„Wie ein Schlag ins Gesicht, als diese Pimpfe da ihre Losungen grölten“

Etwas 250 Teterower fanden sich am Volkstrauertag zu einer Gedenkstunde an einem Ehrenmal ein. Die Veranstaltung wurde jedoch von einem Aufmarsch einer Gruppe Rechtsextremer überschattet, die die Gedenkveranstaltung störten. Die Polizei konnte einige Neonazis erste unter Zuhilfenahme von Reizgas abführen.  

Dienstag, 16. November 2010
„Wie ein Schlag ins Gesicht, als diese Pimpfe da ihre Losungen grölten“
„Für meine Eltern, die den Krieg erlebten, war es wie ein Schlag ins Gesicht, als diese Pimpfe da ihre Losungen grölten“, bekennt ein Mann um die Fünfzig. Sein Großvater war im Krieg gefallen, die Großmutter drei Jahre nach Sibirien verschleppt. Für seine Familie sei dieser Gedenktag kein abstraktes Ritual, berichtet der „Nordkurier“.

Eine Gruppe von etwa 20 Neonazis näherten sich am Sonntag der Gedenkveranstaltung und befestigten laut „Ostsee-Zeitung“ ein Transparent am Ehrenmal in den Heidbergen. Weiterhin sollen sie die Gedenkrede mit provokanten Parolen gestört haben. Die Polizei, die daraufhin die Jugendlichen abführen wollte, musste Reizgas einsetzen, da sich einige Personen den Amtshandlungen widersetzt haben sollen.

Die Teterower haben in dieser Situation Geschlossenheit demonstriert und Ruhe bewahrt. Wir haben unsere Texte vernehmbar vorgetragen, ohne uns stören zu lassen“, sagt Bürgermeister Reinhard Dettmann. Auch Georg Raatz, Pastor der evangelischen Gemeinde, ist froh, dass viele Personen an der Gedenkstunde teilnahmen. „Sie haben ein deutliches Zeichen gesetzt gegen eine Vereinnahmung der Erinnerungskultur von rechts“, so der Pastor.

Der Volkstrauertag, der in Deutschland ein staatlicher Gedenktag ist, erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Im Nationalsozialismus wurde der Tag jedoch in Heldengedenktag umbenannt und sein Charakter vollständig verändert: Nicht mehr Totengedenken sollte im Mittelpunkt stehen, sondern Heldenverehrung. Auch heute wird der Begriff von Rechtsextremen genutzt.

Foto: Fischbuerger, Lizenz: CC
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