von Redaktion
   

"Von der Antifa regiert": Polizei eskortiert AfD-Poggenburg aus Magdeburger Uni

Die erste Veranstaltung der AfD-Hochschulgruppe „Campus Alternative“ an der Uni Magdeburg ist am Donnerstagabend im Chaos versunken. Zum bewusst provozierenden Thema „Gendern an der Uni, Gendermainstreaming und alles was da sonst noch so Probleme mit der bipolaren Geschlechterordnung hat“ sollte auch der Landtagsabgeordnete und AfD-Landeschef André Poggenburg sprechen. Lautstarke Proteste verhinderten die Durchführung. Nach tumultartigen Szenen mussten Poggenburg und seine Begleiter unter Polizeischutz aus dem Saal geleitet werden. Die AfD nutzte die willkommene Situation für ihre Botschaften.

André Poggenburg (AfD) im Tumult am Rednerpult im Hörsaal. | Bild: Screenshot eines Videos auf der Seite "Vakuum" auf Facebook

Poggenburg ist einer der wichtigsten Köpfe der AfD in Sachsen-Anhalt, gehört der AfD-Bundesspitze an und prägt als Hardliner eine „völkisch-nationalistische“ Ausrichtung seines Landesverbandes. Im Kulturkampf gegen die Eliten des Landes wollte es sich die noch junge Hochschulgruppe der AfD „Campus Alternative Magdeburg“ wohl nicht nehmen lassen, ihren „Chef“ als Gastredner für die erste eigene Veranstaltung innerhalb der Uni zu engagieren. Neben Poggenburg sollte der Magdeburger Professor und „Hirnforscher“ Gerald Wolf einen Vortrag zum „Genderwahn“ halten.

Eskalation auf Knopfdruck

Wenn ein strammer Rechtsaußen-Landesverband der AfD in einen Hörsaal lädt, um den „Genderwahn“ zu geißeln, sind scharfe Proteste vorprogrammiert, möchte man meinen. Und so kam es dann auch. Rund 300 Studierende warteten nach einer vorangegangenen Vorlesung bereits im Veranstaltungssaal. Die eintreffende AfD-Delegation – darunter zahlreiche Beschützer Poggenburgs –  konnten nur unter lautem Protest den Raum betreten. Ein Facebook-Video des Auftritts ist auf der Facebook-Seite der Gruppe "Vakuum" zu sehen.

Kurz danach und in tosendem Lärm näherten sich mehrere Gegendemonstranten mit einem Protest-Transparent dem Rednerpult, wo Poggenburg und Wolf sprechen sollten. Daran war jedoch nicht zu denken. Aufgewühlte Rangeleien, ein Böllerwurf und lauter Protest verhinderten den Beginn der Veranstaltung. Mittendrin Poggenburg, der sich während der gesamten Zeit ein breites Grinsen nicht verkneifen konnte. So, als laufe alles nach Plan.

Polizei eskortiert AfD aus Hörsaal

Da sich die Lage nicht beruhigte und an eine Durchführung der „Gender-Veranstaltung“ nicht zu denken war,  wurden Poggenburg und Co. anschließend in einen rückwärtigen Raum des Hörsaals gebracht und warteten dort, bis die eintreffende Polizei den Abzug der Gruppe organisierte.

Die Empörung der „Campus Alternative Magdeburg“ ließ nicht lange auf sich warten: „ Die Arroganz und die bodenlose Ignoranz, welchen von Teilen der Studentenschaft an den Tag gelegt wurde. Viel verfestigte Meinung, wenig Interesse an neuem Wissen und dabei linksextreme Gewalttäter beklatschend“, beschweren sich die Veranstalter am späten Abend auf deren Facebook-Seite.

„Von der Antifa regiert“

Der AfD-Abgeordnete Poggenburg wusste den Vorfall umgehend für eine politische Botschaft zu nutzen. Mit Blick auf die Tumulte sagte er dem MDR – der die Veranstaltung mit einem Kamerateam begleitete –, deutsche Universitäten würden „zum großen Teil von der Antifa regiert“. Als Beleg führte er die Veranstaltung in Magdeburg an. Dem müsse „eine politische Alternative“ entgegegn gestellt werden. Das sei die AfD, so Poggenburg. Der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt ergänzte gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk: “Wir werden jetzt erst recht Einsatz zeigen, um die Verhältnisse zu ändern. Wir müssen wiederkommen und wir werden uns auch durchsetzen." 

Kommentare(11)

Don Geraldo Freitag, 13.Januar 2017, 10:29 Uhr:
Aus Wikipedia über Herrn Wolf:
"1992 erfolgte die Berufung auf die C4-Professur für „Medizinische Neurobiologie“"
Die Bezeichnung Hirnforscher wäre also auch ohne Gänsefüßchen durchaus richtig.
 
Don Geraldinho Freitag, 13.Januar 2017, 12:46 Uhr:
Schon in der Schule sollte man gelernt haben, dass Wikipedia keine ernsthaft zu zitierende Quelle ist.
 
Gernot Gerlach Freitag, 13.Januar 2017, 21:45 Uhr:
Was hat es denn mit diesem sexistischen Aufkleber auf sich? Ab 1:59 zu sehen... Ich finde diesen Aufkleber unter aller Kanone... ein sehr guter Protest, aber so verliert er leider sehr an Qualität.
 
Arndt Sonntag, 15.Januar 2017, 18:36 Uhr:
@ Don Geraldinho

"Schon in der Schule sollte man gelernt haben, dass Wikipedia keine ernsthaft zu zitierende Quelle ist."

Haben Sie eine andere Quelle, die "ernsthafter" ist?

@ Gernot Gerlach

"ein sehr guter Protest, aber so verliert er leider sehr an Qualität."

Sehr guter Protest? Mich erinnert das eher an die Ausschweifungen der SA in der Weimarer Republik.

"
 
Roichi Sonntag, 15.Januar 2017, 22:46 Uhr:
@ Arndt

"Sehr guter Protest? Mich erinnert das eher an die Ausschweifungen der SA in der Weimarer Republik. "

Friedlicher, aber lauter Protest ist also für dich SA. Dann doch wohl eher das Auftreten der Kamerraden inklusive Gewaltanwendung.
Aber wer nicht die richtige Meinung hat, ist ja sowieso SA und so. Nicht?

Offensichtlich will in der Uni Niemand dem Typen ein Podium geben. Wohl nicht so ganz beliebt, wie immer herbeiphantasiert von seinen Truppen. Aber natürlich ging es auch nie um Inhalte, sondern nur um die Provokation und die Show des Herrn Höcke.
 
Arndt Montag, 16.Januar 2017, 22:44 Uhr:
@ Roichi

"Friedlicher, aber lauter Protest ist also für dich SA. Dann doch wohl eher das Auftreten der Kamerraden inklusive Gewaltanwendung.
Aber wer nicht die richtige Meinung hat, ist ja sowieso SA und so. Nicht?"

Böllerwürfe und Gewaltanwendungen sind für Sie also friedlicher Protest? So kann man Straftaten natürlich auch relativieren. Die Gewalt ging übrigens von den Veranstaltungsgegnern aus.

"Offensichtlich will in der Uni Niemand dem Typen ein Podium geben. Wohl nicht so ganz beliebt, wie immer herbeiphantasiert von seinen Truppen. "

Offensichtlich haben Sie Tomaten oder ideologische Scheuklappen vor den Augen. Den Artikel lesen, kann manchmal recht hilfreich sein. Er war als Gastredner geladen. Das heißt, dass es sehr wohl Studenten gibt, die ihn da an der Uni als Redner haben wollen.
Wer hat eigentlich die Randalierer zu dieser Veranstaltung eingeladen? Wer will die dort haben?

"Aber natürlich ging es auch nie um Inhalte, sondern nur um die Provokation und die Show des Herrn Höcke."

Anscheinend geht es Ihnen nicht um Inhalte. Sonst würden Sie zumindest wissen, dass Nicht Herr Höcke, sondern Herr Poggenburg der Redner war.
Aber das kann man ja ruhig übersehen, wenn man ideologisch verblendet ist.

Weshalb können die AfD-Gegner eigentlich nicht friedlich diskutieren?
Haben die etwa keine Argumente?
 
Arndt Montag, 16.Januar 2017, 23:27 Uhr:
@ Roichi

Weshalb bringen "friedliche" Gegendemonstranten überhaupt Böller zu einer Veranstaltung mit? Das alleine stellt ja schon eine Straftat dar. Man kann von Glück sprechen, dass durch den Böllerwurf niemand verletzt wurde. Man stelle sich mal vor, irgendein Idiot würde aus "Protest" Böller auf Asylheime werfen. Friedlicher Protest geht jedenfalls ganz anders.
Und weshalb müssen die Gegendemonstranten mit ihrem Transparent aufs Podium steigen und die Redner bedrängen?
Weshalb sind diese "friedlichen Gegendemonstranten" überhaupt vermummt? Haben die etwas zu verbergen?
Kann man es den Sicherheitsleuten wirklich verdenken, dass sie diese vermummte Horde vom Podium zurückdrängen wollte?
Was würde eigentlich passieren, wenn vermummte und aggressiv auftretende Demonstranten bei einer Veranstaltung von linken Studenten das Podium entern würden? Würde man sie einfach gewähren lassen?
Wie kann man derartige Aktionen nur gut finden? Wer derartige Aktionen gut findet, der hat aus der Geschichte nichts gelernt.
 
Sascha Smandzik Dienstag, 17.Januar 2017, 06:55 Uhr:
Eine Schwachsinnsveranstaltung die gegen den Genderwahn und für die bipolare Geschlechterordnung eintritt, in der Männchen und Weibchen wissen wo ihr "natürlicher" Platz ist, und nur darauf geht dieses Geschwätz hinaus, mit Trillerpfeifen zu verhindern ist vergleichbar damit, in den 20 er eine "Podiumsveranstaltung", in der über die natürlichen Rasseunterschiede schwadroniert wird, zu verhindern. Das dumme Gelaber vom Diskurs innerhalb dessen Argumente ausgetauscht werden ist insofern völlig sinnfrei. Gute Aktion !!!!
 
Roichi Mittwoch, 18.Januar 2017, 12:08 Uhr:
@ Arndt

Natürlich ist Poggenburg gemeint. Kleiner Fehler.
Macht aber auch keinen Unterschied in Ideologie und Rhetorik.

"So kann man Straftaten natürlich auch relativieren. Die Gewalt ging übrigens von den Veranstaltungsgegnern aus. "

Lesen hilft. Zunächst einmal den Artikel und dann meinen Text.
Deine Behauptung der SA könntest du aber dann doch gerne nochmal untermauern.

Gewalt ging von den Kamerraden aus. Wie auch zu sehen ist.
Die Typen werden erst ausgebuht, dann kommen Leute mit einem Transpi und stellen sich vor die Bühne.
Dabei werden diese von den Kamerraden angegriffen.
Diese Angriffe setzen sich dann auch fort bis zum Schluss.
Zwischendruch fliegt ein Böller, vermutich von den Nazigegnern, aber nicht sichtbar von wem. Das Redemanuskript wird entführt. Da sieht man von wem.
Schlussendlich freuen sich die Kamerraden beim Rückzug, dass es endlich mal wieder Action gab.

Bis zum Angriff der Kamerraden war der Protest friedlich. Danach gab es einzelne Personen, die darüber hinaus gingen. Im Gegensatz zu den Kamerraden, die beinahe sämtlich sofort Gewalt anwandten.

Also willst du deine Behauptung noch irgendwie begründen?

"Er war als Gastredner geladen. Das heißt, dass es sehr wohl Studenten gibt, die ihn da an der Uni als Redner haben wollen. "

Die drei Hanseln von der AfD Hoschulgruppe vielleicht. Sonst war die Antwort der Uni recht klar.

Ende Teil 1
 
Roichi Mittwoch, 18.Januar 2017, 12:08 Uhr:
TEil 2


"Wer hat eigentlich die Randalierer zu dieser Veranstaltung eingeladen? Wer will die dort haben?"

Was wolltest du jetzt damit insinuieren?
Achso, dass friedlicher Protest gleich der Gewalt der Kamerraden ist, um diese zu rechtfertigen.
Nur für Dich:
Eine Uni ist ein offener Raum, und eine öffentliche Veranstaltung kann natürlich auch besucht werden. Bei provokanten und vor allem bei offensichtlich erlogenen Themen gibt es dann auch mal Protest.
Die Gesellschaft will die Leute dort haben, friedlich, demokratisch engagiert gegen Lügen und Hetze.

"Weshalb können die AfD-Gegner eigentlich nicht friedlich diskutieren? "

Klar können die. Müssen aber nicht.
Warum auch? Friedlicher Protest drückt auch eine Meinung aus.
Und mit Ideologen diskutieren bringt nichts.
Denn, um deine nächste Frage zu beantworten:"Haben die etwa keine Argumente? ", Ideologen haben keine Argumente, weshalb sie Ideologie brauchen.
Entsprechend hat das an der Uni nichts verloren.

"Und weshalb müssen die Gegendemonstranten mit ihrem Transparent aufs Podium steigen und die Redner bedrängen? "

Blind?
Die Stellen sich vor das Podium.
Um ihre Meinung zu äußern. Der Redner wurde nicht bedrängt.

"Haben die etwas zu verbergen? "

Mit Sicherheit. Denn dass Nazigegner auf rechten Seiten mit Foto, Adresse und der Aufforderung sie zu besuchen auftauchen ist ja nicht neu. Ebensowenig, wie die entsprechenden Angriffe auf die Leute, die daraus folgen.
Sie schützen sich also selbst vor den Kamerraden.

Ende 2
 
Roichi Mittwoch, 18.Januar 2017, 12:09 Uhr:
TEil 3


"Kann man es den Sicherheitsleuten wirklich verdenken, dass sie diese vermummte Horde vom Podium zurückdrängen wollte? "

Welche "Sicherheitsleute"?
Da waren nur Nazis anwesend, eingekauft von diversen rechten Gruppen, keine Sicherheitsleute.

"Wie kann man derartige Aktionen nur gut finden? Wer derartige Aktionen gut findet, der hat aus der Geschichte nichts gelernt. "

Eben weil man etwas gelernt hat.

Ende Kommentar
 

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