„Volkstrauertag“ der braunen Szene

Auch in diesem Jahr hat bundesweit wieder die Aktion „Schwarze Kreuze“ an verschiedenen Orten stattgefunden. Beschriftet sind die Kreuze mit rechtsextremen, rassistischen Parolen.

Donnerstag, 16. Juli 2020
Horst Freires

Die von der rechtsextremen Szene seit 2014 praktizierte bundesweite Aktion unter dem Namen „Schwarze Kreuze“ ist jedes Jahr als ein Gradmesser zu sehen, in welchen Landstrichen und Städten Rechtsextremisten anzutreffen sind. Über soziale Medien wurde in den vergangenen Tagen in Form von gesammelten „Beweisfotos“ Propaganda für einen „eigenen Volkstrauertag“ gemacht.

„White Lives matter“ als Slogan

Aufgerufen wird zur Beteiligung stets für den 13. Juli. Gedacht werden soll mit vornehmlich an Ortsschildern aufgestellten schwarzen Holzkreuzen ganz gemäß der eigenen nationalistisch-rassistischen Gesinnung deutschen Tötungsopfern von Tätern mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. Dazu sagt der SPD-Generalsekretär von Mecklenburg-Vorpommern Julian Barlen: „Der Anstand verbietet es, Opfer von Gewalt politisch zu instrumentalisieren oder gar Opfer nach Herkunft oder Hautfarbe zu bewerten.“

Die schwarzen Kreuze sind teilweise beschriftet mit Namen oder Parolen. Zu lesen war beispielsweise „Migration tötet“, „Volkstod stoppen“ oder angepasst an die aktuelle Diskussion „White Lives matter“. In nur wenigen Fällen haben die Aktivisten auch eine persönliche Visitenkarte hinterlassen, so wie die Jungen Nationalisten in Berlin. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei einer Anbringung eines Kreuzes etwa an einem Ortsschild um eine Ordnungswidrigkeit. 

Eigens aufgenommener Song von „Fylgien“

Bereits vor dem 13. Juli wurden Fotos mit gebastelten Holzkreuzen gepostet. Ab 12. Juli folgten dann Aktionsbilder des nicht selten nächtlichen Handelns. Eines der ersten Bildmotive kam dabei aus dem Dorf Jamel bei Grevesmühlen, bekannt durch den dort heimischen Neonazi Sven Krüger. Geht man nach den Veröffentlichungen, haben sich Szene-Aktivisten aus fast allen Bundesländern beteiligt. Lediglich aus Hamburg und dem Saarland gab es keine Rückmeldungen. Dafür wurde auch ein Teilnahmefoto aus Bad Goisern in Österreich verbreitet.

Als Erfinder der sich zum jährlichen Ritual entwickelten Aktion gilt der Rapper Patrick Killat. Angeblich soll es im vergangenen Jahr Kreuz-Aktionen an 265 verschiedenen Orten gegeben haben. In diesem Jahr ist von annähernd 300 Meldungen die Rede. Im Vorwege zeigte der rechtsextreme Liedermacher „Fylgien“, bürgerlich Sebastian Döhring, seine Sympathie in Form eines eigens aufgenommenen Songs. Zum Teil haben die Aktionen zu Einträgen in Landesverfassungsschutzberichten geführt.

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