Volkstanz auf dem „Ludendorffer“-Hof
Jungen und Mädchen zelebrierten am Wochenende in volkstümlicher Kleidung völkisch-nationale Tänze und Brauchtum im brandenburgischen Kirchmöser.
Am vergangenen Wochenende bot sich den Anwohnern und Touristen des kleinen Ortes Kirchmöser in Brandenburg ein skurriles Schauspiel. Rund 150 Jungen und Mädchen vorwiegend im Teenager-Alter strömten in traditionellen, altmodischen Trachten durch die Straßen rund um den „Hof Märkische Heide“. Die Mädchen trugen lange Röcke, mit Schürzen, weißen hochgeschlossenen Blusen und Felchtfrisuren. Bei den Jungen bestand der Dresscode aus knielanger Trachtenhose mit weißem Hemd. Die meisten reisten mit großen Wanderrucksäcken an und hatten trotz der niedrigen Temperaturen Equipment zum Zelten dabei. Anlass für die ungewöhnliche Aufmachung war ein Frühlingstanz im „Ludendorffer“-Haus „Hof Märkische Heide“, an dem Anhänger der völkischen, nationalen Jugendbünde und Bewegungen teilnahmen.
Der „Hof Märkische Heide“ in Kirchmöser wurde 1999 vom „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ (BfG) erworben. Es sollte ein Feriendomizil für die eigene „Sippe“ geschaffen werden. Mehrere Jahre dauerten die aufwändigen Sanierungsarbeiten des ehemaligen Bauernhofes. Seit 2010 wird der ehemalige Bauernhof von dem Unternehmen „Seminar- und Feriendorf GmbH“ verwaltet. Der Geschäftsführer P. selbst bestreitet seine Mitgliedschaft im BfG. Hartmut Klink, einer der drei Gesellschafter des Unternehmens, sind dagegen enge Verbindungen zum BfG nachzuweisen. Seine Frau Gudrun Klink leitet seit 2010 den Bund. Auch hat Hartmut Klink Anfang der 2000er ein Baugesuch für den BfG für eine Ludendorffer-Immobilie im Landkreis Schwäbisch Hall eingereicht.
Völkische unter sich
Der völkisch-antisemitische Verein nutzt die Räumlichkeiten für interne Schulungen, Tanzveranstaltungen und Seminare. Die Weltanschauungsgemeinschaft, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, verbreitet die Lehren von Mathilde Ludendorff (gestorben 1966). Die Ziele des BfG‘s sind die „Lebenserhaltung, Volkserhaltung und Gotterhaltung“.
Bei der Veranstaltung am vergangenen Wochenende auf dem „Hof Märkische Heide“ handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Trachtentanz. Die Pflege und Weitergabe der Tradition in Form von Tänzen als Identität des eigenen Volkes ist eine der zentrale Aufgabe derartiger Veranstaltungen. Die rund 150 Teilnehmer stammen wohl alle aus dem völkisch, nationalen Spektrum, mitunter auch BfG-Mitglieder und des „Sturmvogels – Deutscher Jugendbund“. Beide Gemeinschaften bemühen sich um die Kindererziehung, um bereits die Kleinsten in die nationale Volksgemeinschaft zu integrieren.
Für die Öffentlichkeit war die Tanzveranstaltung nicht bestimmt. Man ist gerne unter sich und fällt ungern auf. Die meisten der Zuganreisenden reisten in Jeanshosen sowie Sweatshirts an und zogen sich erst in den Räumlichkeiten des Hofes um. Bei der Tanzveranstaltung konnten sich die Jugendlichen vor dem heiratsfähigem Alter unter elterlicher Aufsicht beschnuppern. Den Eltern sollte es dabei sehr gefallen, wenn ihre Kinder sich einen Partner unter den eigenen Verbündeten suchen. An einen Heiratsmarkt erinnerte die Veranstaltung mit den gestriegelten Jugendlichen. Einige der frisch Verliebten stahlen sich im Schatten der Dämmerung von dem Hof davon, genossen einen Spaziergang am See oder turtelten umeinander herum. Elitär und eingeschworen wirkt die Gesellschaft. Außenstehenden ist es nicht gestattet an derartigen Veranstaltungen teil zu nehmen. Einzelne Gäste verließen mehrfach kurzzeitig die Veranstaltung, um zu telefonieren..
Holocaust-Leugner lädt Kinder ab
Die Mitglieder der rechten Bünde sind überregional gut vernetzt. So reisten zu dem Frühlingstanz Personen aus ganz Deutschland an, insbesondere aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Auch der aus der Schweiz stammende Bernhard Schaub hat eine Gruppe Jugendlicher zu der Veranstaltung gefahren. Schaub zählt zur Szene der Holocaust-Leugner und war Vorsitzender des 2008 verbotenen „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Er gilt er als Kopf und Gründer der Revisionisten-Gruppe „Europäische Aktion“.
Vor wenigen Jahren verlegte Schaub seinen Wohnort ins Demminer Umland. Bereits 2015 brachte er seinen Sohn zu einem Lager des „Sturmvogels“ im brandenburgischen Grabow. Gemeinsam mit Kindern, deren Eltern Aktivisten in der verbotenen „Wiking Jugend“ oder „Heimattreuen Deutschen Jugend“ waren, durchlebte sein Sohn ein einwöchiges Sommerlager mit Frühsport, Strammstehen und „Arbeitseinsätzen“. Mittlerweile zählt der bekennende Antisemit und Holocaust-Leugner zu den Neusiedlern in Mecklenburg-Vorpommern. Bisher hält sich Bernhard Schaub in seiner neuen Heimat in der Öffentlichkeit weitestgehend politisch bedeckt.