von Robert Scholz
   

Vermeintlicher Homo-Kandidat – Politinvestor Brinkmann macht schon wieder Schluss

Die Halbwertzeit des schwedischen Politinvestors Patrik Brinkmann wird immer kürzer. Sein aktuelles Engagement als Berliner Landesvorsitzender von Pro-Deutschland hat er nun schon nach drei Wochen wieder beendet. Angeblicher Grund: ein vermeintlich schwuler Parteifreund.

Mit seiner „moralischen Haltung“ begründet Brinkmann die erneute Rolle rückwärts in der Politik. Der Parteienhopper, der nach seinem Engagement für die NPD Mitglied der DVU wurde und sich zuletzt im Umfeld der Pro Bewegung betätigte, verabschiedet sich erneut von einem politischen Projekt.

Den Landesvorsitz des Berliner Ablegers von Pro Deutschland hat der Schwede niedergelegt, da er sich vom Bundesvorsitzenden, Manfred Rouhs, „bewusst falsch informiert“ sieht. So wirft er Pro Deutschland vor „auf einer Ebene mit dem Regierenden Bürgermeister Wowereit“ zu agieren. Hintergrund soll die Homosexualität des Pro-Spitzenkandidaten für die Bezirksverordnetenversammlung in Berlin-Mitte sein. Brinkmann hielt es an der Zeit, „die Notbremse zu ziehen“, da „jede Grundlage für eine Zusammenarbeit entzogen [ist]“.

Pro-Deutschland-Chef Rouhs reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung des wankelmütigen Schweden: „Sexualität ist Privatsache. Brinkmanns Vorstellung, es sei in einer demokratischen Partei geboten, einen gewählten Wahlbewerber zurückzuziehen, weil er homosexuell sei, kann ich nur mit äußerstem Befremden zur Kenntnis nehmen.“ Rouhs kündigte an, schon am 15. April den Posten des Landesvorsitzenden neu wählen zu lassen.

Rouhs hält die Begründung Brinkmanns aber ohnehin für vorgeschoben, wie die Informationen der „Jungen Freiheit“ zwar ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro gegeben, zugesagte Wahlkampfunterstützungen seien allerdings ausgeblieben. Vor allem auf eine versprochene Spende über 60.000 Euro für den Wahlkampf Andreas Molaus in Niedersachsen hätte die NPD vergeblich gewartet.

Noch schlechter soll es vor einiger Zeit um die Zuwendungen an die DVU bestellt gewesen sein. Lediglich 2.000 Euro hätte Brinkmann zur Finanzierung eines Gutachtens für eine Klage der DVU gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare bereitgestellt. Ex-Parteichef Matthias Faust prophezeite daher der Bürgerbewegung Pro NRW, denen der Schwede satte fünf Millionen Euro in Aussicht gestellt hat, Ähnliches: „Auch da wird bald Nüchternheit einkehren.“ In diesem Fall sollte Faust offenbar Recht behalten.

Kommentare(6)

stottlemeyer Donnerstag, 31.März 2011, 13:09 Uhr:
Dass diese Entscheidung so knapp nach den schlechten REP-Ergebnissen bei den Landtagswahlen in BaWü und RLP kommt, deutet darauf hin, dass Brinkmann keine reellen Erfolgschancen mehr gesehen haben könnte und deshalb kein Geld in ein wenig aussichtsreiches Unterfangen stecken wollte.

Dass ihn die Homosexualität des Kandidaten so sehr stören würde, ist eher unwahrscheinlich. Zum einen ist diese ja unter neokonservativen bzw. populistischen, islamkritischen Parteien nicht zwingend ein K.O.-Kriterium für einen Kandidaten, zumal beispielsweise deren niederländische Vorbilder wie Pim Fortuyn oder Geert Wilders dazu einen eher aufgeschlossenen Zugang haben bzw. hatten und beispielsweise Israel, dem die uneingeschränkte Solidarität Brinkmanns gilt, gerade auch dafür bekannt ist, dass dort die persönlichen Entfaltungsrechte Homosexueller geachtet werden.

Auch das Bemühen Brinkmanns, eine Einigung mit Stadtkewitz zu erzielen, wäre so nicht erklärbar. Denn dessen Partei "Die Freiheit" ist definitiv nicht homophob.

Darüber hinaus stellt gerade auch die US-amerikanische religiöse Rechte für den Evangelikalen Patrik Brinkmann ein Vorbild dar. Und in den USA ist beispielsweise mit Andrew Breitbart einer der einflussreichsten konservativen Medienzaren homosexuell und bindet durch Events wie GOPride beispielsweise auch das libertäre Element innerhalb der Republikanischen Partei. Angesichts der weit verbreiteten Unzufriedenheit sowohl innerhalb der Union als auch der F.D.P. mit dem Kurs ihrer Parteien müsste eine rechtspopulistische Partei, die von dieser profitieren möchte, gerade auch hier ein breites Spektrum ansprechen.

Von daher dürfte wohl tatsächlich entweder eine nicht ausreichende Distanzierung des Kandidaten von seiner NPD-Vergangenheit entscheidend gewesen sein - dann hätte Brinkmann allerdings wohl auch interne Wege gefunden, dieses Problem zu klären. Oder aber es war wirklich die Erwartung, dass am Ende sowohl "Freiheit" als auch "Pro-D" unter der 5%-Hürde bleiben dürften. Letztere Variante erscheint unterm Strich als die wahrscheinlichste.
 
ATze Donnerstag, 31.März 2011, 15:12 Uhr:
Die Pro-Bewegung girlandisiert ihren Türken- und Araberhass zwar gerne mit dem Look der Islamkritik und wettert dabie schon grene mal - grundsätzlich ja auch zu Recht - gegen dessen homophobe Ausrichtung. Andererseits aber sind die Pros selber bis in die Führungsspitzen vom Schwulenhass zerfressen. Man recherchiere z.B. mal bei Google über "kreuznet", dem Internet-Fallbeil der faschistoiden Pius-Bruderschaft in Deutschland und Markus Beisicht, dem eigentlichen Pro-Chef.
Insofern ist es um die Toleranz des deutschen Rechtskonservatismus gegenüber Homosexualität weit schlechter bestellt, als stottlemeyer oben andeutet.

Aber vermutlich hat Brinkmann in Kombination mieser Wahlaussichten und seiner Überzeugung gemäß einer widerwärtigen sexuellen Orientierung eines Pro-Kandidaten keinen Bock, sein Geld zum Fenster rauszuschmeißen.
 
stottlemeyer Donnerstag, 31.März 2011, 17:59 Uhr:
Der Hinweis auf kreuz.net ist berechtigt - jedenfalls sofern man dieses Portal nicht als Satireprojekt betrachtet, dass das Ziel verfolgt, katholischen Traditionalismus durch parodistische Übersteigerungen lächerlich zu machen.

Andreas Molau verlinkt auf dem von ihm betriebenen PRO- und REP-nahen Portal auf kreuz.net, ein aus Nigeria stammender PRO-NRW-Aktivist ist Anhänger der Piusbruderschaft. So weit gehen, deren Auffassungen als repräsentativ für PRO zu betrachten, würde ich allerdings nicht.

Dass weite Teile der konservativen Rechten aber auch davon unabhängig manifest homophob sind, kann nicht abgestritten werden. Und das, obwohl - glaubt man früheren Insidern wie Jörg Fischer-Aharon - schon innerhalb der "alten Rechten" (DVU, NPD) eine recht ansehliche Gay-Community bestand.

Innerhalb der reformistischen Rechten, die sich um Projekte wie jenes von Stadtkewitz gruppiert und zu der Brinkmann und nicht unerhebliche Teile von PRO oder den Rest-REP hintendieren, geht der Trend allerdings weg von der Homophobie. Ob dieser sich festigt und inwieweit er bei den einzelnen Akteuren nur taktisch motiviert ist, wird sich zeigen.
 
Columbin Donnerstag, 31.März 2011, 20:53 Uhr:
Was im Artikel keine Erwähnung findet, ist, dass Brinkmann dem Kandidaten zudem fehlende Distanz zum Nationalsozialismus und Antisemitismus vorgehalten hat. Letzterer gehörte auf "Facebook" unter anderem den Gruppen "Nordisches Hilfswerk" sowie "Hans Püschel | Bürgermeister in Krauschwitz" an. Auch, dass er Brinkmann nun im Netz vorwirft ein "Systemling" zu sein, wirft ein bezeichnendes Licht auf ihn - und die "Pro"-Bewegung.
 
Patrik Brinkmann Freitag, 01.April 2011, 06:51 Uhr:
Zu den aktuellen Vorkommnissen um den Rücktritt Patrik Brinkmanns vom Landesvorsitz Berlin, von Pro Deutschland, erklärte dieser:

„Mir war klar, dass nach so einem Rücktritt mit Schmutz geworfen wird. Manfred Rouhs äußert sich zwar zu meiner Kritik über die homosexuelle Veranlagung eines Spitzenkandidaten von Pro Deutschland. Er verschweigt aber, dass dieser in einem direkten Zusammenhang mit bekennenden Nationalsozialisten steht. Der Auftritt Schlesingers in einer Dokumentation über homosexuelle Neo-Nazis ist für mich nicht entschuldbar. Auf seiner Facebook-Seite hatte Herr Schlesinger noch bis vor Kurzem Verweise auf Neo-Nazigruppen.

Wenn die Pro Bewegung eine ehrliche Abkehr vom Rechtsextremismus deutlich machen will, dann muss sie sich von solchen Personen trennen. Ich habe Markus Beisicht gebeten, diese Haltung klarzustellen und mich zu unterstützen. Das ist nicht geschehen. Deswegen wird die in Gelsenkirchen geplante deutsch-israelische Konferenz in einem anderen Zusammenhang abgehalten werden. Dieses wichtige Treffen darf nicht parteipolitisch instrumentalisiert werden. Ich hoffe immer noch, dass die Basis der Pro Bewegung die Führung der Partei dazu drängt, eine klare Stellung zu beziehen.

Durch das Verhalten der Stadt Köln, die israelische Gäste nicht empfangen will, bleibt unseren Freunden somit wenigstens eine weitere Beleidigung erspart.“
 
stottlemeyer Freitag, 01.April 2011, 08:43 Uhr:
Ist ja jetzt auch einerlei. Patrik Brinkmann hat mittlerweile schon längst einen neuen Hoffnungsträger entdeckt: http://bluthilde.wordpress.com/2011/04/01/eilmeldung-patrik-brinkman/
 

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