von Marc Brandstetter
   

Wegen NSU-Verherrlichung unter Verdacht: Sachsens NPD feiert erneut mit umstrittenem Liedermacher

In Zeiten einer seiner schwersten Krisen plant der sächsische NPD-Landesverband gemeinsam mit dem lokalen Parteinachwuchs ein Sommerfest für kommenden Samstag in Riesa. Wieder einmal mit an Bord: Der Neonazi-Liedermacher „FreilichFrei“, der im April dieses Jahr Ziel einer großangelegten Razzia war. Die Behörden warfen ihm vor, die NSU-Terroristen verherrlicht zu haben.

Keine Berührungsängste: NPD-Neu-Landeschef Jens Baur (Foto: Oliver Cruzcampo)

Der Landesvorsitzende der sächsischen NPD, Jens Baur, wird einen „Überblick über die Arbeit der NPD in Sachsen“ geben. So steht es zumindest in der Programmankündigung der extrem rechten Partei für ihr geplantes Sommerfest, das diesen Samstag auf dem Gelände des parteieigenen Deutsche Stimme Verlages in Riesa stattfinden soll. Ausreichend Platz sollte in der Geschwister-Scholl-Straße 4 vorhanden sein, denn nach der Übernahme des Versandgeschäfts durch den bekannten Neonazi und thüringischen Landesvize Thorsten Heise nutzt derzeit vor allem das NPD-Projekt „DS TV“ die Lagerhalle. Mitveranstalter sind die Jungen Nationaldemokraten (JN), die nach Einschätzung des Landesamtes für Verfassungsschutz von der derzeitigen Schwäche ihrer Mutterpartei ebenso wie die Neonazi-Szene profitieren.

Tiefe Krise

Baurs Rede dürfte verhältnismäßig kurz ausfallen; nach dem Verlust seiner Landtagsfraktion vor nunmehr einem Jahr hat der einstige Vorzeigeverband noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Sollte der Dresdner Stadtrat allerdings auf die Skandale, Querelen, parteiinternen Streitigkeiten und Abgänge ehemaliger Führungskräfte zu sprechen kommen, bliebe für die beiden anderen angekündigten Redner, die Landeschefs von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, Stefan Köster sowie den mehrfach u. a. wegen Volksverhetzung verurteilten Sebastian Schmidtke, kaum Zeit. Nicht nur, dass sich viele Strukturen von der NPD abgewandt haben, jüngst musste wahrscheinlich auf parteiinternen Druck hin auch der Ex-Vorsitzende Holger Szymanski seinen Hut nehmen, nachdem laut Medienberichten bei einer Razzia auf seinem Computer Pornofilme mit „widerwärtigem Inhalt“ gefunden worden waren.

Eine Durchsuchung musste im April dieses Jahres auch der Liedermacher „FreilichFrei“ über sich ergehen lassen. Maik K. gilt bei der NPD als gerngesehener Gast. Glaubt man seiner Facebook-Seite, griff er in den letzten Monaten bei einigen Treffen der NPD und ihrer Junioren, etwa Anfang Juli bei einer Veranstaltung mit dem früheren Pfleger des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess in Pirna, in die Saiten. Nach eigenen Angaben stand er außerdem bei der Gründung des Stützpunktes „Thüringer Wald/Ost“ der Neonazi-Partei Der Dritte Weg auf der Bühne.

Keine Berührungsängste

Die Behörden warfen K. vor, die rechtsterroristische Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, verherrlicht zu haben. Ihre Aufmerksamkeit hat das zwölfte Lied seiner aktuellen, bei „Oldschool Records“ erschienenen CD „Erhabener Kampf. Mein Volk hasst unsere Freiheit“, „Das Haus wird abgerissen“ geweckt. In dem knapp zwei Minuten langen Lied fährt er nicht nur schlecht gereimte Angriffe gegen die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), sondern nannte die Mitglieder der mutmaßlichen Mörder-Bande „Vorbilder“ und „die Größten unserer Zunft“. „FreilichFrei“ tat die Vorwürfe als „Witz“ ab und verwies auf den angeblich sarkastischen Unterton seines „Songs“.

Neben „FreilichFrei“ soll nach den NPD-Planungen die Liedermacherin „Aria S.“ für Stimmung sorgen. Auch sie war bereits bei Der Rechten zu Gast – im Januar beim Karlsruher Kreisverband. Dem BNR zufolge war sie darüber hinaus als musikalische Begleitung einer Veranstaltung mit der notorischen Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck vorgesehen. Auf Facebook wirbt die junge Frau mit dem Slogan „Love Music. Hate Antifa“.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen