Verhöhnung der KZ-Opfer

Anklage gegen sieben Männer aus Pretzien und Plötzky im Landkreis Schönebeck nach der Verbrennung des Tagebuchs der Anne Frank.

Donnerstag, 26. Oktober 2006
Eberhard Löblich

Die Magdeburger Staatsanwaltschaft wirft den jungen Männern im Alter zwischen 23 und 28 Jahren unter anderem Volksverhetzung vor. Damit haben sie ein Strafmaß von bis zu fünf Jahren Haft zu erwarten. Die Männer hatten beim traditionellen Sonnenwendfest in Pretzien am 24. Juni dieses Jahres unter anderem eine amerikanische Flagge und ein Exemplar des Tagebuches der Anne Frank öffentlich verbrannt. „Das war eine Verhöhnung des jüdischen Mädchens und mit ihr sämtlicher Opfer der Konzentrationslager des NS-Regimes“, sagte ein Sprecher der Magdeburger Staatsanwaltschaft. „Mit der Buchverbrennung ist die nationalsozialistische Gewaltherrschaft verherrlicht und die Verfolgung europäischer Juden im Dritten Reich verharmlost beziehungsweise geleugnet worden.“
Als derjenige, der bei der Sonnenwendfeier, die vom inzwischen aufgelösten „Heimat Bund Ostelbien“ ausgerichtet worden war, das Buch ins Feuer geworfen hat, ist aufgrund der Ermittlungen ein 27-Jähriger identifiziert worden, der seit 2002 wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss vorbestraft ist. Ein anderer Beschuldigter ist bereits im Jahr 1999 vom Amtsgericht Schönebeck wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Auch weitere Männer, die jetzt unter Anklage stehen, sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit eindeutig rechtsextremen Straftaten polizeibekannt.

Der Vorfall im Juni, der bundesweit für Empörung gesorgt hatte, war Tage später noch einmal in die Schlagzeilen geraten, nachdem Magdeburgs Polizeipräsidentin Monika Liebau-Foß gravierende Einsatzfehler ihrer Beamten einräumen musste. Einer der beiden Beamten, die aufgrund einer anonymen Anzeige zu der Sonnenwendfeier geschickt worden waren, konnte mit dem Namen Anne Frank überhaupt nichts anfangen. Der zweite Beamte konnte sich schwach an den Namen erinnern und meldete den Vorfall an die Einsatzzentrale. Aber auch der Diensthabende dort wusste mit dem Buchtitel nichts anzufangen.

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