumentenlage eine sinnvolle "Geschichte" erzählen. Da gibt es nun sehr viele Möglichkeiten, Perspektiven, abweichende Interpretationen, Gewichtungen, Beurteilungen, Rahmen... Der Historiker steht dem Geisteswissenschaftler näher als dem Naturwissenschaftler. Das heißt aber noch nicht, daß "alles relativ" im Sinne von "beliebig" sei. Dennoch ist das in der Tat ein Eigentor von Wippermann.
 
Schwab Mittwoch, 13.Juli 2011, 11:42 Uhr:
@Wippermann

"Methodisch war damals entweder ein vulgärer Marxismus oder das Dogma der Sozialgeschichte angesagt. Nolte war der letzte Vertreter der traditionellen Ideengeschichte, was insbesondere für die Faschismusanalysen von Bedeutung ist. Faschismus kann man nicht erklären mit Ökonomie, sondern nur mit Ideologie."

Das ist nur teilweise richtig. Man sollte nicht Idealismus und Materialismus (Ökonomie) gegeneinander ausspielen. Faschismus als Ideologie ist ideengeschichtlich zu erklären. Faschismus als Strategie der Machtübertragung - Kampf gegen die soziale Revolution, Bündnis mit den besitzenden Klassen - ist nur materialistisch zu verstehen.

Wippermann macht genau das, was er den Marxisten (wie Dimitroff usw.) vorwirft: nicht zwischen Faschismus als Ideologie, Bewegung und Eroberung der Staatsmacht zu unterscheiden. Zu unterscheiden wäre auch die Phase der Schaffung der souveränen Diktatur - als Mussolini bzw. Hitler alle Teile der Gesellschaft ihrem Befehl unterwarfen - auch die Bourgeoisie. Genau der letzte Punkt wird gerne von Marxisten ausgeblendet.
 
Karl_Murx Mittwoch, 13.Juli 2011, 14:38 Uhr:
@Roichi:
"Du hast nicht verstanden was Wippermann sagt, das zieht sich durch deinen gesamten Kommentar.
Du interpretierst in seine Aussagen Dinge hinein, die du gerne dort sehen möchtest, um ihn als "Linksaktivist in Talarsverkleidung" darstellen zu können, wie du es im ersten Absatz schon vorweg nimmst.
Die Aussagen interessieren dich dabei nicht weiter, als dass du sie instrumentalisieren kannst. Oder glaubst es zu können.
Dabei entgeht dir der Kern dieser und du hängst auf einmal alleine mit deinen Phantasien im Raum. Dabei kommen dann solche Dinge raus: "Könnte es sein, daß Ihnen bestimmte historische Fakten nicht passen?"

Deine unbeholfenen Wadenbeißereien und deine stupiden Retourkutschen sind nur noch enervierend.

"Hättest du verstanden, worum sich die Aussagen drehen, wüsstest du die Antwort.
Und bevor du fragst, Nein, ich werde hier nicht jede Aussage nocheinmal erklären. Das wurde oben schon getan."

Du hast einen Feuchten getan und einen ebensolchen verstanden, Roichi. Aber Hauptsache Oberwasser behalten wollen. Das war die letzte Entgegnung auf deine inhaltslosen Beiträge.
 
Karl_Murx Mittwoch, 13.Juli 2011, 15:29 Uhr:
@Schwab:
"Das ist nur teilweise richtig. Man sollte nicht Idealismus und Materialismus (Ökonomie) gegeneinander ausspielen. Faschismus als Ideologie ist ideengeschichtlich zu erklären. Faschismus als Strategie der Machtübertragung - Kampf gegen die soziale Revolution, Bündnis mit den besitzenden Klassen - ist nur materialistisch zu verstehen."

Also nicht nur als Ideologie oder geistige Strömung, sondern auch als politische Bewegung, die unter bestimmten historischen Konstellationen massenwirksam wird und dann, wie in vielen europäischen Staaten nach dem 1. Weltkrieg geschehen, die politische Macht an sich reißen und sich den Staat untertan zu machen.

"Wippermann macht genau das, was er den Marxisten (wie Dimitroff usw.) vorwirft: nicht zwischen Faschismus als Ideologie, Bewegung und Eroberung der Staatsmacht zu unterscheiden. Zu unterscheiden wäre auch die Phase der Schaffung der souveränen Diktatur - als Mussolini bzw. Hitler alle Teile der Gesellschaft ihrem Befehl unterwarfen - auch die Bourgeoisie. Genau der letzte Punkt wird gerne von Marxisten ausgeblendet."

Darin liegt der Kern des Faschismus als totalitäre Ideologie u n d als politisches System, daß er sich mit Hilfe des Staatsapparates und typischerweise mit der Schaffung einer zweiten, außerstaatlichen Exekutive, die nur dem jeweiligen Führer untersteht, alle Teile der Gesellschaft unterwirft und keine selbständigen Macht- und Geistesquellen duldet. Diese außerstaatliche Exekutive bestand in Deutschland z.B. aus der NSDAP-Parteiorganisation, die personell und vor allem ideel eng mit den jeweiligen Gauführern verzahnt war. Des weiteren war die SS ein Bestandteil dieser außer- oder besser überstaatlichen Exekutive, ebenso wie die HJ, der BDM oder viele andere nachgeschaltete Träger der NS-Ideologie. Diese waren gesetzlich privilegiert und übten direkt oder indirekt Einfluß auf die Menschen aus, der bis in privateste Dinge wie die Kindererziehung und Freizeitgestaltung hineinragte.

Damit wird aber der Faschismus fatalerweise - fatal für die Apologeten einer linken Geschichtsdogmatik - strukturell wesensgleich und damit vergleichbar mit den anderen Erscheinungsformen des Totalitarismus, konkret den sozialistischen Staaten. Genau das wollen die o.g. Apoologeten besagter ideologischer Provenienz nicht hören, weil es die eigene geistige und politische Basis auf den Prüfstand einer kritischen Überprüfung hinsichtlich totalitärer (und sehr wohl im o.g. faschistischer) Tendenzen stellt.

Die reine Agententheorie, daß Hitler lediglich das Werkzeug des Finanzu- und Monopolkapitals war, ist inzwischen wohl zu abgeschmackt bei linken Intellektuellen, um noch ernsthaft vertreten werden können. Aber die fixe Idee, Hitler und der Nationalsozialismus seien dann eben die Speerspitze einer vernichtungswilligen deutschen Führungselite gewesen (wobei selten einmal genauer definiert wird, wen oder was man sich denn darunter vorstellen soll) und habe dabei auf die Unterstützung oder stillschweigende Billigung der deutschen Bevölkerung zählen könne, wird weiter hartnäckig vertreten.
 
Atze Mittwoch, 13.Juli 2011, 16:22 Uhr:
Hallo Schwab, Sickingen,

euren Einwendungen kann ich durchaus folgen. Trotzdem würde ich für etwas nachsicht plädieren. Das Interview macht auf mich jedenfalls den Eindruck, als sei es einfach nur transkripiert aber nicht mehr redigiert worden...?!
 
Sickingen Mittwoch, 13.Juli 2011, 16:47 Uhr:
"Natürlich gibt es objektive historische Fakten." - Sehe ich auch so.
Aber so wie Wippermann den Unterschied von vergleichen und gleichsetzen nivelliert, vermag er auch nicht die begriffliche Substanz von "relativ" zu erfassen, sondern unterstellt, die gedankliche Stringenz Noltes verkürzend, weil sie mit seiner quasi chiliastisch-religiösen Auffassung nicht vereinbar ist, boshafte Hintergedanken. Natürlich ist Relativität nicht mit Beliebigkeit zu übersetzen, nur, weiß das auch Wippermann?
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Noltes Thesen fand zu keinem Zeitpunkt statt, da die Gegenseite diese scheute. Vielmehr wurde skandalisiert und politisiert. Dabei sind die Texte Noltes im Wesentlichen nur auf der sprachlichen Ebene analysiert worden (aus gutem Grund), um dessen Sprache als verräterisch zu denunzierten. Dem berühmt berüchtigt kausalen Nexus entledigt man sich mit dem schlichten Hinweise der Relativierung. Also, ich habe ja faktenintensive Gegenargumente, die Noltes Thesen widerlegen, erwartet, aber Fehlanzeige. Inhaltlich ist das natürlich äußerst schwach, aber effektiv, denn es reichte aus, die akademische Reputation Noltes zu vernichten.
Was spricht aber gegen das oben angeführte Verständnis Noltes von Singularität? Was kann Wippermann dem entgegen halten?
Brodkorbs Position, die schemenhaft in oben zitierter Frage anklingt (er spricht davon, "...was diesen Menschen angetan wurde, ..." ), ist äußerst schwach, da auch sie nicht die Singularität der NS-Genozids erfasst. Denn, wie will er dann die Grausamkeiten, die Menschen Menschen zufügen können, im Falle Hiroshimas und Nagasakis (bei den Atombombenexplosionen wurden sofort 90000 Menschen vernichtet – 90000 Kinder, Frauen, Männer an nur einem einzigen Tag – einmalig grausam, sprengt jede Vorstellungskraft, eine unvorstellbare neue Qualität, oder?) erklären und von den NS-Verbrechen als "unvergleichbar grausam" abgrenzen?

Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist nur möglich, wenn die Begrifflichkeiten klar definiert werden. Dies geschieht durch die Gegner Noltes oder die, die sich neuerdings mit ihm beschäftigen keinesfalls. Würde Wippermann präzise formulieren müssen, was er unter Singularität versteht, dann wäre eine inhaltliche Auseinandersetzung möglich. Diese will er aber nicht. So ist das aber mit Menschen, die Glaubens -, aber keine Wissensgrundsätze vertreten.
 
Karl_Murx Mittwoch, 13.Juli 2011, 19:26 Uhr:
@Wippermann:
"Damit verband sich dann auch Noltes Wende um 180 Grad. Ich selbst hatte ihn ja als denjenigen gefeiert, der die Totalitarismustheorie im Grunde theoretisch erledigt hatte, aber dann gab es diese Wende in seinem Denken. Er hat mit seinem großen Erstlingswerk „Der Faschismus in seiner Epoche“ für den Faschismusbegriff wirklich Großartiges geleistet, anschließend aber selbst alles wieder kaputt gemacht."

Lassen wir doch angesichts dieser Behauptungen Wippermanns endlich mal Nolte selbst dazu Stellung nehmen:

http://www.ernstnolte.de/Was_ist_ein_umstrittener_Autor.pdf

Auszug:
"Ein “umstrittener Autor” ist (in Deutschland - d. Verf.) derjenige, der Auffassungen zum Ausdruck gebracht hat, die von anerkannten Hütern der “political correctness” als bedenklich oder gar als gefährlich eingestuft worden sind. Der Begriff ist also eine Art Warnsignal: Man tut gut daran, mit diesem Autor nichts zu tun zu haben und seine Bücher erst gar nicht zu lesen.

... Als im Jahre 1963 mein erstes Buch “Der Faschismus in seiner Epoche” erschien, behauptete nicht ein einziger der zahlreichen Rezensenten, das Buch sei nicht der wissenschaftlichen Literatur zuzuzählen. Zwar fehlte es an Vorbehalten und Kritik nicht ganz, und ein politischer Unterton wurde insofern vernehmbar, als manchmal eingewandt wurde, der Begriff des “Faschismus in seiner Epoche” erschwere den Kampf gegen den gegenwärtigen Faschismus, aber niemand nannte das Buch “umstritten”, und die “Neue Rundschau” gelangte sogar zu dem Urteil, der Verfasser habe den militärischen Sieg über die faschistischen Mächte in seinem Buch für die Geschichtswissenschaft wiederholt.

Und über eben diesen Verfasser sagt oder schreibt Marcel Reich-Ranicki, der bekannteste Literaturkritiker Deutschlands, immer wieder - in Festreden, in Artikeln des “Spiegel” und gelegentlich sogar im “Literarischen Quartett” -, es handle sich um einen gefährlichen Apologeten des Nationalsozialismus, der “Wahnsinn mit Methode” verbinde und Juden mit Insekten vergleiche. Offensichtlich gibt er dasjenige, was ich aus Schriften und Reden von Hitler und Goebbels zitiere, für meine eigene Meinung aus, aber den wahren Grund für seine Kampagne ließ er schon vor fünfzehn Jahren in einem Zeitungsinterview erkennen: Am meisten habe ihn im vergangenen Jahr gekränkt, dass Ernst Nolte die Verbrechen des Nationalsozialismus dem Bolschewismus “in die Schuhe geschoben” habe, indem er von einem “kausalen Nexus” zwischen “Gulag” und “Auschwitz” spreche. Reich-Ranicki übersah dabei, dass dieser kausale Nexus für mich nicht etwas “Objektives” darstellte, sondern in den Vorstellungen und Befürchtungen Adolf Hitlers begründet war. Wofür ich tatsächlich verantwortlich war, war die Forderung, dass die grundlegenden Maximen der Geschichtswissenschaft wie die Herausarbeitung von Zusammenhängen und das Bemühen um das Verstehbarmachen von Motiven auch auf Hitler Anwendung finden müssten und dass man nicht auf die Frage verzichten dürfe, ob Hitlers Behauptungen über den “jüdischen Bolschewismus” trotz ihrer ins Auge springenden Übersteigerung zu seinen wirklichen Überzeugungen gehörten, ja möglicherweise sogar einen “rationalen Kern” gehabt hätten."

Das sollten sogar Leute wie Wippermann verstehen können: Die Untersuchung des Umstandes, wie Hitler zu seinen Vorstellungen eines "jüdischen Bolschewismus" und seinen antisemitischen Haltungen kommen konnte, wie auch des Umstandes, ob vielleicht auch rationale Hintergründe an der Herausbildung dieser Überzeugungen beteiligt waren bzw. Hitler tatsächlich daran glaubte, bedeuten noch lange nicht eine Identitifizierung des Autors mit diesen Überzeugungen.

Aber was tut man gegen ein Historiker-Establishment, das schon lange dazu übergegangen war, nicht mehr historische Abläufe und Ereignisse sowie deren Protagonisten als etwas Gewordenes zu betrachten und deren Entwicklung im historischen und politischen Kontext zu betrachten, sondern die Kanonisierung und Tabuisierung bestimmter historischer Glaubenssätze meist linksideologischer Provenienz zu betreiben. So auch die Behauptung, Hitler und der Nationalsozialismus seien das "absolut Böse", das in seinem Wesen "nicht begreifbar" und vor allem nicht "vergleichbar" mit anderen ähnlichen Erscheinungen der Menschheitsgeschichte sei.

Auszug:
"Jedenfalls wurde ich durch diesen Artikel, von dem der emotionalste Teil des so genannten “Historikerstreits” seinen Ausgang nahm, endgültig zum “umstrittenen Autor”, dem nach einiger Zeit so gut wie alle Zugänge zu einer größeren Öffentlichkeit versperrt waren."

Nolte selbst beschreibt die Gefahr einer politischen Instrumentalisierung solcher Betrachtungen, bekennt sich aber (im Gegensatz zu unserem Historiker Ethan aus "Der König David Bericht") zur Wissenschaftlichkeit und zur Objektivität der Geschichtsschreibung sowie deren Unabhängigkeit von politischen Zeitgeisterscheinungen.

Auszug:
"Ich verberge mir nicht, dass eine politische Indienstnahme dieser Erwägung möglich ist, aber die Frage nach der Wahrheit darf man in der Wissenschaft nicht derjenigen nach ihrer Gefährlichkeit oder Opportunität unterordnen."

Es ging und geht also um nicht mehr und nicht weniger als um das Rütteln an jahre- und jahrzehntelang gepredigten Tabus sowie Denk- und Sprachverboten, die vom Mainstream der hiesigen Historiker inzwischen verinnerlicht wurden und und durch das Verhängen besagter Tabus der Debatte und damit der Infragestellung entzogen werden sollen, bei Strafe der kollektiven Ächtung.

Es geht um Wissenschaftlichkeit, um Historizität und Objektivität und um die Unabhängigkeit der Geschichtsschreibung, die in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein sollte. Vor allem geht es um Unabhängigkeit und Freiheit von Rede, Schrift, Meinung und Forschung von ideologischen oder politischen Zwang inklusive des Schutzes vor Repressionen irgendwelcher Art, wenn man die Interessen oder Gesinnung bestimmte Mächtegruppen berührt.

Auszug:
"Nach meiner Überzeugung ging es jedoch im Grunde um eine Sache, die als solche nicht einmal “Streit” hervorrufen sollte, nämlich um die Anwendung wissenschaftlicher Postulate auf Bereiche, die als “heikel” gelten, und damit letzten Endes auch um die Frage, ob tatsächlich nur ein totalitäres Regime für die Geschichte Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend war oder ob nicht vielmehr zwei einander feindliche und doch ähnliche Regime, von denen das eine älter und das andere jünger war, mit der gleichen Bemühung um Objektivität zu thematisieren sind."
 
Roichi Donnerstag, 14.Juli 2011, 11:38 Uhr:
@ Karl

"Das war die letzte Entgegnung auf deine inhaltslosen Beiträge."

Was eine Retourkutsche.

"...Diese waren gesetzlich privilegiert und übten direkt oder indirekt Einfluß auf die Menschen aus, der bis in privateste Dinge wie die Kindererziehung und Freizeitgestaltung hineinragte."

Bis dahin sind wir nicht allzu weit auseinander.
Im Rest des Kommentars definitiv nicht, denn für dich sind ALLE andersdenkenden automatisch "Apologeten einer linken Geschichtsdogmatik".
Womit wir bei deinem Punkt: "Vor allem geht es um Unabhängigkeit und Freiheit von Rede, Schrift, Meinung..." wären.
Auch andere Sichten als die Deine auf die Geschichte sind möglich und sollten möglich sein.
Sonst folgt nichts anderes als "die Kanonisierung und Tabuisierung bestimmter historischer Glaubenssätze".
 

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