von Oliver Cruzcampo
   

„Wahre Welle“ – Vermeintlicher Sender über Verschwörungstheorien geht online

Seit Mitte letzter Woche wurde vor allem in den sozialen Netzwerken Werbung verbreitet für einen neuen Online-Sender, der am heutigen Montag online ging. Von der Aufmachung mutete die „Wahre Welle“ wie ein aus dem Spektrum der Verschwörungstheoretiker stammendes Medium an – doch es kam anders. Völlig überraschend kam die Enthüllung allerdings nicht.

„Es kommt die Zeit, in der das Kartenhaus der Lügen zusammenbricht“. Mit martialischen Klängen unterlegt wird dieser Spruch im Trailer für die „Wahre Welle“ seit letzter Woche Mittwoch auf YouTube verbreitet. Dazu Flammen vor dem Bundestag. Weitere Fragen werden eingeblendet: „Wer regiert uns?“ und „Gift aus der Luft“.

Eine der ersten Assoziationen nach dem etwa einminütigen Clip dürfte das breite Feld der Verschwörungstheorien sein. Die Inszenierung erinnert an das ebenfalls in dem Spektrum aktive Compact-Magazin, geworben wurde mit der „Wahrheit hinter der Wahrheit.“

Der Trailer wurde zudem auf Facebook online gestellt, abgefilmt aus einem Kino, so sollte wohl der Eindruck verstärkt werden, dass durchaus zahlungskräftige Investoren am Werk seien. Das Konzept ging auf – über 1.000 Mal wurde der Post geteilt. Doch wer hinter dem Projekt steckte, wurde mit einigem Aufwand verborgen. Über die Registrierung der Webseite war nichts herauszubekommen, ein Impressum: Fehlanzeige. Dies steigerte in interessierten Kreisen unweigerlich das Interesse an dem vermeintlichen 24-Stunden-Online-Sender, in der Nacht auf Montag kam dann die Auflösung.

„Nicht alles glauben, was man in sozialen Netzwerken liest und hört“

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) „outete“ sich als verantwortlich für die „Wahre Welle“. Es handelt sich um eine „satirische Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien und deren absurden und wirklichkeitsverzerrenden Argumentationsmustern“, heißt es in dem Begleittext. Man habe auf niedrigschwellige Weise ein medienpädagogisches Angebot entwickeln wollen, das die Logik von Verschwörungstheorien aufzeigt. „Über Webvideos und Satire erreichen wir vor allem die Netzcommunity. Sie wollen wir dafür sensibilisieren, nicht alles zu glauben, was man in sozialen Netzwerken liest und hört“, so Thomas Krüger, Präsident der bpb.

Die Aufmachung und Anonymisierung des Satire-Projektes war gut durchdacht, sogar Stellenanzeigen für das vermeintlich neue Unternehmen waren zu finden. Doch im Quelltext der Internetseite war für einige Zeit folgender Satz zu finden: „Wahrewelle.tv ist ein Satireprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung 2018.“ Dieser recht offene Hinweis auf den Urheber wurde nach einiger Zeit wieder entfernt. Zudem wirkten einige Szenen des Trailers überzeichnet, bestimmte Begriffe über das Ziel hinausgeschossen.

Dennoch werden einige erste Fans des Wahrheit-hinter-der-Wahrheit-Senders wohl enttäuscht sein – und die Bundeszentrale für politische Bildung dürfte sich mit dem Verlauf zufrieden zeigen, auch wenn der Erfolg schwer messbar sein wird.

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