von Oliver Cruzcampo
   

Vierter Thiazi-Prozess endet mit Bewährungsstrafen

Mit Bewährungsstrafen für die beiden Angeklagten ging am Dienstag der mittlerweile vierte Thiazi-Prozess am Landgericht Rostock zuende. Während sich Daniela M. glaubhaft von der rechten Szene distanziert habe, habe Peter B. keine Reue gezeigt.

Daniela M. und Peter B. kurz vor der Urteilsverkündung am Landgericht Rostock

Sieben Jahre nach einer Razzia und der damit einhergehenden Abschaltung des Thiazi-Forums endete am Dienstag der nächste Prozess gegen zwei Angeklagte. Am Landgericht Rostock wurden die beiden Administratoren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Der 50-jährige Peter B. wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, Daniela M. zu neun Monaten. Aufgrund der langen Verfahrensdauer gelten jeweils vier Monate als bereits verbüßt. Beide müssen zudem eine Geldstrafe in Höhe von 600 bzw. 500 Euro zahlen.

Sänger der Rechtsrock-Band D.S.T.

Knapp fünf Jahre nach Beginn der juristischen Aufarbeitung endete damit der mittlerweile vierte Prozess im Thiazi-Komplex. Bis auf Klaus R., den Hauptverantwortlichen des Szene-Portals, sind alle Angeklagten zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, in der Regel zu Strafen zwischen einem und zwei Jahren. Die nächsten Prozesse gegen ehemalige Thiazi-Verantwortliche sollen bereits am Gericht anhängig sein.

Im Fall der beiden aus Berlin stammenden B. und M. hatte die Staatsanwaltschaft die Fälle zusammengelegt, die beiden waren damals liiert, wohnen aber weiterhin in derselben Wohnung. Administrative Aufgaben übernahm zuerst die 46-Jährige, die nach eigenen Angaben über Klaus R. angeworben wurde. Später stieß dann auch ihr damaliger Partner Peter B. dazu, vor allem im Musikbereich übernahm der Neonazi zahlreiche Aufgaben.

Bei B. handelt es sich um den Sänger der Band D.S.T/xXx, eine Rechtsrock-Band, von der auch CDs im Thiazi-Forum angeboten wurden. Der Neonazi, der seit etlichen Jahren arbeitslos ist, hätte seinerzeit nach eigenen Angaben viel Zeit auf dem Portal verbracht. Es sei fast wie eine Sucht gewesen, lässt er über seinen Anwalt das Geständnis verlesen. Alle Punkte der Anklage träfen zu, er entschuldigte sich zudem bei allen Betroffenen.

Keine Reue gezeigt

In den anschließenden Plädoyers forderte die Staatsanwaltschaft genau die Strafzumessung, die das Gericht heute bekannt gab, auch die Verteidigung hatte sich dem zuvor angeschlossen. Laut dem Richter habe sich M. glaubhaft von der Szene distanziert, dieser Prozess habe durch die Hausdurchsuchung im Sommer 2012 begonnen. B. hingegen habe keine Reue gezeigt, auch sei er mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten, bereits 2009 und 2011 wurde der Sänger wegen Volksverhetzung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Das Thiazi-Forum galt als das größte deutschsprachige Neonazi-Portal, über 30.000 aktive Nutzer hatten weit über eine Million Beiträge verfasst. Holocaust-Leugnung und weitere strafrechtlich relevante Inhalte wurden dort regelmäßig veröffentlicht. Zudem spielte vor allem die Sektion Musik eine bedeutende Rolle, so konnte man sich gegen kleine Geldbeiträge über das Forum mit einschlägiger Musik versorgen.

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