Verschwörungstheoretiker bei „Wissenskongress“

„Alternatives“ Wissen wollen vier AfD-Funktionäre aus der dritten Reihe der Partei verbreiten. Das „Zugpferd“ ihrer Veranstaltung sagte ab. Dennoch ist ihr „Alternativer Wissenskongress“ bereits ausverkauft.

Freitag, 19. Februar 2016
Redaktion

Zum zweiten Mal steigt die Veranstaltung am 28. Februar im westfälischen Iserlohn. Gedacht zunächst als Kongress der fünf AfD-Bezirksverbände in Nordrhein-Westfalen, musste nach Interventionen aus Parteikreisen bereits vor der ersten Auflage im vorigen Frühjahr ein frisch gegründeter „Verein zur Förderung des politischen Dialogs“ als Veranstalter einspringen. Vor allem der verschwörungstheoretische Duktus einiger Referenten hatte für Ärger gesorgt. (bnr.de berichtete hier und hier

Mindestens vier Organisatoren aus den Reihen der AfD blieben aber damals auch unter dem neuem Vereinslabel bei der Stange. Sie sind diesmal erneut mit von der Partie: Udo Hemmelgarn, Sprecher der AfD in Ostwestfalen, hat die „Büroleitung“ des „Wissenskongresses“ inne. Ingo Schumacher, Chef des AfD-Bezirks Köln, ist für die Medienkontakte zuständig. Sebastian Schulze und Nic Vogel bearbeiten den Vorverkauf. Schulze ist stellvertretender Sprecher des AfD-Bezirksverbands in Südwestfalen, Vogel Vorstandsmitglied im Düsseldorfer Kreisverband.

Schulze und Vogel konnten bereits Vollzug melden: „Ausgebucht!“ heißt es auf der Internetseite zur Veranstaltung. Wer jetzt noch kommen will und bereit ist, 25 Euro für die Teilnahme auf den Tisch zu blättern, muss sich erst einmal mit einem Eintrag auf der Warteliste für die 800 Plätze im Iserlohner Parktheater begnügen.

Stargast Eva Herman abgesprungen

„Wir haben für Sie erneut das ,Who is Who' der alternativen Medienszene angefragt und alle Referenten sind dieser Einladung gefolgt“, berichten die Organisatoren. Ganz so reibungslos verlief die Rednersuche freilich nicht. Zwei der vier eigentlich vorgesehenen Referenten sprangen wieder ab: der Schweizer Historiker Daniele Ganser, der sich mit dem Thema „Nato – Friedensbündnis oder Angriffspakt?“ beschäftigen sollte, und Stargast Eva Herman, deren Beitrag unter dem Titel „Gender – Gleichstellung oder Umerziehung?“ angekündigt war. Bei der Stange geblieben sind Ernst Wolff, dem es in seinem Vortrag um das Thema „IWF – Helfer oder Räuber?“ geht sowie Michael Vogt, der sich sich seit jungen Jahren weit rechtsaußen tummelt, als Referent zur Frage „Einwanderung – Zufall oder Geostrategie?“ (bnr.de berichtete)

Für Ganser und Herman springen der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider („Rechtsstaat – Realität oder Schein?“) und Christoph Hörstel („NATO - Friedensbündnis oder Angriffspakt?“) ein. Vor allem Hörstels Auftritt könnte bei den AfD-Oberen für Ärger sorgen. Unter anderem, weil der „Regierungs- und Unternehmensberater“, wie er sich nennen lässt, selbst Vorsitzender einer anderen Partei ist: der Mini-Organisation „Deutsche Mitte“. Aber auch, weil er erst vor wenigen Tagen wissen ließ, dass er von der AfD nichts hält. Die Partei erscheint ihm offenbar als Produkt einer Verschwörung: „Der große Aufriss, den die Systemmedien veranstalten, treibt die Menschen –Mitglieder & Wähler - und das ist die heimliche Absicht! – direkt in die Hände der AfD: weil da gerade WEGEN der Attacken Glaubwürdigkeit vermutet wird.“ Die Partei sei eine „Riesen-Farce“; AfD steht bei ihm für: „Angebot für Dumme“.

Bei der AfD kommt das vermutlich nicht gut an. Verschwörungstheoretiker außerhalb der Partei dürften allerdings ihre helle Freude empfinden, wenn auf der Internetseite der „Deutschen Mitte“ über einen „US-gesteuerten Einsatz der Migrationswaffe gegen Deutschland“ schwadroniert und der Bundesregierung eine „Hochverratspolitik“ attestiert wird. Oder wenn Hoerstel ein „Schluss mit ,Chemtrail'-Einsätzen gegen die Bevölkerung!“ fordert. „Seien Sie dabei, erfahren Sie alternatives Wissen aus erster Hand“, werben die Kongress-Organisatoren für ihren Event. (rr)

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