Wismar: Neonazis greifen Flüchtlinge mit Baseballschlägern an

In Wismar standen am Samstagabend zwei Asylbewerber vor ihrer Unterkunft, als sie von bislang unbekannten Tätern mit Baseballschlägern attackiert wurden. Die beiden Männer wurde verletzt, sie mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Sonntag, 01. November 2015
Redaktion
Wieder eine Gewalttat in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: unwiederbringlichbegangenes)
Wieder eine Gewalttat in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: unwiederbringlichbegangenes)
Zwei Verletzte. So lautet die Bilanz eines Angriffs von mutmaßlichen Neonazis auf ein Flüchtlingswohnheim in Wismar am Samstagabend. Die beiden syrischen Männer hielten sich vor der Notunterkunft, einer Sporthalle im Stadtteil Friedenshof, auf, als sie gegen 20.50 Uhr von mehreren vermummten Personen bedrängt wurden. Die Angreifer seien mit Baseballschlägern und anderen Waffen ausgerüstet gewesen, teilte die Polizei Rostock mit. Am selben Abend protestierten nach Polizeiangaben 290 Rassisten in Schwerin gegen die ihrer Meinung nach verfehlte Asylpolitik. Die bislang unbekannten Täter beließen es indes nicht bei Worten. Sie schlugen ihre Opfer, so dass die beiden Flüchtlinge in ein Wismarer Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Dort wurden sie ambulant behandelt. Obwohl die Polizei sofort umfangreiche Fahndungsmaßnahmen einleitete, konnten die Schläger unerkannt fliehen. Die Ermittlungen hat der polizeiliche Staatsschutz übernommen. Mittlerweile hat sich „Schwerin wehrt sich“ zu der Tat geäußert. „Das ist eine inzinierte Kriminalisierung“ [sic!], schreibt die Gruppierung auf Facebook. „Genau, sehr glaubwürdig“, heißt es weiter. In dieses Horn stoßen auch die Kommentatoren der Rassisten-Seite. „Schon echt peinlich was die linken so alles abziehen nur um Mitbürger Nazis Patrioten ect schlecht zu machen!!!!! Erbärmlich!!!!!“ [sic!], meint eine Kommentatorin, während ein weiterer Nutzer schreibt: „Wer so einen Scheiss glaubt, ist selber Schuld.“ Hetze und Gewalt gegen Flüchtlinge Bereits seit mehreren Wochen macht in der Hansestadt – genauso wie in vielen anderen Landstrichen Mecklenburg-Vorpommerns – eine vermeintliche „Bürgerinitiative“ Stimmung gegen Asylbewerber. Neben ihrer unentwegten Hetze auf Facebook suchen die Rassisten den Weg auf die Straße. Im Nachgang der ersten Demonstration Anfang September griffen vier Neonazis zwei Flüchtlinge an und bewarfen sie mit einer Flasche. Damals wurde niemand verletzt. Beobachter berichteten seinerzeit von der äußerst aggressiven Stimmung unter den Teilnehmern des von „Wismar wehrt sich“ organisierten Aufmarsches, an dem bekannte Neonazi-Kader wie der mehrfach vorbestrafte Sven Krüger aus Jamel teilnahmen. Trotzdem waren die Teilnehmerzahlen zuletzt rückläufig. Am vergangenen Samstag folgten knapp 100 Rassisten dem Aufruf der Gruppierung. Ohne Zwischenfälle ging diese Veranstaltung nicht über die Bühne – die Polizei ermittelt gegen einen Redner wegen des Verdachts der Volksverhetzung.
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