von Mathias Brodkorb
   

Verwirrung an allen Fronten: Gibt es die „Nationalen Sozialisten für Israel" (NaSofI) wirklich?

Bereits Ende 2007 ging eine Internetseite an den Start, mit der sich Nationale Sozialisten angeblich für das Existenzrecht Israels einsetzten. Seitdem wird in entsprechenden Szene-Foren und auf einschlägigen Internetseiten darüber diskutiert, ob einige Kameraden dem Wahnsinn nahe sind oder es sich bloß um einen Scherz handelt.


Die „Nationalen Sozialisten für Israel“ (NaSofI) gründen ihre Verteidigung des Existenzrechts Israels offiziell auf eine ethnopluralistische Grundüberzeugung: Demnach sei die Annahme einer unterschiedlichen Wertigkeit der Völker falsch. Vielmehr gelte es, die Vielfalt der Völker (Ethnopluralismus) insgesamt als Antwort auf die Globalisierung zu fördern. Diese ideologische Neuausrichtung und Abwendung der politischen Rechten vom Nationalsozialismus hitleristischer Prägung reflektieren auch die Macher dieser neuen Seite, jedoch beklagen sie mangelnde Schlüssigkeit der Argumentation innerhalb der Szene: „ Auch wenn sich der Nationale Widerstand und vorallem neurechte Strömungen seit Jahren in einem Wandel befinden, so existiert doch noch immer in großen Teilen unserer Bewegung ein festverankertes antisemitisches Weltbild. (...) Mittlerweile haben wir uns längst von veralten White-Power Denken verabschiedet und gestehem jeden Volk ein Recht auf freie Entfaltung zu. Außer Israel, dass hat von der Landkarte zu verschwinden. Aber warum?“, fragen die „Nationalen Sozialisten für Isreal“. Ihre Gegenposition beschreiben sie knapp wie folgt: „Auch Israel hat ein Existenzrecht. Auch dieses Volk hat Kultur und Eigenarten die es zu schützen bedarf, auch das israelische Volk ist wertvoll. (...) Unsere Pflicht als Nationale Sozialisten besteht darin dieses hohe Gut zu verteidigen, nicht nur für unser deutsches Vaterland und den europäischen Kulturraum, sondern auch und gerade in Israel.“

Verwirrend oder überraschend kann diese Position jedoch nur finden, wer entweder die ideologischen Diskussionen bereits während des Nationalsozialismus zwischen dem Mehrheitsflügel und der so genannten „Schwarzen Front“ verpasst und auch die szeneinternen Debatten der letzten Jahre ignoriert oder als nur taktisch vorgetäuscht abgetan hat. Denn es war kein geringerer als der Theoretiker der „Schwarzen Front“, Dr. Otto Strasser, der im Jahr 1930 seinen Austritt aus der NSDAP mit eben jenen Argumenten begründet hat, die heute zum Einmaleins des Ethnopluralismus gehören. Ein echter Nationalist müsse demnach anerkennen „daß das Recht der Erfüllung völkischer Eigenart, das wir für uns in Anspruch nehmen, auch allen anderen Völkern und Nationen zusteht". Selbst wenn es sich bei der Seite der NaSofI in Wahrheit um einen Fake handeln sollte, wie verschiedentlich gemutmaßt wird, wäre das Anliegen, innerhalb der nationalistischen Szene eine anti-antisemitische Politik zu entwickeln, keinesfalls widersprüchlich, sondern vor dem Hintergrund des Ethnopluralismus eher konsequent.

In einer weiteren Erklärung reagierten nun die Macher der Seite auf die Diskussionen im Internet. „Natürlich wussten wir, dass wir mit unseren Positionen nicht gut ankommen würden in der Szene.“, heißt es darin. Jedoch würde sie insbesondere Kritik aus Reihen der NPD wenig berühren, da diese doch auf dem Weg zu einer etablierten Partei sei. Zum Meinungsumschwung in der Gruppe hätten dabei auch Diskussionen über die Teilnahme deutscher Juden am Ersten Weltkrieg beigetragen. „Tapfere Soldaten, verdammtnocheins, waren das und wir ehren sie, als Kämpfer für Deutschland, die mehr gaben, als alle, die sich heute nationale Sozialisten schimpfen! Und trotzdem: Der Platz ihrer Enkel und Enkelinnen ist nicht in unserer Mitte, er ist bei ihrem Volk, in Israel. Das war ein Beispiel für unsere Anschauung. Nun verlangen wir: Zeigt uns die Beweise, ihr Antisemiten, für die jüdische Macht in Deutschland und der Welt (...)“, fordern die "Nationalen Sozialisten für Israel".

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