von Oliver Cruzcampo
   

Werbekunden konnten „Judenhasser“ auf Facebook ansprechen

„Judenhasser“ oder „Schutzstaffel“ – Facebook generiert je nach Nutzeraktivität automatisch Kategorien. An diese Personen gerichtet konnte man bis vor Kurzem gezielt Werbung schalten – nach einem Bericht hat das Unternehmen diese Funktion nun vorerst deaktiviert.

Facebook, Foto: Eston Bond, CC BY-NC-SA 2.0

Dass Facebook mit Werbung Milliarden umsetzt, ist kein Geheimnis. Doch jetzt enthüllte die Seite „Propublica“, dass das US-Unternehmen potentiellen Kunden dabei äußerst fragwürdige Kategorien vorschlägt. Dabei würden Begriffe wie „Jew hater“, „Schutzstaffel“, „How to burn jews”, oder „History of ‘why jews ruin the world” automatisch erzeugt, je nachdem, was Nutzer auf ihrem Facebook-Profil teilen oder über welche Inhalte sie sich informieren.

3194 „SS nazis“

Anschließend könnten diese Kategorien ausgewählt werden, man könne diese Nutzer somit gezielt mit Werbung adressieren. In den konkreten Beispielen sei die Nutzergruppe allerdings zu klein - „lediglich“ 2.274 Personen würden sich als „Judenhasser“ bezeichnen, 3194 als „SS nazis“. Deshalb müsste man eine weitere Gruppe hinzufügen, um ein ausreichend großes Publikum zu erreichen.

„Propublica“ ergänzte den Kreis somit um 194.600 Nutzer, die die NPD als Interesse angegeben hätten, also rund 23.000 Personen mehr, als die rechtsextreme Partei tatsächlich an Fans aufweisen kann. Für diese Gruppen hätte „Propublica“ schließlich Werbung geschaltet, alle drei Anzeigen seien nach wenigen Minuten von Facebook freigeschaltet worden.

Nachdem Facebook mit den antisemitischen Kategorien konfrontiert wurde, seien diese deaktiviert worden. Man sei nun auf der Suche nach einer Lösung. Offenbar wurden die automatisch generierten Bereiche innerhalb des letzten Jahres implementiert. Laut „Propublica“ seien sie letztes Jahr noch nicht verfügbar gewesen.

AfD-Gruppen & Bots

Das Thema Automatismen auf Facebook brachte auch die AfD in Bedrängnis, als Anfang September der Satiriker Shahak Shapira 31 geheime AfD-Gruppen übernahm. Er stellte sie später auf „öffentlich“ und offenbarte so auch eine Strategie der Partei.

Laut Shapira sollen die Gruppen, die rund 180.000 Mitglieder auf sich vereint haben sollen, überwiegend von Bots gesteuert worden sein, administriert wurden sie jedoch von lediglich zwei AfD-Mitgliedern. Bots würden zudem unzählige Freundschaftsanfragen stellen und die Personen anschließend Gruppen hinzufügen, ein Netzwerk, dass so immer weiter wächst.

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