von Oliver Cruzcampo
   

Versuch Nummer 2: Thor Steinar eröffnet neue Filiale in Dortmund

Rund acht Monate, nachdem die Stadt Dortmund einen Thor-Steinar-Laden schließen ließ, eröffnet das Unternehmen nun einen neuen Laden in der Stadt – die ersten, die die Werbetrommel rührten, waren Neonazis aus der Metropole. Möglicherweise müssen sich die Eigentümer auf eine lange juristische Auseinandersetzung einstellen.

Der neue Laden in Dortmund war die ersten Tage noch mit einem Sichtschutz versehen, Foto: BlockaDO

Gegen Montagmittag machte das Bündnis „BlockaDO“ auf die Neueröffnung des Thor-Steinar-Ladens in Dortmund aufmerksam. Rund einen Tag später bestätigte das bei Neonazis seit Jahren beliebte Unternehmen auf Facebook die Neuigkeit: „Trotz aller Widrigkeiten haben wir in Dortmund einen neuen Laden gefunden“. Zuvor hatten da bereits Neonazis aus dem Die Rechte-Umfeld auf den Laden hingewiesen und zum Besuch aufgerufen.

Nur wenige Stunden nach der Bekanntmachung kam es vor dem Geschäft bereits zu einer ersten mutmaßlichen Körperverletzung. Auf Nordstadtblogger wird von einem Mitarbeiter berichtet, der die Pressesprecherin des BlockaDO-Bündnisses angegangen hätte, nachdem diese Fotos vom Tønsberg gemacht hatte. Die Polizei, die gerade vor Ort war, hätte die Personalien des Mannes aufgenommen, nun werde wegen des Anfangsverdachts einer Körperverletzung ermittelt.

„Handlungsoptionen der Stadtverwaltung im konkreten Fall begrenzt“

Als vergangenen Herbst der erste Laden eröffnete, dauerte es nicht lange, bis die Stadt intervenierte. Im Oktober wurde der Mieter darüber informiert, dass keine Baugenehmigung vorläge, zuvor befand sich dort eine Schreinerei. Anfang November schließlich wurde wegen Brandschutzmängeln der Tønsberg geschlossen.

Unter der neuen Adresse Alter Burgwall 9 könnten die Pforten diesmal womöglich länger geöffnet bleiben. Denn bereits vorher hätte sich dort ein Ladenlokal befunden. So heißt es auf dem Twitter-Account der Stadt dementsprechend: „Obgleich die Handlungsoptionen der Stadtverwaltung im konkreten Fall begrenzt sind, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um zu verhindern, dass Thor Steinar in Dortmund Fuß fasst.“

Konkret sei laut Nordstadtblogger der Name Thor Steinar im Mietvertrag nicht erwähnt – „allerdings in einer begleitenden Mail mit Nachfragen seitens des potentiellen Mieters“. Zudem hätte die zuständige Immobiliengesellschaft die Kündigung bereits ausgesprochen.

Der Fall erinnert an das Geschäft in Neubrandenburg. Dort sei der Mietvertrag gar manipuliert worden, warf der Rechtsanwalt der Eigentümerin dem Unternehmen vor. Auch dort wurde eine Kündigung ausgesprochen – im März 2019. Seitdem hat der Thor-Steinar-Laden allerdings weiterhin geöffnet. Zwar gab das Landgericht Neubrandenburg der Räumungsklage statt – allerdings legte die beklagte Skytec Outlets GmbH Rechtsmittel ein. Nun muss das Oberlandesgericht in Rostock entscheiden, frühestens im Herbst wird es allerdings dazu kommen. Mit dieser Verzögerungstaktik fährt das im brandenburgischen Mittenwalde beheimatete Unternehmen immer wieder gut, teilweise vergehen so mehrere Jahre bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung.

Gegen den Tønsberg gibt es am heutigen Donnerstag bereits eine erste Kundgebung, organisiert von BlockaDO.

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