von Konrad D. Fromm
   

Warnung: Dieses Spiel gefährdet die geistige Unbedarftheit besorgter Bürger

Die Zeiten für Populisten waren selten so fruchtbar wie heute. Abendliche Spaziergänge locken viel zu viele Menschen an, bei denen man zu Recht daran zweifeln darf, dass die Ideale der Aufklärung auch nur ansatzweise erreicht wurden. Der Populist versorgt diese Spaziergänger mit den nötigen Phrasen, sich einer aufgeklärten Weltsicht tapfer zu widersetzen. Die ideale Zeit also, ein Brettspiel zum Thema zu veröffentlichen: das „Bullshit Quiz“.

Stilecht getestet am deutschen Stammtisch - das „Bullshit Quiz“ (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Filme werben gerne damit, „von den Machern dieses geilen Blockbusters vor zwanzig Jahren“ geschaffen worden zu sein. Genau das könnte das „Bullshit Quiz“ auch tun, stammt es doch aus der Feder des Teams, dass uns bereits das „Minderheiten Quartett“ bescherte. Hat das „Bullshit Quiz“ aber glücklicherweise nicht nötig.

Das kartenbasierte Gesellschaftsspiel für drei bis fünf Teilnehmer führt ein in die Welt der deutschen Populisten, ihrer kruden Äußerungen und hilft nebenbei auch noch sehr gut dabei, die Wirkmechanismen populistischen Bullshits zu verstehen.

Auch wenn man Eckhard Kuhla oder Hedwig von Beverfoerde nicht kennt – ein übrigens legitimer Zustand für vernunftbegabte Bürgerinnen und Bürger –, der wird diese ebenso kennenlernen wie die „großen“ Namen der Populistenszene wie Lutz Bachmann, Erika Steinbach oder Alexander Dobrindt. 30 mehr oder weniger bekannte PopulistInnen, 150 ihrer „besten“ Äußerungen und ein großer Sack voller Stichworte für die finale „Populisten-Bullshit-Runde“ liefert das liebevoll, wenn auch nicht immer 100% treffend illustrierter Spiel. Dafür sind die kurzen Steckbriefe auf den Rückseiten der Portraitkarten sehr witzig gehalten.

Das „Bullshit Quiz“ bringt den geneigten Spieler zwangsweise in Kontakt mit Themen wie der „Homo-Lobby“, „Chemtrails“ oder den Gefahren der „Islamisierung“. Hetzer und Verschwörungstheoretiker finden sich Seit an Seit mit ihren Äußerungen zu allem (un)vorstellbaren Unsinn.

Stilecht getestet am deutschen Stammtisch

Auch die ENDSTATION-RECHTS.-Redaktion hat das Spiel einem intensiven Test unterzogen. Natürlich erfolgte dieser, dem Thema entsprechend, an einem aus deutscher Eiche gefertigten, braunen Stammtisch.

In Spielphase eins müssen in lässiger Runde die Bullshit-Zitate den Populisten zugeordnet werden. Hier wird von der Redaktion das Spielen an öffentlichen Orten empfohlen und die ordentliche Artikulation der teils völlig wirren Zitate, die die Autoren zusammengetragen haben. Ungläubige Blicke vom Nachbartisch tragen erheblich zum Spielspaß bei.

Für erfolgreiches Raten darf man sich dann mit einer Bullshit-Wort-Karte versorgen, die in Phase zwei Bedeutung erlangt. Es fällt auf: Die ganzen rassistischen Äußerungen der letzten Wochen haben noch nicht den Weg in das Spiel geschafft. Aktuell empfindet man beim Spielen daher ein subjektives Ungleichgewicht der Themenwahl – zu viel Homo-, zu wenig Ausländerhass. Der Entlarvung der menschenverachtenden Weltsicht einiger Populisten tut dies aber keinen Abbruch.

Phase zwei ist dann der kreative Teil des Spiels. Hier gilt es für die Mitspieler, aus ihrem Konglomerat von in Phase eins angesammelten Bullshit-Wörten möglichst populistische Äußerungen zu entwerfen. Erneut werden die finalen Ergebnisse lautstark vorgetragen. Ungläubige Blicke der Menschen am Nachbartisch sind garantiert, wenn man aus „militant“, „Kind“, „Feminismus“, „NSA“ und „destabilisieren“ eine populistische Äußerung basteln darf. Am Ende wird der ganze Bullshit zusammenaddiert und der Verlierer darf die Rezension des Spiels schreiben.

Das „Bullshit Quiz“ des Leipziger Rappel-Spielverlages ist eine durchaus kurzweilige Spielerfahrung, wenngleich das Testspiel der Redaktion sich deutlich über eine Stunde hinzog. An den Satire-Wert des „Minderheiten Quartetts“ kommt das Spiel zwar nicht heran, besitzt aber gerade durch die zweite Spielphase einen durchaus vorhandenen, aufklärerischen Ansatz, der zudem auch noch richtig Spaß macht.

Die Verarbeitung des Spieles ist gut. Kritik gibt es lediglich für das „Book of Shame“, in dem sich die Zitate der Populisten und die Spielanleitung befinden. Unser Redaktionsexemplar sah bereits nach dem ersten Spiel recht mitgenommen aus. Hier sollte bei einer zweiten Auflage durchaus nachgebessert werden. Dem Spielspaß insgesamt tut das aber keinen Abbruch.

Als Weihnachtsgeschenk für kommunikative und intelligente Bekannte ist das „Bullshit Quiz“ sicherlich eine gute Wahl. Im Familienkreis könnte man damit aber eher auf Unverständnis stoßen – was aber durchaus gewünscht sein kann. Die Redaktion hat insbesondere das Abtauchen in unsere eigenen populistischen Abgründe sehr genossen.

Fazit:

Dieses Spiel ist eine widerliche Bedrohung für unsere intolerante Gesellschaft. Sein abstoßendes Spielprinzip, geprägt von den Werten der zionistisch-feministischen-arabischen Homo-Lobby, gefährdet die geistige Unbedarftheit des besorgten Bürgers.

Gut so.

Das „Bullshit Quiz“ ist für 24,90 Euro im gut sortierten Spielwarenladen, bei diversen Internetversandhändlern oder aber beim Rappel-Spieleverlag direkt erhältlich. Mehr zum Spiel im Netz: www.bullshit-quiz.de

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