von Armin Pfahl-Traughber
   

Volker Weiß: Deutschlands Neue Rechte

Die Beschwörung eines kulturellen und nationalen Verfalls, die sich in Thilo Sarrazins umstrittenen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ von 2010 artikulierte, ist aus ideengeschichtlicher Perspektive kein wirklich neues Phänomen. Immer wieder konnte man in den letzten 150 Jahren ähnliche Ausführungen über Apokalypse und Dekadenz, Massengesellschaft und Untergangszeichen lesen.

Dabei betonten Repräsentanten der gesellschaftlichen Elite, die sich im Selbstverständnis als Leistungsträger sahen, ebenfalls ihre Distanz gegenüber den Angehörigen der unteren sozialen Schichten deutscher wie nicht-deutscher Zugehörigkeit. In dieser Tradition sieht der Literaturwissenschaftler Volker Weiß auch Sarrazin und sein Umfeld. Hierauf weißt er in seinem Buch „Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin“ hin. Darin geht es nicht so sehr um die argumentative Kritik und inhaltliche Widerlegung von Sarrazins Auffassungen, sondern um deren politische Botschaften und ideengeschichtliche Verortungen.

„Diesem Essay“, so schreibt Weiß, „dient der zweifelhafte Berliner Banker ... als aktuelles Beispiel eines Phänomens, das sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland immer wieder finden lässt: die Beschwörung des Untergangs der eigenen Kultur, meist in Verbindung mit demographischen Berechnungen und dem Ruf nach einer starken Elite“ (S. 11). Vor allem die deutsche Rechte habe sich um dieses Motiv herum ein vollständiges Weltbild geschaffen, welches das „Heilmittel“ in der Absonderung des „sozialen Ballasts“ und der Disziplinierung der Massen sehe. Dies veranschaulicht der Autor zunächst anhand von vergleichenden Betrachtungen mit den Büchern von Anhängern der Weimarer „Konservativen Revolution“ wie Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ (1918/22) oder Edgar Julius Jungs „Herrschaft der Minderwertigen“ (1927), aber auch anhand der Schriften von Protagonisten des Nachkriegskonservativismus wie Friedrich Sieburgs „Lust am Untergang“ (1961) oder Arnold Gehlens „Moral und Hypermoral“ (1969).

Ähnliche Positionen konstatiert Weiß aber auch in den Äußerungen des Philosophen Peter Sloterdijk, der mit seinen Auffassungen zu Massenkultur und Sozialstaat zur Demontage des Gleichheitsgedankens aufgerufen habe. Beide ließen sich dabei von ihren Anhängern als „Tabubrecher“ feiern. Bilanzierend heißt es: „Insgesamt sollte deutlich geworden sein, wie die Untergangsprophetie klassischerweise politisch beheimatet ist, und dass sie stets die gleichen Motive aufruft“ (S. 124). Der beschworene Niedergang solle sowohl im Denken von Sarrazin wie von Sloterdijk durch eine besondere Förderung und Privilegierung der „Besten“ aufgehalten werden. Durch Beide und ihre Parteigänger seien damit traditionell rechte Begriffe und Thesen fest in der Mitte der Gesellschaft verankert worden. „Der von Autoren wie Sarrazin und Sloterdijk angestoßene Diskurs um Elite, Leistung und Vererbung hat damit Kreise erreicht, die etwa die NPD niemals hätte ansprechen können. Auf diese Neue Rechte wird sich die Gesellschaft zukünftig einstellen müssen“ (S. 131).

Weiß bezeichnet sein Buch selbst als „Essay“ (S. 14) - und in der Tat wirkt manches etwas zu assoziativ und einseitig miteinander verbunden. Gleichwohl macht die Fülle von Belegen für Gemeinsamkeiten in Argumentationsmustern und Diskurstechniken, Ressentiments und Selbstverständnis deutlich, dass bei den erwähnten Autoren nur oberflächlich modernisierte Bestandteile traditioneller Krisenanalysen und Weltbilder auszumachen sind. Selbst die polemische Klage über die „Gutmenschen“ fand sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts, nutzte doch Heinrich von Treitschke die Formulierung „weichliche Philanthropie“ (S.102). Es bleibt das Problem der demokratietheoretischen Einschätzung, ist doch Sarrazin ein rechter Sozialdemokrat, während Spengler eine cäsaristische Diktatur befürwortete. Zwar verweist der Autor darauf, dass Sarrazin sich auf einen dubiosen „Intelligenzforscher“ (S. 121) beruft. Dies macht aus ihm allein aber noch keinen Rechtsextremisten. Auch bildete sich um Sarrazin noch keine „Neue Rechte“, ein solches Potential scheint aber existent zu sein.


Foto: Nina Gerlach nach Creative Commons-Lizenz


volker-weiss-sarrazinVolker Weiß
Deutschlands Neue Rechte
Angriff der Eliten - Von Spengler bis Sarrazin
141 Seiten, 2011
Preis: 16,90 Euro
ISBN: 978-3-506-77111-7

 

Kommentare(32)

Kabal Freitag, 22.Juli 2011, 14:08 Uhr:
Das Buch von Weiß habe ich nicht gelesen. Allerdings scheint mir bereits der Ansatz hinterfragenswert. Eine ideengeschichtliche Einordnung der Sarrazin-Thesen mag ja, rein akademisch betrachtet, interessant sein - über ihre Richtigkeit aber sagt sie, anders als Weiß zu glauben scheint, nichts aus.

Sarrazin reagiert letztlich ebenso auf existierende Phänomene wie Spengler, Gehlen und co. zu ihrer Zeit. (Wenn es überhaupt berechtigt ist, letztlich doch so verschiedene Autoren derart zusammen zu denken.)

Sarrazin widerlegen zu wollen, indem man aufzeigt, dass andere schon ähnliches gedacht haben, ist so plausibel, als würde man die SPD-Forderung nach Mindestlöhnen abschmettern mit dem Hinweis, dass bereits Karl Marx im 19. Jahrhundert mit Verelendung und Ausbeutung argumentierte.

Es gilt auch weiterhin: Will man Sarrazin widerlegen, muss man sich zunächst an Sarrazin halten. Alles andere ist Augenwischerei.
 
Atze Freitag, 22.Juli 2011, 18:10 Uhr:
Ehm... hatten wir hier nicht schon eine Rezension dieses Buches von Brodkorb...?

Sarrazin mag ja weiterhin SPD-Mitglied sein - aber das alleine macht ihn noch lange nicht zum rechten "Sozialdemokraten".
Vor allem anderen ist S. als Vertreter jener Berufsgruppe, deren "überragender Leistungsfähigkeit" wir die aktuelle Finanzkrise zu verdanken haben. "Elitär" ist an denen zunächst nur die Anspruchsverwahrlosung, mit der sich diese Pleitiers auch noch in der Krise die Taschen vollgestopft haben. Insofern ist Sarazzin in erster Linie ein aufgeblasener Fatzke und in zweiter Linie ein dummschwätzender Rechtspopulist.
 
B.C. Freitag, 22.Juli 2011, 21:25 Uhr:
schoen, dass diese rezension hier gebracht wird. brodkorb hat sich mit dem buch ja bereits auseinandergesetzt (wenn auch ueberaschend voreingenommen und leicht angreifbar).
nach dem lesen der hier vorliegenden rezension moechte man meinen, dass zwei voellig verschiedene buecher reflektiert wurden. das wiederum zeichnet ER aus.

@kabal
wenn sarrazin auf grundlage aktueller statistiken zu beweisen sucht, dass das deutschland untergeht und elitefoerderung als loesungsansatz fordert, dann ist es schon interesssant zu erfahren, dass seine loesungsansaetze nicht besonders aktuell sind und der untergang regelmaessig prophezeit wird.
ihre parallele zu marx haetten sie vielleicht etwas durchdachter zurechtbasteln sollen. selbst bei gutem willen lassen sich da keine uebereinstimmungen finden...
 
Roichi Freitag, 22.Juli 2011, 22:27 Uhr:
@ Kabal

Das interessante ist eigenlich, dass diese Phänomene öfter auftauchen, und sich immer als haltlos erweisen.
Sie sind wohl als eine Art Selbstvergewisserung der "Eliten" zu sehen, die sich ihrer Stellung und Überlegenheit vergewissern müssen um nicht bedeutungslos zu erscheinen.
Insofern ist sein Werk eines von vielen und wie diese auch ohne wirklichen Belang.
 
Karl_Murx Samstag, 23.Juli 2011, 09:46 Uhr:
"Ehm... hatten wir hier nicht schon eine Rezension dieses Buches von Brodkorb...?"

Genau. Die ebenfalls nicht die Thesen von Weiß bestätigte. Vielmehr konnte man dort dieselbe (Habermas)-Methoden vorfinden, die Weiß und du hier benutzen. Keine sachliche Auseinandersetzung mit dem, was wirklich gesagt oder geschrieben wurde, sondern die Erschaffung eines Popanz mit den Eigenschaften, die man ihm zu unterstellen wünscht, um dann um so heftiger auf dieses selbstgeschaffene Zerrbild einprügeln zu können. Das in Tateinheit mit diffamierender Kampfrhetorik und infamen Beschimpfungen.

@Zitat Weiße:
„Diesem Essay“, so schreibt Weiß, „dient der zweifelhafte Berliner Banker ... als aktuelles Beispiel eines Phänomens, das sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland immer wieder finden lässt: die Beschwörung des Untergangs der eigenen Kultur, meist in Verbindung mit demographischen Berechnungen und dem Ruf nach einer starken Elite“

@Atze:
"Vor allem anderen ist S. als Vertreter jener Berufsgruppe, deren "überragender Leistungsfähigkeit" wir die aktuelle Finanzkrise zu verdanken haben. "Elitär" ist an denen zunächst nur die Anspruchsverwahrlosung, mit der sich diese Pleitiers auch noch in der Krise die Taschen vollgestopft haben."

In bewußter Absicht vermengst du hier zwei Dinge, die nicht zusammengehören, nämlich einmal die in den letzten Jahren unte anderem auch durch die SPD verfolgte neoliberale Wirtschaftspolitik, deren Scheitern wir beobachten können. Auf diesem volksiwirtschaftlichen Niveau sind sowohl Sarrazin als auch die politisch-ökonomische Thesen in seinem Buch durchaus diskutierbar. Das abe ist unabhängig von dem, was Sarrazin in den Mund gelegt wird, wenn er sich in ca. 3 (!) Seiten seines wesentlich umfangreicheren Buches zu Problemen der Integrationsverweigerung und der verfehlten Einwanderungs- und Ausländerpolitik äußert.

Außerdem, wenn du hier ein Stein bei der Moderation im Brett zu haben scheinst: Deine Beschimpfungen der Person Sarrazin bleiben infam, verleumdend und diffamierend.

"Insofern ist Sarazzin in erster Linie ein aufgeblasener Fatzke und in zweiter Linie ein dummschwätzender Rechtspopulist."

Bei einer einigermaßen objektiven Moderation hättest du schon längst die gelbe Karte gesehen.
 
Atze Samstag, 23.Juli 2011, 20:53 Uhr:
Aha, hatte ich mich also nicht getäuscht, wir hatten also tatsächlich HIER schon eine Rezension.
Da habe ich mich schon im Detail mit dem Sarazzinschen Dummgeschwätz z.B. über "Intelligenz" und "Vererbung" beschäftigt.

Murx, hast du das nicht gelesen oder nur nicht verstanden?

Deine Bemühungen, deine Ansicht von einer "objektiven" Moderation durchzusetzen, sind recht verräterisch: "in Tateinheit mit". Da hat einer anscheinend feuchte Tagträume von seiner Lieblingspose als gleichzeitigem Ankläger, Richter und Vollstrecker...?! :-)
Wenn sich etwas aus der Massenhinrichtung sozialdemokratischer Kinder und Jugendlicher in Norwegen lernen lässt, dann, dass man vielmehr auf rechtspopulistische Hassprediger in der Pose des konservativen Biedermanns gut aufpassen sollte...
 
B.C. Samstag, 23.Juli 2011, 23:50 Uhr:
@murx
na, hat mal wieder sarrazins konterfei hinterm ofen vorgelockt?

"Bei einer einigermaßen objektiven Moderation hättest du schon längst die gelbe Karte gesehen."

und sie auch schon mal ne rote... oder haben sie ein aerztliches attest, was ihnen mildernde umstaende zubilligt?
 
Roichi Sonntag, 24.Juli 2011, 22:20 Uhr:
Wat los Karl?

Gefällt dir die Rezension nicht?
Etwa, weil sie nicht in dein Heiligenbild passt?

Sarrazin, und da hat Weiß Recht, ist von Elite und Standesdünkel geprägt. Das hat er schon gezeigt, als er hier noch Senator war.
Was du nun wieder mit Integration hast.
Auch dazu hat sich Weiß doch geäußert. Und ich finde sogar recht interessant.
Immerhin scheint dieser Mix aus Elitedenken und Massenkontrolle nur um den Punkt, was gerade als "Pöbel" definiert wird, zu unterscheiden. Der Rest ist über die Jahre konstant geblieben. Und ganz besonder interessant: Der Untergang des Abendlandes lässt weiter auf sich warten.

Das durchkreuzt natürlich deine panische Argumentation. Aber so ist das Leben gelegentlich.
 
Karl_Murx Montag, 25.Juli 2011, 08:23 Uhr:
@Atze:
"Aha, hatte ich mich also nicht getäuscht, wir hatten also tatsächlich HIER schon eine Rezension.
Da habe ich mich schon im Detail mit dem Sarazzinschen Dummgeschwätz z.B. über "Intelligenz" und "Vererbung" beschäftigt. "

Hatte ich mich doch ebenfalls nicht getäuscht, als ich erwartet habe, daß dir zu Sarrazin auch weiterhin nur substanzlose Beschimpfungen und Beleidigungen von dessen Person einfallen. Bei dir noch mal argumentativ und im einzelnen auf die Fakten einzugehen, die in Sarrazins Buch genannt werden, halte ich bei dir für verschwendete Liebesmüh.

"Murx, hast du das nicht gelesen oder nur nicht verstanden?"

Bei dir weiß ich, daß du es nicht verstehen w i l l s t .

"Deine Bemühungen, deine Ansicht von einer "objektiven" Moderation durchzusetzen, sind recht verräterisch: "in Tateinheit mit". Da hat einer anscheinend feuchte Tagträume von seiner Lieblingspose als gleichzeitigem Ankläger, Richter und Vollstrecker...?! :-)"

Deine Beiträge wirken des öfteren, als wären sie einhändig verfaßt, Atze. Aber so, wie du hier ungestraft durchs Forum pöbeln darfst, scheinst du die Sympathien der Moderation zu genießen. Oder warum bekommt dann ein Forist wie Xberg eine Mahnung, obwohl der sich doch wesentlich gewählter ausdrückt als du?

"Wenn sich etwas aus der Massenhinrichtung sozialdemokratischer Kinder und Jugendlicher in Norwegen lernen lässt, dann, dass man vielmehr auf rechtspopulistische Hassprediger in der Pose des konservativen Biedermanns gut aufpassen sollte..."

Ah, daher weht der Wind. Darum schreibt die ganze Antifa-Blase wie aufgezogen. Ich glaube, wir werden eher aufpassen müssen, daß Leute wie du jetzt nicht die Neuauflage des Reichstagsbrandprozesses versuchen, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen.

Aber: Nach meiner persönlichen Einschätzung dürfte dieser Schuß nach hinten losgehen. Die jetzt folgende noch infamere Kampagne gegen alle Leute, die sich gegen Islamisierung und diesen neuen McCarthismus namens Politische Korrektheit aussprechen, wird einer Menge Menschen die Augen öffnen.
 
Schwab Montag, 25.Juli 2011, 10:24 Uhr:
Den eigentliche Urvater des Sarrazinschen Denkens hat Pfahl-Traughber nicht genannt: Friedrich Nietzsche: Verachtung der Schwachen, Bewunderung der Starken.
 
B.C. Montag, 25.Juli 2011, 11:47 Uhr:
@murx
ihr ruf nach zensur ist doch ziemlich belustigend. zugegeben, sie waren auch schon mal schlimmer drauf, als zur zeit. jedoch bieten sie immer noch genug breitseite, um eine sachliche diskussionskultur anmahnen zu koennen. ihr vorstehender kommentar beinhaltet nichts zur sache. stattdessen bemuehen sie sich von vorn bis hinten um abwertung ihres diskussionspartners. mal voellig unbetrachtet, ob ihnen atze hierfuer anlass gibt, oder nicht -> sie sind es, der hier zensur und sachlichkeit einfordert und selbst ihren anspruechen nicht gerecht zu werden in der lage sind...

falls sie es sich nochmal anders ueberlegen sollten - bringen sie doch mal ein argument, wo sarrazin nicht anfechtbar sein sollte.

ps: der wink nach norwegen ist so unangebracht nicht. sie stehen fuer genau die inhalte, die der attentaeter vertritt. was sie mit ihrem abschlussatz einmal mehr unterstreichen.
 
B.C. Montag, 25.Juli 2011, 12:29 Uhr:
@schwab
"Friedrich Nietzsche: Verachtung der Schwachen, Bewunderung der Starken."

selten wurde nietzsche so allumfassend umrissen. sollte man sie dazu beglueckwuenschen?
"Im Bergwerk dieses Denkers ist jedes Metall zu finden: Nietzsche hat alles gesagt und das Gegenteil von allem."

oder kann es etwa sein, dass sie den "Übermenschen" und den "Willen zur Macht" rein gar nicht verstanden haben?
 
Karl_Murx Montag, 25.Juli 2011, 18:37 Uhr:
@Atze:
"Wenn sich etwas aus der Massenhinrichtung sozialdemokratischer Kinder und Jugendlicher in Norwegen lernen lässt, dann, dass man vielmehr auf rechtspopulistische Hassprediger in der Pose des konservativen Biedermanns gut aufpassen sollte..."

Ja, die sind so was pöhse und verschlagen: Einsperren sollte man so etwas.

Aber ganz im Ernst: Dieser Massenmord, so entsetzlich und unbegreiflich er auch ist, wird meiner Meinung nach dazu beitragen, daß sich die Norwegeger endlich den Problemen stellen, die es ebenfalls in Form von islamischer Masseneinwanderung und Überfremdung in seinen Städten hat. In einem bevölkerungsmäßig kleinen Land wird das natürlich wesentlich eher wahrgenommen als in einem ausgedehnten Flächenland wie Deutschland mit seiner großen regionalen Differenziertheit. Auf Grund seiner Erdölvorkommen und den damit verbundenen Einnahmen ist Norwegen ein reiches Land. Damit hatte es jahrelang die Möglichkeit, alle mit der Einwanderung verbundenen Probleme mit viel Geld zuzukleistern und zu verdecken. Ähnlich wie in Schweden und fast allen anderen skandinavischen Ländern gibt es im Land eine ausgeprägte sozialdemokratische "Volkshausmentalität, welche die gesamte Bevölkerung als eine große Familie betrachtet. Dieser an sich sympathische Zug hat aber dazu geführt, daß die Folge der Einwanderung vor allem aus islamischen Ländern lange Zeit öffentlich ignoriert und in Presse und Politik kaum thematisiert wurden nach dem Motto, daß man über solche häßlichen Dinge in einer Familie nicht laut zu sprechen hat und der gute Ruf nach außen unter allen Umständen gewahrt bleiben muß.

Dabei gibt es auch im Musterland Norwegen sehr unschöne Dinge in bezug auf das Verhalten von muslimischen Einwanderern zu berichten. Z.B. der Umstand, daß in den letzten Jahren in Oslo - bei einem Migrantenanteil von ca. 25 % - so gut wie alle angezeigten Vergewaltigungen durch Leute mit nichtwestlichen MiHiGru begangen wurden und kurdische sowie nordafrikanische Täter dabei die Statistik anführten, des weiteren, daß in 9 von 10 Fällen einheimische Norwegerinnen das Opfer solcher Taten waren. Das gleiche Klientel führt auch die Statistiken hinsichtlich der Gewaltkriminalität an.

Die islamische Bevölkerung hat auch in Norwegen, einem nordeuropäischen protestantischen Land, in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen, einmal durch Zuwanderung und zum anderen durch den Umstand, daß auch dort die Geburtenquote bei Muslimen deutlich über der der Einheimischen liegt.

Es gibt in Norwegen zwar inzwischen die Fortschrittspartei, die das Thema Integrationsproblematik thematisiert und eine Begrenzung der Einwanderung verfolgt. Diese im Grunde liberale Partei, die weder ausländerfeindlich noch extrem ist und 1973 als Steuerprotestpartei begann, ist inzwischen sogar zweitstärkste Kraft im norwegischen Parlament. Nichtdestoweniger sieht sie sich von der einheimischen Presse den Vorwürfen von Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie ausgesetzt und und ist nicht an der Regierung beteiligt.

In diesem Klima der Selbstzensur der Medien und der mit Händen greifbaren Probleme mit muslimischer Masseneinwanderung kann es passieren, daß sich narzistische, isolierte Persönlichkeiten wie der Massenmörder von Oslo berufen fühlen, der Vollstrecker des allgemeinen Volkswillens zu werden. Die Tat hat meiner Meinung eine ähnliche Dimension wie der Massenmord des israelischen Siedlers und ehemaligen Armeeoffiziers Baruch Goldstein, der am 25. Februar 1994 in Hebron das Feuer auf betende Palästinenser eröffnete und 29 Menschen töte sowie 150 verletzte.

Nun wird man solche Einzeltäter, die vorher gewöhnlich nicht auf dem Schirm der Behörden auftauchen und ihre Taten langfristig planen und vorbereiten, nie ganz ausschließen können. Hier stellt sich aber die Frage, ob es einmal durch eine enttabuisierte, entideologisierte Debatte möglich ist, eine solches Klima der Meinungsunterdrückung und der Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlicher Meinung zu vermeiden, das den Hintergrund für solche Überzeugungen von Leuten wie dem Attentäter von Oslo bildet. Zum anderen die Frage, ob es durch eine kontrollierte Einwanderungspolitik möglich gewesen wäre, eine solche Konstellation überhaupt zu vermeiden.

Ich persönlich glaube, daß die norwegische Gesellschaft den Willen und die Kraft aufbringen wird, sich nach der Trauer um die getöteten Menschen solchen Problemen zu stellen. Der Schock, den ein solches Ereignis in einem bevölkerungsmäßig kleinen Land haben muß, ist mit Sicherheit heilsam und dazu angetan, auch den letzten aus seiner Ponyhof-Heile-Multikultiwelt-Idylle zu reißen.

Leute wie Peter Scholl-Latour haben schon seit Jahren davor gewarnt, daß die massenhafte Einwanderung von Leuten aus kulturfernen Ländern, die notwendigerweise zu Parallelgesellschaften und kulturellen Überfremdungserscheinungen führt vor den Augen der ursprünglich ansässigen europäischen Bevölkerungen, den Keim des Bürgerkriegs in sich tragen, wenn sie nicht gestoppt oder unter Kontrolle gebracht werden. Beispiele wie der Kosovo, die ich gebracht hatte und die mir hier von interessierten Leuten als Alarmismus ausgelegt wurden, stehen als mahnendes Zeichen. Menschen sind nicht, wie von den Multikultiideologen gepredigt, tolerant im Sinne, daß man sie in eine nach Belieben austauschbare kulturelle Umgebung verpflanzen könnte. Als Gruppenwesen, der der Mensch einmal ist, neigt er dazu, in der Art Gemeinschaft zu bleiben, in der er aufgewachsen und sozialisiert ist. Die so erworbene gruppenbezogene sprachliche und kulturelle Identität ist prägend für die Mehrheit von Menschen. Sie streben, bewußt oder unbewußt, die Gemeinschaft an, mit der sie das größtmögliche Maß an Gemeinsamkeiten besitzen.

Es mag möglicherweise ein höheres Maß an Gemeinsamkeiten von Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern, aber der gleichen sozialen Schicht geben, wobei bei den oberen, gebildeten Schichten diese Erscheinung häufiger als in den unteren Schichten sein kann. Bei einer Konfrontation als Gruppe aber, und das läßt sich allen Erfahrungen der Vergangenheit entnehmen, sind es die ethnisch-kulturellen und damit eng verbunden die religiösen Gemeinsamkeiten, die prägend für das Verhalten und den Umgang der verschiedenen Gruppen untereinander sind.

Leute wie Scholl-Latour, die sich auf Grund ihres Einkommens die Mieten in den bürgerlichen Vierteln leisten können, wo man auch zwischen den Kulturen soziale Gemeinsamkeiten pflegt und die durch ihre Erfahrungen und Kenntnisse anderer Kulturen problemloser damit umgehen könnten, hätten sicherlich keine Schwierigkeiten mit der Lebensweise anderer Herkunftsländer. Ich darf aber darauf hinweisen, daß wir inzwischen eine große einheimische Unterschicht haben, die auf Grund des geringen Einkommens in den entsprechenden Vierteln mit Zuwanderern um billigen Wohnraum, Jobs im niedrigqualifizierten Bereich wie auch in Hinsicht der kulturellen Dominanz im öffentlichen Leben konkurriert. Diese Leute haben naturgemäß mit anderen Lebensweisen viel größere Schwierigkeiten und werden auf diese Konkurrenz von außen auch mit viel höherer Ablehnung und Aggressivität reagieren, da sie als die Ethnie, die zuerst da war und die prägend für die Kultur dieses Landes ist, nicht zu Unrecht der Meinung sind, daß sich Zugewanderte nach ihrer Lebensweise zu richten haben und sie Vorrang bei der Vergabe von knappen Ressourcen hätten. Hier liegen die Bruchlinien für die Desintegration und der ethnischen Segregation einer Gesellschaft, die früher oder später zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen müssen. Die Gewalt, vor der seit vielen Jahren gewarnt wird, muß dabei nicht unbedingt von den Muslimen bzw. den Türken als derjenigen Gruppe mit der größten Zahl bei gleichzeitig größter Integrationsresistenz ausgehen.

Darum sollte im Interesse der innenpolitischen Stabilität dieses Landes wie auch seines inneren Zusammenhaltes in Zukunft bei der Einwanderungs-, Asyl- und Ausländerpolitik konsequent darauf geachtet werden, ob diese Einwanderung nach Art und Umfang zu dieser Gesellschaft und zum hiesigen Arbeitsmarkt paßt und wie bzw. ob diese Gesellschaft diese Einwanderung zu integrieren in der Lage ist. Nichts anderes schreibe ich hier seit unzähligen Kommentaren.
 
Amtsträger Dienstag, 26.Juli 2011, 11:26 Uhr:
"Ja, die sind so was pöhse und verschlagen: Einsperren sollte man so etwas."

So sieht es aus. Wer zu Hass und Gewalt aufruft, sollte tatsächlich der Strafverfolgung ausgesetzt werden.

Immerhin gibt es den §111 StGB (ÖffentlicheR aufruf von Straftaten). Dieser wird in Zukunft mit Sicherheit durch die Richter etwas weiter ausgelegt werden.
Mal sehen ob Herr Möller von Altermedia noch immer geifert und schimpft, wenn er in Rostock vor dem Richter steht...
Letztes mal hat er ja kleinlaut und feige alles auf einen Toten abgeschoben. Ich bin schon gepsannt was er dann erzählen wird.
 
Atze Dienstag, 26.Juli 2011, 11:33 Uhr:
Hallo Murx,

bekommst du eigentlich Zeilenhonorar und hoffst, es mit c&p pimpen zu können...? :-)
 
Roichi Dienstag, 26.Juli 2011, 11:38 Uhr:
@ Karl

Um deinen elend langen Text mal zusammenzufassen: Der Anschlag ist schrecklich, die Ideologie dahinter ist aber richtig, nur der Täter hat etwas übertrieben.

Der Rest sind dein üblicher Rassismus und Verschwörungstheorien. Nichts neues.
Und wie immer ausgewalzt bis zum gehtnichtmehr.
"Nichts anderes schreibe ich hier seit unzähligen Kommentaren."
Ja, machst du. Das macht es nicht richtiger. Wurde dir hier auch schon öfter gezeigt. Ich wiederhole das jetzt nicht noch einmal.
 
Schwab Dienstag, 26.Juli 2011, 13:15 Uhr:
@B. C.

"@schwab
"Friedrich Nietzsche: Verachtung der Schwachen, Bewunderung der Starken."
selten wurde nietzsche so allumfassend umrissen. sollte man sie dazu beglueckwuenschen?"

Das können Sie halten wie Sie wollen.

Ihre Polemik ist keine Widerlegung meiner zutreffenden These. Sicherlich wurde und wird Nietzsche von allen möglichen Strömungen vereinnahmt, von Hitler bis Sloterdijk, es mag auch mehrere Interpretationen geben, die sich auf das Früh- oder Spätwerk oder selektiv auf einzelne Aphorismen beziehen, aber davon bleibt meine These unbeeindruckt.

Nietzsche gibt uns keine Information, welches politische Ordnungssystem er bevorzugt (die EU-Bürokratie?), aber wogegen er ist:

gegen alles, was nach seiner Auffassung die Schwachen mit den Starken gleich macht, gegen Moral, hinter der sich die Schwachen verstecken, um ihren Untergang abzuwehren.

Nietzsche ist gegen Christentum, Demokratie, Sozialismus und gegen feige Liberale.

Sarrazin könnte mit Fug und Recht sein Denken auf Nietzsche beziehen.

Das ist eine sachliche Feststellung von mir und sagt nichts über mein Verhältnis zu Sarrazin und Nietzsche aus.
 
Atze Dienstag, 26.Juli 2011, 14:07 Uhr:
Tja, die Quintessenz von Murx` Hasspredigt ist, als "Ursache" der Massenhinrichtung von Kindern und Jugendlichen in Norwegen durch einen rechtskonservativen Populisten "Multikulturalismus" abzuschaffen und durch Verwirklichung von "Ausländer raus!" eine ethnisch reinrassige Gesellschaft wiederherzustellen...
Das hat die gleiche Logik, wie einem Hauseigentümer im Angesicht eines Hauseinbruchs zu empfehlen, bei nächsten Mal einfach Türen und Fenster offenzulassen, damit keine Einbruchschäden entstehen.

http://www.rp-online.de/bergisches-land/leverkusen/nachrichten/brandanschlag-auf-roma-haus-1.1341703

Kaum das die Nachricht über das Blutbad in Norwegen sich gesetzt hat, entgehen Leverkusener Romas in ihrem Wohnhaus nur knapp einem Brandanschlag. Lverkusen und Köln sind die homebase der pro-Bewegung. Die wiederum hat sich neben ihrer "Islamkritik" auch seit Jahren in Köln und Leverkusen dem Zigeuner-Hass verschrieben.

Die schreckliche Tat in Norwegen verdeutlicht, dass die Grenzlinie zwischen "demokratischem" Rechtskonservatismus/Rechtspopulismus einerseits und dem Rechtsestremismus zunehmend verwischt und nur noch künstlich aufrechtzuerhalten ist.

Um die Nachkommen der Thule-Gesellschaft und geistige Brandstifter wie Murx zukünftig effektiver bekämpfen zu können, muss man sich wappnen:

1. Sogenannte rechtspopulistische Organisationen sind vom Gefährdungspotential dem Rechtsextremismus gleichzusetzen.
2. Daraus leitet sich die Forderung ab, rechtspopulistische Organisationen zukünftig systematisch durch den Verfassungsschutz überwachen und infiltrieren zu lassen.
3. Vor allem in den Schulen ist in Zukunft darauf Wert zu legen, die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus auch auf die Hasspropaganda des Rechtspopulismus auszudehnen.
4. Die Strafbarkeit der Volksverhetzung muss den veränderten Realitäten so angepasst werden, dass rechtspopulistische Hasspropaganda deutlich erschwert wird.
5. Die Strafbarkeit von Volksverhetzung ist auf die Betreiber von Internetforen auszudehnen, die solche dulden.
 
B.C. Dienstag, 26.Juli 2011, 14:45 Uhr:
@ atze und roichy
da ihr murxens hang zu ausufernden texten ansprecht - Breivik hat auch ein ueber 1500 seiten fassendes "werk" abgeliefert.

@murx
ihrem islamophoben rassismus ist jeder einstieg recht. ihre beifallsbekundungen sind abstossend!
waren sie schon mal in norwegen? woher sie ihre statistik beziehen, bleibt trotz der vielen worte ihr persoenliches geheimnis. oder sind sie zufaellig adressat einer email aus norwegen gewesen?
 
Amtsträger Dienstag, 26.Juli 2011, 14:45 Uhr:
Ich lebe übrigens freiwillig in einem dieser sozialen Brennpunkte mit massenhaft Ausländern, Migranten und der sozialen Unterschicht.

Die Mensch hier konkurieren nicht über verschiedene Kulturen, dazu hat man überhaupt keine Zeit und ganz andere Sorgen.

Viele reden über diese Viertel, nur die meisten waren nie hier... sie kennen weder die Menschen noch das Leben im sozialen Brennpunkt.

Witzig ist nämlich, dass die Menschen viel netter miteinander umgehen als in den besseren und spießigeren Gegenden.
 
Roichi Mittwoch, 27.Juli 2011, 09:16 Uhr:
@ B.C.

Zu Karl, könnte man fast sagen:
Er sieht das Attentat als grausam, aber notwendig an.

Erstaunliche Parallelen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Anschl%C3%A4ge_in_Norwegen_2011#Manifest
 
Schwab Mittwoch, 27.Juli 2011, 11:22 Uhr:
@B.C.

Für alle, die in Europa an einer Ausländerrückführung vor allem für Migranten aus nichteuropäischen Kulturkreisen politisch (!!!) interessiert sind, ist diese Tat von Norwegen kontraproduktiv, da

a) diese Tat, mit der wehrlose Jugendliche getötet wurden, ethisch abstoßend ist,

b) die Migranten-Lobby bei Ausländern und vor allem bei inländischen Gutmenschen (Linke, Kapitalisten usw.) noch gestärkt wird,

c) Kritiker der herrschenden Ausländerpolitik, auch entsprechende Parteien, in die Defensive geraten läßt.
 
Björn Mittwoch, 27.Juli 2011, 15:24 Uhr:
@Schwab

Und vorallem hätte auch der Attentäter VOR seinen Taten gewußt, dass er damit den, vorallem in Norwegen und vielen anderen europäischen Ländern, auf dem Vormarsch befindlichen islamkritischen Kräften einen harten Schlag versetzt. Zumindest wenn er zurechnungsfähig war. Schon alleine daher läßt sich vermuten, das er einfach ein Psychopath war. Und natürlich erst recht durch seine abstoßenden Taten.

Im Endeffekt, und das war auch von vornherein absehbar für den Täter, war es ein Anschlag der nur einer Gruppe zu Gute kommt. Den Islamisten. Es sind viele junge Europäer ermordet worden. Schonmal der erste Sieg für den Islamismus. Es wurde ein europäisches Land destabilisiert. Zweiter Sieg. Und die einzigen Kräfte, die sich den Islamisten in den Weg stellen wurden so auf Jahre hinweg diskreditiert.
Man sieht also, dass dieser Typ, der dutzende seiner eigenen Landsleute erschossen hat, das nicht für seine Lansleute tat. Sondern gegen sie. Ob absichtlich oder nicht kann ich nicht beantworten. Nach einer rationalen, politisch durchdachten Tat sieht das jedenfalls nicht aus. Eher nach Amoklauf.

Auch seine Logenaktivität, seine Verehrung für den Kriegsverbrecher und Deutschenhasser Churchhill und seine Bewunderung für den Massenmörder und Hitlerattentäter Elser zeigen, dass er mit wirklichen nationalen Kräften nichts am Hut hatte. Es sind eher Überschneidungen ins antifaschistische Milieu zu erkennen. Trotzdem gebe ich den Linken keine Mitschuld an der Tat. Andersherum sieht das leider immer öfter anders aus.
 
Karl_Murx Mittwoch, 27.Juli 2011, 17:28 Uhr:
@Atze:
"Tja, die Quintessenz von Murx` Hasspredigt ist, als "Ursache" der Massenhinrichtung von Kindern und Jugendlichen in Norwegen durch einen rechtskonservativen Populisten "Multikulturalismus" abzuschaffen und durch Verwirklichung von "Ausländer raus!" eine ethnisch reinrassige Gesellschaft wiederherzustellen..."

Da Leute wie du ohnehin nicht gewillt sind, auf den Inhalt von Kommentaren einzugehen, sondern darin hineindeuten, was ihnen in den argumentativen Kram paßt, ist es wohl für jeden, der des Lesen kundig ist absolut unnötig, auf diese diffamierende Fälschung einzugehen.

"http://www.rp-online.de/bergisches-land/leverkusen/nachrichten/brandanschlag-auf-roma-haus-1.1341703

Kaum das die Nachricht über das Blutbad in Norwegen sich gesetzt hat, entgehen Leverkusener Romas in ihrem Wohnhaus nur knapp einem Brandanschlag. Lverkusen und Köln sind die homebase der pro-Bewegung. Die wiederum hat sich neben ihrer "Islamkritik" auch seit Jahren in Köln und Leverkusen dem Zigeuner-Hass verschrieben."

Woher weißt du jetzt schon, wer diesen Anschlag verübt hat? Zitierst du die Pro-Bewegung in dem Zusammenhang mit der Absicht, ihnen eine Täterschaft anzuhängen?

Wie ich schon vermutet habe: Jetzt versuchen Leute wie Atze eine Neuauflage des Reichstagsbrandprozesses mit umgekehrten Vorzeichen. War eigentlich zu erwarten, daß sich die Antifa und die Multikultilobby ein derartiges gefundenes Fressen wie den Amoklauf von Norwegen nicht entgehen läßt, um die Scharte auszuwetzen, die ihr bei der Sarrazin-Diskussion geschlagen wurde. Bei dieser Gelegenheit soll gleich nach antifantischer Art mit dem politischen Gegener abgerechnet werden.

"Um die Nachkommen der Thule-Gesellschaft und geistige Brandstifter wie Murx zukünftig effektiver bekämpfen zu können"

Was faselst du da, Atze?

"1. Sogenannte rechtspopulistische Organisationen sind vom Gefährdungspotential dem Rechtsextremismus gleichzusetzen."

Was rechtspopulistisch ist, definierst du praktischerweise gleich selbst?

"2. Daraus leitet sich die Forderung ab, rechtspopulistische Organisationen zukünftig systematisch durch den Verfassungsschutz überwachen und infiltrieren zu lassen.
3. Vor allem in den Schulen ist in Zukunft darauf Wert zu legen, die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus auch auf die Hasspropaganda des Rechtspopulismus auszudehnen."

Früher nannte man so etwas ideologische Indoktrination. Als es um die pöhse DDR ging.

"4. Die Strafbarkeit der Volksverhetzung muss den veränderten Realitäten so angepasst werden, dass rechtspopulistische Hasspropaganda deutlich erschwert wird.
5. Die Strafbarkeit von Volksverhetzung ist auf die Betreiber von Internetforen auszudehnen, die solche dulden."

Der feuchte Wunschtraum aller Linksnazis, wie du einer bist, Atze. Bekommen dann Leute wie Matthias Brodkorb auch gleich Besuch vom Verfassungsschutz, die solche Internetseiten betreiben?

Wenn wir Leute wie dich gewähren lassen, bekommen wir die DDR 2.0. Eigentlich müßte man dich nur gewähren lassen, um der Sache, die du hier zu vertreten vorgibst, zu schaden, nämlich der freiheitlichen Demokratie. Leute wie du sind der Totengräber von Meinungsfreiheit und Demokratie.

Mein Wort, Atze: Dieser Versuch geht nach hinten los. Mehr und mehr Leute erkennen die wahre Stoßrichtung dieses Kampfes gegen Rechts, der schon lange kein Kampf gegen einen tatsächlichen oder vermeintlichen Rechtsextremismus mehr darstellt. Er ist vielmehr auf die breite Mitte der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands gerichtet mit dem Ziel, dieser die eigene multikulturelle Ideologie und Gesinnung mit Gewalt aufzuzwingen und die freiheitlich-demokratische Grundordnung in eine Gesinnungsdiktatur umzuwandeln. Das wird nicht funktionieren.
 
Amtsträger Mittwoch, 27.Juli 2011, 19:12 Uhr:
Ganz Gallien? Nein! Ein kleines Dorf im Norden Altermedias sieht die Anschläge weder als kontraproduktiv noch als ethisch abstoßend an.

Sie haben schön schnell vergessen, dass eben auch solche radikalen Gewalttäter zu Ihrer "Szene" gehören.
 
B.C. Mittwoch, 27.Juli 2011, 21:09 Uhr:
@schwab
sie rennen bei mir offene tueren ein - ich sehe das genauso. das war ein baerendienst, den breivik dem politisch rechten spektrum erwiesen hat. das sich da jemand "positive" effekte fuer seine sache von verspricht halte fuer eine illusion und zeigt, wie eingeschraenkt mancher zeitgenosse das geschehen zu reflektieren vermag.
 
B.C. Mittwoch, 27.Juli 2011, 21:23 Uhr:
@schwab zum thema nietzsche

hab jetzt erst entdeckt, dass sie mir hier noch geantwortet hatten. ich habe es auch nicht so verstanden, dass sie eine besondere naehe zu sarrazin oder nietzsche haetten. einzig ihre aussage hat mich verbluefft und ich kann sie auch immer noch nicht nachvollziehen.

sie wollen doch nicht sagen, dass nur weil jeder nietsche fuer sich reklamiert hat oder es koennte sarrazin als erbe nietzsche betrachtet werden kann?

sie schrieben urspruenglich sinngemaess, nietzsche liebte die starken und verachtete die schwachen und hierin laege die parallele zu sarrazin.

ich moechte sie fragen - woher nehmen sie die aussage bzgl. nietzsche? und kann es sein, dass sie nietzsche hier missverstanden haben?
 
Daniel D. Donnerstag, 28.Juli 2011, 11:06 Uhr:
@Karl Murx

Alles wie gehabt Hr. Murx. Kritik an deinen kruden Ansichten bedeutet nicht Einschränkung der Meinungsfreiheit. Der Nährboden des Hasses sind nicht die Muslime bzw. die Migranten oder die angebliche Inkompatibilität verschiedener Kulturen, sondern die Hetze von Leuten wie Sarrazin oder dir. In Norwegen und hoffentlich auch hier werden die Menschen in Zukunft diesbezüglich sensibler sein. Die Fortschrittspartei und andere Rechtpopulisten werden verbal abrüsten müssen, wenn sie nicht vollkommen ihre Glaubwürdigkeit und Zustimmung verlieren wollen. Jetzt können sie unter Beweis stellen, dass sie noch mehr können als dumm zu hetzen.
Breivik mag weltanschaulich kein Nazi gewesen, charakterlich kann man diesen Vollarsch nur als einen solchen bezeichnen. Die Naziführung hätte mit diesem Schlächter, der ein perfekter KZ-Mitarbeiter gewesen, ihre Freude gehabt.
 
Schwab Donnerstag, 28.Juli 2011, 11:06 Uhr:
@B. C.

"ich moechte sie fragen - woher nehmen sie die aussage bzgl. nietzsche? und kann es sein, dass sie nietzsche hier missverstanden haben?"

Ich habe mich die letzten zwei Jahre mit "Gesammelten Werken" Nietzsches befaßt, werde darüber sicherlich auch irgendwann publizieren. Eine umfangreiche Belegsammlung steht mir zur Verfügung.

Meine These, daß Nietzsche meinte, die Starken sollten sich gegen die Schwachen durchsetzen, sich dabei von keiner "Moral" behindern lassen, zieht sich durch das gesamte Werk. Da sehe ich keinen Interpretationsspielraum. Bei Detailthemen mag dies anders sein: Nietzsche agitiert gegen Juden, aber auch gegen Antisemiten.
 
B.C. Freitag, 29.Juli 2011, 08:44 Uhr:
@schwab
zugegebener massen habe ich mich noch nicht direkt mit nietzsches werken befasst. ich kann mir aber vorstellen, dass bestimmte begrifflichkeiten nicht einfach mit der heute vorherrschenden bedeutung gleichsetzen sollte. so heisst es zum uebermenschen (wikipedia):
"Das „über“ kann nicht nur für eine höhere Stufe relativ zu einer anderen stehen, sondern kann auch im Sinne von „hinüber“ verstanden werden, also eine Bewegung ausdrücken. Der Übermensch ist daher nicht unbedingt als Herrenmensch über dem letzten Menschen zu sehen."

von daher meine vorsichtige frage, ob sie sicher sind, nietzsche "richtig" auszulegen?
 
B.C. Freitag, 29.Juli 2011, 09:18 Uhr:
@murx
"Da Leute wie du ohnehin nicht gewillt sind, auf den Inhalt von Kommentaren einzugehen, sondern darin hineindeuten, was ihnen in den argumentativen Kram paßt,"

komisch dass dieser vorwurf am besten auf sie selbst passt. die meissten kommentatoren haben sich sehr wohl auf ihren kommentarinhalt bezogen - auch wenn ihnen die fremdwahrnehmung nicht schmeckt. ihr kommentar ist unmissverstaendlich - auch wenn sie selbst vielleicht nicht immer den eindruck hinterlassen, zu wissen, wie ungeschminkt sie ihre meinungen veroeffentlichen. jedwede selbstreflexion scheint ihnen dabei voellig abhanden gekommen zu sein.
nehmen wir mal beispielsweise ihren einleitungssatz:

"Aber ganz im Ernst: Dieser Massenmord, so entsetzlich und unbegreiflich er auch ist, wird meiner Meinung nach dazu beitragen, daß sich die Norwegeger endlich den Problemen stellen, die es ebenfalls in Form von islamischer Masseneinwanderung und Überfremdung in seinen Städten hat."

ihr "entsetzen" verkommt darin zum rhetorischen ueberleitungsvehikel. wichtiger sind ihnen ihre fuer sie positiv bewerteten prognosen. ob diese wahrscheinlich sind, sei mal dahingestellt. sie uebernehmen 1:1 die motive des taeters und sehen positive auswirkungen vorher. besser kann man dem taeter eigentlich nicht den ruecken oeffentlich staerken! die tat selber ist es ihnen nicht wert, ihre gemeinsamen positionen zu ueberdenken.
 
Schwab Freitag, 29.Juli 2011, 12:09 Uhr:
@B. C.

Ich beziehe meine Nietzsche-Kenntnisse nicht aus Lexikoneinträgen, sondern aus der Kröner-Werke-Ausgabe von 1930. Selbstverständlich gibt es viele Interpretationen, bei denen jeder Interpret seine Sichtweise als die allein richtige, die der Gegner-Interpreten als die falsche behauptet.

Der „Übermensch“ deutet eindeutig auf das Grundthema Nietzsches hin: Hierarchie, Elite, Über- und Unterordnung bezüglich der Starken über die Schwachen. Interpretationswürdig ist allerdings die Frage, worin sich „Elite“ ausdrückt (vgl. auch Pareto u. a.). Der Autor des von Ihnen zitierten Wikipedia-Eintrags ist wahrscheinlich ein Linksliberaler, der Nietzsche vor der Behauptung in Schutz nehmen möchte, daß Hitler ein geistiger Nachfolger dieses Philosophen sei. In der Tat ist Nietzsches „Übermensch“ nicht an eine einzelne (Herren-) Rasse („blonde Bestie“) gebunden. Das hatte sich Hitler so zurecht gelegt. Bei Nietzsche gibt’s Stellen, wo er die Germanen als (Herren-) Rasse gleich auf zu anderen alten „Rassen“ bzw. ethnischen Gruppen stellt, also zu Römern, Arabern usw., die mindestens genauso kulturschöpferisch wirkten.

Sarrazin könnte sich durchaus auf Nietzsche beziehen, der an vielen Stellen in seinem Werk meint, der wirtschaftlich Starke solle sich über den Schwachen erheben. Hier nur ein Zitat, das die Demokratie- und Sozialismusfeindlichkeit Nietzsches belegt. Ich könnte Ihnen aus meiner Nietzsche-Datei viele solcher Belege aufführen – aus unterschiedlichen Werken, durch alle Schaffenszeiten hindurch. Ich habe noch kein einziges gegenläufiges Zitat bei ihm gefunden.

Nietzsche über die „Dummheit“, daß zu seiner Zeit überhaupt eine „Arbeiter-Frage“ erörtert wurde:
„Die Hoffnung ist vollkommen vorüber, daß hier sich eine bescheidene und selbstgenügsame Art Mensch, ein Typus Chinese zum Stande herausbilde: und dies hätte Vernunft gehabt, dies wäre geradezu eine Notwendigkeit gewesen. Was hat man getan? – Alles, um auch die Voraussetzung dazu im Keime zu vernichten, – man hat die Instinkte, vermöge deren ein Arbeiter als Stand möglich, sich selber möglich wird, durch die unverantwortlichste Gedankenlosigkeit in Grund und Boden zerstört. Man hat den Arbeiter militärtüchtig gemacht, man hat ihm das Koalitions-Recht, das politische Stimmrecht gegeben: was Wunder, wenn der Arbeiter seine Existenz heute bereits als Notstand (moralisch ausgedrückt als Unrecht –) empfindet? Aber was will man? Nochmals gefragt. Will man einen Zweck, so ist man ein Narr, wenn man sie zu Herrn erzieht.“

(Friedrich Nietzsche: Götzen-Dämmerung oder wie man mit dem Hammer philosophiert. In: Friedrich Nietzsche. Werke in zwei Bänden, Bd. 2. Ausgewählt und eingeleitet von August Messer. 8. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Leipzig 1930, S. 159-209, hier S. 199.)
 

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