von Oliver Cruzcampo
   

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? – NPD-Mann rückt in Rostocker Stadtvertretung nach

Interesse an politischer Sacharbeit scheint die NPD kaum zu haben. Die zwei Mandate in der Rostocker Bürgerschaft werden munter weitergegeben. Diesmal übernimmt ein weiterer Hobbypolitiker, der zuletzt in der Stadtteilvertretung über drei Jahre durch Abwesenheit glänzte.

Zu Jahresbeginn hatte Birger Lüssow, ehemals NPD-Landtagsabgeordneter im Schweriner Schloss, sein Mandat in der Rostocker Bürgerschaft niedergelegt – ohne Angabe von Gründen. Ein Nachrücker musste her. Da der nächste NPD-Kandidat Lutz Mumrey offenbar keinen ständigen Wohnsitz in der Hansestadt nachweisen konnte, blieb von der ursprünglichen Liste der NPD-Kandidaten nur noch ein Rechtsextremist übrig. Ursprünglich befanden sich sechs Personen auf der Liste für die Kommunalwahl 2009.

Nun soll es für die NPD Normen Schreiter richten. Der Elektriker, der 2011 für die NPD noch zur Landtagswahl kandidierte, wird auf der morgigen Bürgerschaftssitzung der Hansestadt zum ersten Mal neben Thomas Jäger Platz nehmen. Ein Kunststück: Hatte Schreiter doch gerade einmal 0,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können.

Laut NPD sei der 1984 geborene Rostocker bereits „seit seinem 16. Lebensjahr politisch aktiv.“ Und weiter: „Es gilt in unserem Land anzupacken, unsere Jugend braucht Perspektiven, niemand soll gezwungen werden, seine Heimat aufgrund von Arbeitslosigkeit zu verlassen. Er wehrt sich gegen die allerorten herrschende Gleichgültigkeit, denn Desinteresse hat noch nie etwas bewirkt.“

Von seiner politischen Aktivität und der Vorstellung „anpacken“ zu wollen, scheint derweil wenig verblieben zu sein. Seit Ende 2009 sitzt Schreiter zwar im Rostocker Ortsbeirat Toitenwinkel, doch lediglich an den ersten Sitzungen nahm der NPD-Hobbypolitiker teil. Seit über drei Jahren ließ sich Schreiter auf keiner einzigen Sitzung mehr blicken. Ortsbeirats-Vorsitzende Anke Knitter (SPD) betrachtet die derzeitige Situation mit gemischten Gefühlen: „Gerne hätte ich auf dem nun seit Jahren leeren Stuhl ein Mitglied einer demokratischen Partei gesehen, das im Gegensatz zur NPD tatsächlich Interesse an politischer Sacharbeit hat.“

Das zweite Mandat für die NPD, das derzeit Thomas Jäger inne hat, wurde ursprünglich von Franziska Vorpahl errungen, die trat es jedoch ohne Angabe von Gründen direkt an den jetzigen Landtagsabgeordneten David Petereit ab. Doch auch der 32-Jährige legte sein Mandat später nieder.

Sollte bis zur nächsten Kommunalwahl in einem Jahr einer der beiden NPD-Männer ebenfalls das Handtuch werfen, wird der Platz unbesetzt bleiben. Denn mit Normen Schreiter rückte bereits die letzte Person auf der Bewerberliste für die Bürgerschaftswahl der Hansestadt Rostock nach.

Den NPD-Landesverband scheint der ständige Wechsel in der Vertretung der größten Stadt des Bundeslandes herzlich wenig zu interessieren. Nicht eine Mitteilung ist dies den Rechtsextremen wert.

Foto: Screenshot NPD-MV

Kommentare(1)

Henriette von Stetten Mittwoch, 15.Mai 2013, 19:58 Uhr:
Über die Hintergründe sagt der Artikel wenig,um nicht zu sagen gar nichts aus.
Alles hat bekanntlich Gründe,die hier aber
verheimlicht werden. Warum ?
 

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