Verwirrspiel um Rede von Hamburger AfD-Kandidaten auf Mvgida-Demo

Kurz vor der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft könnte eine Meldung auf einer islamfeindlichen Website die AfD in die Bredouille bringen. Ein Direktkandidat soll dem veröffentlichten Text zufolge auf einer Pegida-Demo in Schwerin eine Rede gehalten und Gegendemonstranten mit der SA verglichen haben. Die AfD-Pressestelle wollte den mutmaßlichen Vorfall weder bestätigen, noch dementieren.

Dienstag, 03. Februar 2015
Redaktion
Die Mvgida-Demonstration am vorletzten Montag in der Landeshauptstadt
Die Mvgida-Demonstration am vorletzten Montag in der Landeshauptstadt
Das islamfeindliche Portal „PI News“ veröffentlichte am Sonntagabend einen Bericht der Mvgida-Demonstration vom vorletzten Montag in Schwerin. In der Landeshauptstadt und Stralsund ruft der dortige Pegida-Ableger seit Anfang des Jahres abwechselnd zu „Spaziergängen“ durch die beiden Städte auf. Knapp eine Woche nach der Veranstaltung, an der sich jeweils rund 400 Mvgida-Anhänger und Gegendemonstranten beteiligt hatten, wird auf der Website ein Bericht veröffentlicht, der angeblich die Rede des Hamburger AfD-Kandidaten Ludwig Flocken dokumentiert. Das AfD-Mitglied kandidiert auf Listenplatz 15, zusätzlich ist Flocken Direktkandidat im Wahlkreis 15 – Bergedorf. „Leibstandarte Adolphine Schwesig“ Bei „PI News“ heißt es, dass der Orthopäde eine „aufrüttelnde Rede“ gehalten habe, in der er die Pegida-Positionen verdeutlicht hätte. Anschließend wird die Rede dokumentiert, in der sich der Verfasser an den Symbolen des bekannten Transparentes abarbeitet – unter anderem wird dort symbolisch auch ein Hakenkreuz in einen Mülleimer geworfen. „Deshalb haben wir das Hakenkreuz in den Mülleimer geworfen, weil wir keine gewalttätige Intoleranz wollen, keine Angriffskriege, keinen Rassismus und erst recht keinen Völkermord“, wird mutmaßlich Flocken dort zitiert.


Der AfD-Kandidat auf der Website des Landesverbandes, Foto: Screenshot AfD

Die Aussage mutet skurril an, da die Pegida-Schwester in Mecklenburg-Vorpommern wie kaum eine andere offen von der NPD beeinflusst ist. Der Landesvorsitzende Stefan Köster und Fraktionschef Udo Pastörs sind ständige Begleiter der Demos, Parteifunktionäre tragen Banner und dirigieren Anhänger. Später soll sich der Hamburger AfD-Kandidat direkt an die Gegendemonstranten gewandt und diese mit der SA im Nationalsozialismus verglichen haben: „Bei uns brauchen die Eliten Euch als Fußvolk, um die Menschen zusammenzuschlagen und einzuschüchtern. Ihr seid die neue SA.“ Diese seien zudem „gesteuert und bezahlt von unseren Steuergeldern aus dem Familienministerium“. Weiter heißt es: „Und weil seit einem Jahr auch Verfassungsfeinde im Auftrag der Regierung prügeln dürfen, heißt Ihr auch Leibstandarte Adolphine Schwesig.“ Damit ist vermutlich die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gemeint, die zuvor Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern war. AfD-Kandidat bekennender Pegida-Sympathisant Ein Pressesprecher der AfD Hamburg wollte gegenüber ENDSTATION RECHTS. die Anwesenheit Flockens auf der Mvgida-Demonstration weder bestätigen noch dementieren. Der Bürgerschaftskandidat sei jedoch sehr an dem Thema interessiert. In der Bergedorfer Zeitung bekannte sich der fünffache Vater bereits als Pegida-Sympathisant und positioniert sich zum Thema Islam: „Ich bezweifle, dass der aktuelle Terror nichts mit dem Islam zu tun hat, wie mantra-artig wiederholt wird. Der Koran und das Beispiel des Propheten rufen zum Töten der Ungläubigen auf.“


Sympathisanten entrollten in Schwerin ebenfalls ein "PI News-Banner"

Mit dem Hamburger Landesverband der AfD sei der mögliche Abstecher nach Schwerin nicht abgesprochen gewesen, so der Pressesprecher weiter. Flocken sei – wenn überhaupt – als Privatperson aufgetreten. Auch würden sich die Verfasser des Artikels auf PI News „so etwas ja nicht ausdenken“. Mvgida hatte wenige Tage vor der Veranstaltung noch angekündigt, einen „prominenten Redner“ stellen zu wollen, danach erwähnten die Organisatoren das Thema jedoch nicht mehr. Erst vergangene Woche hatte in Thüringen ein AfD-Mitarbeiter auf der Sügida-Demo, einem Pegida-Ableger, eine Redebeitrag gehalten, in dem er laut „Thüringer Allgemeine“ Landespolitiker von Linke, SPD und Grünen als „Feinde unseres Volkes“ bezeichnet hatte. Die AfD-Landtagsabgeordnete Corinna Herold, in deren Wahlkreisbüro der Mann angestellt war, trennte sich wenige Tage später von ihrem Mitarbeiter.
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