von Oliver Cruzcampo
   

Vom Neonazi-Kader zum AfD-Mitarbeiter

Immer wieder fällt der Rechtsaußen-Politiker Ralph Weber mit umstrittenen Äußerungen auf, jetzt macht er einen Mann mit eindeutiger Neonazi-Vergangenheit zu seinem Mitarbeiter. Zuletzt wurde dieser wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, weil er am Rande einer NPD-Demo einen Gegendemonstranten verletzte.

Ralph Weber stellte einen Mitarbeiter mit klarer Neonazi-Vergangenheit ein.

Seit November beschäftigt der Landtagsabgeordnete der AfD, Ralph Weber, einen Mitarbeiter, der jahrelang in Neonazi-Kreisen aktiv war. Die Anstellung bestätigte der selbst dem völkisch-nationalistischen Flügel zuzurechnende AfD-Politiker gegenüber der Welt.

G. arbeite seit November im Wolgaster Bürgerbüro Webers, heißt es in dem Artikel. Der 36-Jährige sei Weber durch Parteifreunde empfohlen worden, nach Beginn des Anstellungsverhältnisses sei dem Parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion dann von G.s Vergangenheit berichtet worden.

„Eventuelle Jugendsünden“?

Weber selbst habe von einem „Näheverhältnis“ seines Mitarbeiters zur Berliner „Kameradschaft Tor“ erfahren. Der Mann habe ihm jedoch „nochmals glaubhaft und nachhaltig“ versichert, „dass er nie in der benannten oder einer anderen Kameradschaft oder deren Umfeld aktiv tätig geworden sei.“


Webers Mitarbeiter mit "Medien"-Armbinde auf einer NPD-Demo in Berlin

Der Landtagsabgeordnete ergänzt, dass eine Beschäftigung ausgeschlossen sei, wenn der Mitarbeiter „aktiv in derartigen rechtsextremen Kreisen mitgewirkt“ hätte. Was dem Mann vorgeworfen werde, liege mehr als zehn Jahre zurück. „Eventuelle Jugendsünden“ habe man ihm „nicht ein ganzes Leben lang vorzuhalten“, ihm sollte „das Recht auf bessere Einsicht zugestanden werden“.

In dem Artikel der Welt wird auf G.s Vergangenheit in Berlin Bezug genommen. Doch der 36-Jährige zog später für ein Studium nach Greifswald – in der Hansestadt war auch Ralph Weber bis 2016 als Professor an der dortigen Universität tätig.

Mitarbeiter wegen Körperverletzung verurteilt

Seine mutmaßlichen „Jugendsünden“ setzte G. jedoch nach seinem Umzug in den Nordosten unvermindert fort. Jahrelang war der Mann in der Neonazi-Szene Mecklenburg-Vorpommern organisiert, nahm an etlichen Aufmärschen der rechtsextremen Szene und der NPD teil. Zumindest teilweise war G. offenbar auch in die Organisation solcher Demonstrationen eingebunden. Auf Fotos ist zu sehen, wie er mit „Medien“-Armbinde gezielt Fotos der rechtsextremen Teilnehmer macht und sich mit Funktionären der NPD austauscht. In der Universitätsstadt hat er sich zudem den Ruf als Anti-Antifa-Aktivist „erarbeitet“. Diese „Jugendsünden“ setzte G. bis mindestens 2014 fort.

Dazu dürfte ein weiterer Vorfall aus dem Sommer 2013 zählen. Auf dem Markplatz in Greifswald fand eine Kundgebung der NPD statt, an der auch G. teilnahm. Am Rande der Veranstaltung stellte er einem Gegendemonstranten, der sich in vollem Lauf befand, ein Bein. Das Amtsgericht Greifswald verurteilte G. später wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.600 Euro.

Zudem hatte sich Webers Mitarbeiter auch um das Amt des Schöffen beworben. Die Stadtverwaltung lehnte das Vorhaben seinerzeit jedoch klar ab, da „erhebliche Zweifel“ an der notwendigen „Unvoreingenommenheit und Neutralität gegenüber allen Bevölkerungsschichten“ des Bewerbers bestünden. Dieser sei dem „Kern der aktiven Neonazi-Szene Greifswalds“ zuzurechnen, hieß es seinerzeit in der Begründung der Behörde.

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