Von Preußen nach Südtirol

Nachwuchsvertriebene verfügen über ein breites Spektrum an rechtsextremen Referenten.

Donnerstag, 13. September 2007
Robert Andreasch

Die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) um ihren Bundesvorsitzenden Christian Schaar (Weinheim) lädt zum fünften Mal zur so genannten „Andreas-Hofer-Wander- und Vortragswoche“ ein. Vom 29. September bis zum 6. Oktober sind in San Martino in Passiria (St. Martin in Passeier) Wanderungen, unter anderem zu aus dem Ersten Weltkrieg stammenden Stellungen, sowie Vortragsveranstaltungen mit Referenten aus Deutschland und Österreich geplant.
Angekündigt als Referent ist Stephan Roth (Zittau), Domaininhaber der revanchistischen „Aktion gegen das Vergessen“, mit dem Bericht „Der Prozess im Osten – Rückschau auf die Holzkreuz- und Plakataktionen in Schlesien 2003 – 2004“. Roth hatte am 8. Mai 2003 sowie im Mai und Juli 2004 zusammen mit Robert Göpfert und dem Görlitzer Stadtrat Jürgen Hösl-Daum mehrere antipolnische Aktionen durchgeführt und wurde dafür am 7. April 2006 vom Landgericht in Jelenia Gora zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Ende April 2007 war Roth bei einer von dem baden-württembergischen JLO-Funktionär Ingo Henn (Kißlegg) und von der Bundesvorsitzenden des Schutzbundes für das Deutsche Volk, Heilwig Holland (Ochsenhausen), organisierten Veranstaltung im oberschwäbischen Hochdorf aufgetreten. Heilwig Holland, Mitinitiatorin des „Hamburger Signals“ gegen die Bundesführung der Republikaner und Referentin bei der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), soll ihrerseits nun in Südtirol zum Thema „keine deutsche Zukunft ohne deutsche Kinder“ sprechen.

Auf dem Programm stehen wie im vergangenen Jahr (s. bnr 17/06) auch Vorträge von Otto Scrinzi und Richard Melisch. Vom „Faschismus in Südtirol – im Rückblick eines Zeitzeugen“ soll der Kärntner Scrinzi, ehemaliger SA-Sturmführer und früherer Südtirol-Sprecher der FPÖ, berichten. Der Wiener Richard Melisch, beliebter Referent bei der GfP, bei der NPD und der „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP)“, gibt seinem geplanten Auftritt bei der JLO den gleichen Titel wie seinem im August 2007 erschienenen letzten Buch: „Der letzte Akt – Kriegserklärung der Globalisierer“. Im Werbetext des im rechtsextremen Tübinger Hohenrain-Verlag verlegten Bandes heißt es: „Die Kriegserklärung liegt jetzt schriftlich vor. Die Betreiber der Welteroberung durch Globalisierung haben sich selbst enttarnt: Ihre Allianz von Pentagon und Wall Street ist so siegessicher, dass sie ihrem Chefstrategen, dem Clausewitz der Globalisierer erlaubte, sowohl ihre Welteroberungspläne als auch die dazu führenden Strategien zu veröffentlichen. Ihr terroristischer Feind ist ausgemacht: Es sind die Nationalen. Die Forderung der Globalisierer lautet deshalb klar und deutlich: \'Kill them!\', \'Tötet Sie!\'“

Vom 10. bis zum 12. August 2007 hatte zuletzt die „2. Preußische Akademie“ der JLO unter dem Motto „Quo vadis Preußen?“ stattgefunden. Im „Hof Petzold“, der JLO-eigenen Immobilie im sachsen-anhaltinischen Abberode, referierten vor cirka 30 Teilnehmern Götz Kubitschek, Andreas Molau, Eberhard Grünert, Björn Clemens und Franz Uhle-Wettler. Wie die NPD-Mitgliederzeitung „Deutsche Stimme“ in der September-Ausgabe berichtet, war Götz Kubitschek bei der „Preußischen Akademie“ wegen der Haltung der „Jungen Freiheit“ zur NPD unter anderem Vorwürfen von Seiten Andreas Molaus ausgesetzt.

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