Verkappte NPD-Veranstaltung

Trotz großer Mobilisierung waren zu dem Neonazi-Aufmarsch am Samstag in Bad Oldesloe nur wenige Teilnehmer erschienen – die islamfeindliche Gruppierung „Neumünster wehrt sich“ rührt für den 23. April die Werbetrommel.

Dienstag, 19. April 2016
Horst Freires

Die NPD hat kräftig am Rad von Organisation und Logistik gedreht, dabei eigene Parteiembleme mit Ausnahme eines Transparents der Jungen Nationaldemokraten bewusst vermieden, und doch sind am Samstag lediglich „88 unerschrockene Deutsche“ (Zählung und O-Ton NPD Hamburg) zur Demonstration in Bad Oldesloe erschienen. Die Zahl derjenigen, die zu Gegenprotesten auf die Straße gingen, war 13 mal so hoch. Anmelder der neonazistischen Aktion war der Neumünsteraner NPD-Ratsherr Mark Michael Proch. Vor Ort hatten sich Parteigänger aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammengefunden, dazu einzelne Aktivisten aus Niedersachsen.

Vorgesehen war am 16. April eine über vier Kilometer lange Demonstrationsstrecke, doch nach etwa 200 Metern ab Abmarschort waren Proch & Co. bereits zum Umkehren gezwungen, weil die Polizei eine Sitzblockade von Gegendemonstranten aus Verhältnismäßigkeitsgründen nicht räumen wollte. Der alkoholisierte Sven S. wurde nach einem Hitlergruß von der Polizei festgenommen, bei einer sichtbaren Tätowierung der SS-Losung „Meine Ehre heißt Treue“ am kahl geschorenen Hinterkopf eines Neonazis schritten die Beamten dagegen nicht ein.

Vom schleswig-holsteinischen NPD-Spitzenpersonal kamen der Landesvorsitzende Ingo Stawitz und sein „Vize“ Jörn Lemke zum Sammelpunkt zwischen Bahnhof und Kreishaus, dazu der frühere Parteifunktionär Jens Lütke. Proch hatte unter anderem Alexander Kevin Meeder als „Packesel“ dabei, in dessen vollgefüllten Rucksack der NPD-Kommunalpolitiker ab und an hineinlangte. Der Hamburger NPD-Kader Lennart Schwarzbach fotografierte ebenso fleißig wie die Vorsitzende des Rings Nationaler Frauen (RNF) aus Mecklenburg-Vorpommern, Antje Mentzel. Mit ihr unterwegs waren Andreas Theißen, NPD-Kreisvorsitzender in Westmecklenburg, und als einer seiner Adjutanten Silvio Will.

„Alle patriotischen Parteien und deren Mitglieder“ willkommen

Mentzel und Theißen sind seit Monaten auf den in wechselnden Orten stattfindenden MVgida-Demonstrationen anzutreffen, bei denen es sich ähnlich wie in Bad Oldesloe auch um verkappte NPD-Veranstaltungen handelt. Denny Reitzenstein, für den Internetversand von „Streetwear Tostedt“ aktiv und als einer der Köpfe der „Aktionsgruppe Nordheide“ anzusehen, filmte den Neonazi-Auftritt, während zwischendurch Daniela Bliesener, die sich oft mit rechtsgerichteten Rockern und Hooligans umgibt, mit einer Sammelbüchse herumlief und um Spenden bat.

Ebenfalls anzutreffen war Hauke Haak, der sich seit Monaten für die islamfeindliche Gruppierung „Neumünster wehrt sich“ ins Zeug legt. Die ging bisher zweimal auf die Straße, sagte ihre dritte geplante Kundgebung Ende Februar dann mit einer fadenscheinigen Ausrede kurzfristig ab. Nun aber rührt die Initiative ein weiteres Mal trotz interner Streitigkeiten für den 23. April die Werbetrommel und lädt parteiübergreifend nach Neumünster ein, um ihrer virtuellen fremdenfeindlichen Hetze und den regelmäßigen Anti-Merkel-Ergüssen via Facebook-Seite abermals ein reales Gesicht zu geben. Dazu ausdrücklich willkommen geheißen werden „alle patriotischen Parteien und deren Mitglieder“, denen die Teilnahme mit der Möglichkeit auf Redezeit schmackhaft gemacht wird. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass gerade die NPD in Prochs Heimatstadt solch einer Verlockung widerstehen wird, zumal just er bei den ersten beiden Außenauftritten im vergangenen November und Januar (bnr.de berichtete hier und hier mit dabei war.

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