von Marc Brandstetter
   

Verwirrspiel beendet: Neonazi-Konzert steigt in Finowfurt, nicht in Viereck

Den politischen Gegner verwirren. Diese Masche steckt hinter der Strategie, die von den Organisatoren eines Rechtsrock-Festivals am kommenden Wochenende gefahren wird. Gleich zwei mögliche Veranstaltungsorte veröffentlichten die Veranstalter. Doch nun ist die Katze aus dem Sack, das „Freiluftkonzert“ geht mit hoher Wahrscheinlichkeit im brandenburgischen Finowfurt über die Bühne. Längst sind zivilgesellschaftliche Gegenmaßnahmen angelaufen.

„In Mitteldeutschland.“ Mehr verriet ein Flyer, der für ein Rechtsrock-Festival am kommenden Wochenende werben sollte, zunächst nicht. Später wurden die Organisatoren des braunen Treffens, das unter dem Motto „Gemeinschaft ist unsere Waffe“ steht, konkreter: Entweder sollten die vier angekündigten Hassbands im brandenburgischen Finowfurt oder in Viereck (Mecklenburg-Vorpommern) aufspielen. Beobachter hielten beide Veranstaltungsorte für möglich, denn sie gelten in ihren jeweiligen Bundesländern als Konzerthochburgen der Szene.

Laut dem Blog „Dort stellt der Landesvorsitzende der Neonazi-Splitterpartei Die Rechte, Klaus Mann, sein Grundstück immer wieder verschiedenen Gruppierungen zur Verfügung. Erst vor wenigen Wochen hatte die Polizei ein laufendes Rechtsrock-Konzert aufgelöst, da mehrere Besucher den Hitler-Gruß gezeigt hatten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, sogar die „Festival-T-Hemden“ sind bereits gedruckt.

Am kommenden Samstag sollen in Finowfurt „Timebomb“ aus Schleswig-Holstein, die bereits seit 1992 aktiven „Frontalkraft“ (Cottbus), die Dresdner Gruppe „Hope for the weak“ und die Szeneveteranen „Confident of Victory“ aus Senftenberg auftreten. Letztere hatten kürzlich auf Facebook vermeldet, dass die Indizierung ihrer aktuellen Veröffentlichung „A neverending fight“ von der Bundeszentrale für jugendgefährdende Medien abgelehnt worden sei, was JN-Chef Andy Knape ein „sehr gut“ als Kommentar wert war. Ohnehin unterhält „Confident of Victory“ zum NPD-Parteinachwuchs gute Kontakte. Mit ihrem Lied „D.I.T.A.“ sind sie auf der aktuellen JN-Schulhof-CD vertreten, die wiederum indiziert ist.

Trotz des Verwirrspiels um den Auftrittsort ist der zivilgesellschafliche Protest gegen das Hasskonzert längst angelaufen. Federführend für die Protestaktionen ist das Aktionsbündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt“. Das Bündnis hat nach eigenen Angaben mit der Amadeu-Antonio-Stiftung einen kostenlosen Bus-Shuttle organisiert, der die Protestteilnehmer am Sonnabend von Pasewalk nach Finowfurt bringen soll. Die Initiative hatte sich im letzten Jahr anlässlich des Pressefestes der NPD-Parteipostille Deutsche Stimme, das in Vorpommern stattfand, gegründet.


Foto: Screenshot Facebook

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