Kampfsport
Wird in Mecklenburg-Vorpommern für den Kampf der Nibelungen trainiert?
Zwei neue rechtsextreme Kampfsportgruppen haben sich im Nordosten Deutschlands gegründet. Die Fightfabrik und der Active Club Güstrow. Beide beziehen sich auf den Kampf der Nibelungen (KdN). Doch was steckt dahinter?
In einer alten Scheune nahe Ueckermünde trainieren die Mitglieder der Fightfabrik. Seit Februar 2025 betreiben sie einen Instagramkanal. Dort posieren sie oben ohne in einem Boxring. Blutspuren werden stolz präsentiert. Härte und Männlichkeit werden zur Schau gestellt. Die Aufmachung erinnert an die Kampfsport-Ästhetiken der rechtsextremen Szene. Das ist nicht verwunderlich, schließlich bezieht sich die Truppe immer wieder auf den Kampf der Nibelungen (KdN) und pflegt offensichtlich auch Kontakte dorthin.
Der KdN war eines der größten Kampfsportevents der rechtsextremen Szene in Deutschland. Hauptorganisator war der Neonazi Alexander Deptolla. Inzwischen sind Veranstaltungen unter dem Namen in Deutschland verboten, stattdessen verkauft Deptolla nun Kleidung der Marke KdN.
Models mit Rabattcode
Die Kämpfer der Fightfabrik zeigen sich nicht nur auf ihrem eigenen Kanal in KdN-Kleidung. Auch im Telegramkanal und auf der Website des KdN sind sie immer wieder als Models zu sehen. Deptolla verlinkte sie vor wenigen Tagen in einem Werbevideo für einen Lagerverkauf in Dortmund-Dorstfeld. Mit dem Code „fightfabrik“ erhält man sogar Rabatt im KdN-Onlineshop.
Der präsenteste Akteur der Fightfabrik ist Paul H. aus Ueckermünde. Bereits vor der Gründung der Fightfabrik trainierte er Kampfsport. Fotos zeigen ihn 2024 mit dem First Fight Team aus Neubrandenburg. Dort trainierten auch andere Akteure der rechten Szene.
Politisch tauchte Paul H. 2025 erstmals auf. Im Dezember unterstützten er und andere Kämpfer der Fightfabrik gemeinsam mit der Gruppe „Deutsche Jugend voran“ eine Kundgebung der Partei Die Heimat in Berlin. Dieses Jahr nahm er gemeinsam mit seiner Partnerin am Trauermarsch der Heimat in Demmin teil. Auch sie modelt für KdN, obwohl sie nicht in den Beiträgen der Fightfabrik auftaucht.
Active Club Strategie in MV
Rund 140 Kilometer entfernt hat sich ebenfalls ein neues rechtsextremes Kampfsportnetzwerk gegründet: Der Active Club Güstrow. Seit Mai 2026 gibt es einen entsprechenden Telegramkanal. Bisher galt die Stadt als Trainingsstützpunkt der rechtsextremen Kleinpartei Dritter Weg. Der Active Club lässt allerdings keine Verbindungen zum Dritten Weg erkennen. Doch ähnlich wie die Fightfabrik trainieren auch sie mit KdN-Merchandise.
Doch was ist ein Active Club überhaupt? Die Strategie der Active Clubs wurde vor zwei Jahren in der Zeitschrift N.S. heute beschrieben. Ziel ist es Kampfsportgruppen aufzubauen, die nach außen nicht politisch wirken, indem sie beispielsweise auf Parteisymboliken verzichten.
Ursprünglich kommt die Idee aus den USA. In einem Policy Brief des Counter Extremism Projects heißt es dazu: „Die Active-Club-Strategie in den Vereinigten Staaten wurde speziell dazu entwickelt, Sicherheitsbehörden zu täuschen und sich dadurch der staatlichen Überwachung zu entziehen.“ Den Gruppen wird außerdem ein „erhebliches Gewaltpotenzial“ attestiert. In ganz Deutschland gibt es bereits 19 Active Clubs, mit Güstrow nun den ersten in MV.
Auch die Fightfabrik kann als Active Club verstanden werden. Obwohl Paul H. und andere Mitglieder im Umfeld der Partei Die Heimat aktiv sind, finden sich in der Außendarstellung der Gruppe keine Parteisymbole oder klar politische Bezüge.
„Vorbereitung auf gewaltsame Auseinandersetzung“
Auch im Innenministerium in Schwerin sind die Aktivitäten bekannt. Laut der Pressesprecherin Dörte Lemke, werde Kampfsport in rechtsextremen Kreisen gezielt instrumentalisiert. „Die Vermittlung ideologischer Inhalte erfolgt dabei häufig indirekt und eingebettet in Gemeinschaftserlebnisse und Trainingsrituale“, so Lemke. Auf die Frage nach der konkreten Gefahr durch Fightfabrik, antwortet sie vage.
Kampfsport diene „der körperlichen Vorbereitung auf gewaltsame Auseinandersetzungen mit dem vermeintlich politischen Gegner“.
Alexander Deptolla dürfte sich über die zusätzliche Werbung durch die Kämpfer freuen. Jahre nach dem letzten Kampfsportevent bleibt die Marke so bei jungen Rechtsextremen bekannt. Ob die Mitglieder der beiden Gruppen zukünftig bei Kampfsportevents antreten, muss beobachtet werden.