von Charlotte Gräfin von der Blumenwiese
   

Von der Frauen- zur Männerbewegung. Wie Konservative die Emanzipation für sich entdecken.

Unter dem Titel „Feindbild Feminismus. Geschlechterkampf von rechts.“ stellte der Journalist Thomas Gesterkamp kürzlich seine Beobachtungen zur Entwicklung in der geschlechterpolitischen Debatte vor. Aus seiner Sicht entstehen neue Netzwerke, die konservative und antifeministische Ideen verbreiten und die Errungenschaften der Frauenbewegung in Frage stellen.

Etwa 100 Personen hatten sich am Mittwoch Abend eingefunden, um die von Gesterkamp vorgetragenen Thesen zum „Geschlechterkampf von rechts“ zu verfolgen und zu diskutieren. Gesterkamp stellte fest, dass „Männerrechtler und Familienfundamentalisten“ ihre Forderungen nach einer Männerbefreiung stärker als früher öffentlich artikulieren. Sie heben dabei darauf ab, die jahrzehntelang praktizierte Frauenpolitik und –förderung hätte dazu geführt, dass es nun die Männer seien, die diskriminiert würden. Eines ihrer hauptsächlichen Feindbilder ist das staatlich geförderte Prinzip des Gender Mainstreaming, das den vermeintlich allgegenwärtigen Feminismus repräsentiert.

Zentrale Themen der zahlreichen „männerbewegten“ (Gesterkamp) Akteure bzw. Organisationen sind die biologisch bedingte Geschlechterdifferenz, die durch das Gender Mainstreaming untergraben und abgeschafft würde, die Opferrolle der Männer, die durch den Feminismus verunsichert und in eine Identitätskrise geführt worden seien und die vermeintliche staatliche Bevormundung bei der Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern.

Hauptkampffeld der „Männerrechtler“ seien die Medien, hier vor allem Zeitungen und Zeitschriften wie „Die Welt“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Cicero“, „Focus“ und „Spiegel“. Besonders angeregt jedoch findet die Debatte online statt, da hier Quellenbelege und seriöse Argumentationen eine wesentlich geringere Rolle spielen als im Printjournalismus.

Eine breite soziale Bewegung nach dem Vorbild der Frauenbewegung sieht Gesterkamp jedoch nicht am Werk. Tatsächlich handele es sich eher um Lobbyisten, die z.T. durchaus berechtigte Anliegen von Männern, z.B. die Schwierigkeiten von Jungen im Schulsystem, für ihre gesellschaftspolitischen Ziele nutzen.

Die von ihm beobachteten Diskutanten sind nach Ansicht Gesterkamps in der Regel auch „keine Neonazis“, Überschneidungen und Verbindungen zu rechtskonservativen und -extremen Kreisen und Publikationen ergäben sich dennoch. Als Beispiele nennt Gesterkamp die Verlinkung mit dem Portal „de.altermedia.info“ und zu Artikeln der rechtskonservativen Wochenzeitung „Jungen Freiheit“ (JF).

Wie zum Beweis dieser Ausführungen führt eben jene JF seit einiger Zeit eine regelrechte Kampagne gegen den Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Thomas Krüger. Im Oktober 2010 richtete sich die Kritik zunächst gegen seine mangelnde „politische Ausgewogenheit“ (JF 41/10), die ihren Ausdruck u.a. in der Verleihung des Internetpreises für Bürgerengagement und Demokratieförderung an das aus Sicht der JF linksextreme Internetportal „Indymedia“ im Jahr 2002 und der – finanziellen und durch ein Vorwort Krügers moralischen – Unterstützung des „Buch gegen Nazis“, das eben dieses „Indymedia“ als Informationsquelle nennt, finde. Vor diesem Hintergrund warf die JF Krüger eine Schlagseite zum Linksextremismus vor.

Heftiger – und von zahlreichen UnionspolitikerInnen unterstützt – wurde die Kritik, nachdem Krüger in der Eröffnungsrede zu dem Kongress „Das flexible Geschlecht: Gender, Glück und Krisenzeiten in der globalen Ökonomie“ Ende Oktober letzten Jahres u.a. gefordert hatte, „das Prinzip des Gender Mainstreaming als zentrale Dimension aller gesellschaftlichen und politischen Bereiche umzusetzen“. Darüber hinaus hatte Krüger sich positiv auf Aspekte der Geschlechterpolitik der DDR bezogen, die im Zusammenhang mit der weitgehenden Integration der Frauen in das Erwerbsleben, der flächendeckenden staatlichen Kinderbetreuung sowie der Straffreiheit von Abtreibungen der westdeutschen überlegen gewesen sei. Dies rief mehrere CDU-PolitikerInnen auf den Plan, die – von der JF wohlwollend begleitet – Krüger vorwarfen, die DDR zu verharmlosen, einseitig zu denken und den grundgesetzlich verbrieften Schutz von Ehe und Familie abschaffen zu wollen, „was auch ein Angriff auf das Grundgesetz“ (JF 48/10), also regelrecht linksextrem sei.

Dass Krüger in seiner Rede insbesondere mit Blick auf die Integration von Homosexuellen, Transgender, Transsexuellen und anderen jenseits der traditionellen zwei Geschlechtern Stehenden deutlich weiterging, indem er neben der Anerkennung der Geschlechterdifferenzen politische Bündnisse „auch quer zu und jenseits von Heteronormativität, Zweigeschlechtlichkeit und Kleinfamilie“ fordert, wird von der JF gar nicht erwähnt.

Dies erklärt sich Gesterkamp mit den „schlichten Welterklärungen“ der „Familienfundamentalisten“. Diese betrachteten im Prinzip jede vom traditionellen, heterosexuellen Geschlechterverhältnis abweichende Lebens- und Identitätsform als das Ergebnis des Feminismus bzw. seiner aktuellen Gestalt als Gender Mainstreaming, das die Einebnung jeder Geschlechterunterschiede und damit die Abschaffung der Geschlechter zum Ziel hätte.

Foto: Milan.sk frei nach CC-Lizenz.

Kommentare(1)

zusatzartikel xy Mittwoch, 24.Juli 2013, 11:15 Uhr:
so langsam wird aber auch alles was einem nicht passt und nicht bei 3 auf dem baum ist in die rechte schmudelecke getrieben.

ist praktisch. muss man sich auf keine sachliche disk. einlassen. alles was einem nicht passt ist im zweifel rechts:)

bravo!
go meinungsfreiheit

seien sie stolz auf sich
 

Die Diskussion wurde geschlossen