von Marc Brandstetter
   

War der Ex-NPD-Spitzenkader und mutmaßliche NSU-Helfer Ralf Wohlleben V-Mann?

Obwohl Ralf Wohlleben, ehemaliger NPD-Vizechef in Thüringen, derzeit in Untersuchungshaft sitzt – die Bundesanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord vor – wird es um den Spitzenkader nicht ruhig. Nun heißt es, er sei V-Mann des Verfassungsschutzes gewesen.

Diese Meldung bedeutet für den Verfassungsschutz und für die NPD gleichermaßen den Supergau. Ein mutmaßlicher Helfer des Terrortrios, das sich selbst „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) nannte und mordend durch die Republik zog, war womöglich Informant der Sicherheitsbehörden. Nur handelt es sich dabei nicht um irgendein beliebiges Kameradschaftsmitglied, sondern um einen einstigen stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden.

Auf Anordnung von Bundesinnenmister Hans-Peter Friedrich geht sein Haus der Frage nach, ob ein Mitglied des NSU-Unterstützerkreises „Vertrauensperson“ einer Behörde gewesen ist. Dazu würden erneut die entsprechenden Akten gesichtet, besonders diese zum ersten Verbotsanlauf gegen die rechtsextremistische Partei 2001 bis 2003. Ein damals mit dem Fall betrauter Beamter des Innenministeriums glaubt nämlich sich nun zu erinnern, seinerzeit sei ein Name gefallen, der für Aufregung sorgen könnte: Nach Informationen des jene Waffe inklusive Munition besorgt zu haben, mit der anschließend neun Morde begangen wurden. Außerdem soll er 1998 den späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe erst das Untertauchen ermöglicht haben. Damals stand die Mörderbande u. a. auf den Fahndungslisten der Polizei, da in einer von Zschäpe angemieteten Garage Sprengstoff gefunden worden war.

Dieser Sprengstoff wurde womöglich von Thomas S., der zeitweise mit Zschäpe liiert war, geliefert. Kürzlich wurde bekannt, dass S. ebenfalls V-Mann war – für das Berliner Landeskriminalamt. Die entsprechenden Informationen wurden zurückgehalten und nicht an den Untersuchungsausschuss des Bundestages weitergeleitet, der die Versäumnisse der Behörden aufklären soll. Ein weiterer Skandal einer beispiellosen Kette von Fehlern und Pannen, der vielleicht den Berliner Innensenator Frank Henkel den Kopf kosten könnte.

Im Laufe des ersten Verbotsverfahrens gegen die rechtsextremistische Partei wurde bekannt, dass 15 Prozent ihres Spitzenpersonals auf den Gehaltslisten der verschiedenen Ämter standen und für ein paar Euro Parteiinterna an den verhassten Staat verrieten. Manchmal mögen die Informanten ihren Auftraggebern das erzählt haben, was diese gerne hören wollten. Möglicherweise sind auch ihre „Judaslöhne“ teilweise zurück in Bewegung geflossen. Unstrittig scheint aber auch, dass die eine oder andere brisante Innenmeldung es so in die Akten des Inlandsgeheimdienstes schaffte.

Nach der Verfahrenseinstellung 2003 jedenfalls kehrte die damalige NPD-Führung um Udo Voigt dieses leidige Thema schnell unter den Teppich. Niemals arbeitete die Partei ihre Verstrickungen auf, das zwischenmenschliche Klima blieb vergiftet. „Spitzel“ zu sein, diente und dient als beliebter Vorwurf für missliebige Partei-„Kameraden“. Außerdem wurde die NPD für die Freien Kameradschaften vorübergehend unattraktiv – eine mit staatlichen Quellen durchsetzte Partei schien für den politischen Kampf denkbar ungeeignet.

Nun aber ist das Problem zurück auf der Tagesordnung, der Fall Wohlleben verdeutlicht dies. 2003 war ein weiterer stellvertretender NPD-Landesvorsitzender, Wolfgang Frenz aus Nordrhein-Westfalen, enttarnt worden. Gibt oder gab es darüber hinaus noch weitere V-Männer in der allerersten Parteiriege? Diese Frage müssen sich neben den Behörden auch Ex-NPD-Chef Udo Voigt und sein damaliger Vize, Holger Apfel, gefallen lassen. Und (glaubhafte) Antworten geben.

Foto: Indymedia, Lizenz: CC

Kommentare(11)

Wahrheitsfanatiker Mittwoch, 26.September 2012, 14:40 Uhr:
Den sog. NSU, den die BRD erfunden hat, um nationale Erfolge zuverhindern.
 
Elvira Mittwoch, 26.September 2012, 14:52 Uhr:
Sicherllich gab und gibt es heute noch V-Leute in der Führungsspitze der NPD oder warum glaubt ihr kommt die Partei nicht über die 5 % ? Nun zeigt sich wieder wer Gewalt ausübt, nicht die NPD.Für das angestrebte Verbotsverfahren ein Schlag ins Gesicht.
 
Paul.Pa. Mittwoch, 26.September 2012, 14:52 Uhr:
Der Verdacht, dass der VS seine Arbeitsgrundlage selbst legt, indem er absolut kriminelle angeblich nationale Strukturen fördert um sie früher oder später bei Bedarf mit großem Brimborium zu enttarnen ist nicht so ganz neu.
Insofern passt diese Meldung ins Bild.
 
John Mittwoch, 26.September 2012, 15:56 Uhr:
Elvira, Du bist echt die geilste. Du hast echt gar keine Kontrolle über Deine Fingerchen oder? Lies Dir doch nochmal Deinen Kommentar durch. Danach setz Dich 10 Minuten in eine ruhige Ecke und denke mal nach....
 
Roichi Mittwoch, 26.September 2012, 18:03 Uhr:
@ Paul

Ein Verdacht, der nur von betroffener Seite geäußert wird um soetwas, wie eine Schutzbehauptung und Ausrede zu haben.
Der Fanatiker hat das oben ganz gut demonstriert, und Elvira bringt es schon fast zur Perfektion.
 
Gisela Mittwoch, 26.September 2012, 18:04 Uhr:
Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, dann dürfte auch das NPD-Verbot endgültig vom Tisch sein, da man speziell Wohlleben als Beweis für Überschneidungen zwischen NSU und NPD instrumentalisieren wollte.
 
dog Donnerstag, 27.September 2012, 10:49 Uhr:
@ Gisela

Kannst Du Deine Theorie bitte erklären?
 
Karl_Murx Donnerstag, 27.September 2012, 18:54 Uhr:
@spanni:

"Mal wird behauptet das das alles V-Leute sind und die Szene ja eigentlich gar nicht (mehr)existent ist und dann müssen die Spitzel dafür herhalten, dass die Partei nichts auf die Reihe kriegt und keine Erfolge vorzuweisen hat."

Wie wäre es mit folgender Erklärung: Die Führungsgremien der NPD sind komplett mit V-Leuten des Verfassungsschutzes und anderer Dienste unterwandert, um diese Partei im gewünschten Sinne der etablierten Parteien zu steuern. Damit soll zum einen das Stimmenpotential auf dem nationalkonservativen bis nationalen Spektrum, das in Deutschland wie in jeder anderen bürgerlichen Gesellschaft völlig legitim gibt, kanalisiert und gespalten werden. Zum anderen will man sich mit den entsprechend gesteuerten Aktionen der Führungsspitze einen "neonazistischen" Popanz schaffen und erhalten, um damit in der Öffentlichkeit alle Bestrebungen der Deutschen, die eigene nationale und kulturelle Identität zu bewahren, als rechtsextrem zu diskreditieren. Aus genau diesem Grunde wird man die NPD auch nicht verbieten.
 
Roichi Donnerstag, 27.September 2012, 21:24 Uhr:
@ Karl

Nimmst du das Zeug öfter?
Anders lässt sich dein Kommentar nämlich nicht erklären.

Was V-Leute sind wurde dir ja nun oft genug erklärt.

Auch deine weiteren Phantasien taugen nicht als Beschreibung der Welt.
 
dog Samstag, 29.September 2012, 00:26 Uhr:
@ Nazi-Popanz Karl

Ja, ich erinnere mich, die Juden haben den Hitler gemacht.
 
Gabi Ele Samstag, 29.September 2012, 16:07 Uhr:
@dog:

Man merkt bei dir, dass du einen Nazi im Kopf hast.
 

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