von Marc Brandstetter
   

Verfassungsschutzspitzel im NSU-Umfeld kassierte mehr als 20.000 DM

Der Skandal um im Bundesamt für Verfassungsschutz vernichtete Akten zur Thüringer Neonazi-Szene, zu der die späteren NSU-Terroristen gehörten, weitet sich aus. Denn im Gegensatz zur offiziellen Darstellung könnte es sich bei den eingesetzten V-Leuten nicht nur um Mitläufer gehandelt haben. Das jedenfalls legen jetzt aufgetauchte Zahlungen offen, nach denen die Neonazi-Informanten jährlich zwischen 6.000 und 9.000 DM kassiert haben sollen.  

V-Leute gehören zu den umstrittensten nachrichtendienstlichen Mitteln bei der Beobachtung verfassungsfeindlicher Phänomene. Gerade nach der Selbstenttarnung der rechtsterroristischen Gruppierung NSU will die Diskussion über Neonazis, die für Geld mehr oder weniger brauchbare Informationen liefern, nicht abebben. Einige Innenpolitiker und Spitzenverfassungsschützer plädieren deshalb immer häufiger für den Einsatz von verdeckten Ermittlern. Jetzt dürfte die Auseinandersetzung neue Nahrung bekommen, denn am Wochenende wurde bekannt, welche Summen geflossen sind.

Fast 20.000 DM. So viel Geld soll V-Mann „Tacho“ einem Bericht der in dem sich zeitweise bis zu 40 Informanten verschiedener Dienste getummelt haben sollen – ohne verwertbares Material zu liefern.

Denn im THS waren auch die späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die sich derzeit zusammen mit vier Mitverschwörern vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten muss, aktiv. Das BfV jedenfalls soll die Bedeutung der V-Leute in der militanten Neonazi-Kameradschaft stets heruntergespielt haben. Nur „Randpersonen“ und „Mitläufer“ hätten einen Spitzellohn erhalten, hieß es aus Köln. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Aussage um eine Schutzbehauptung, denn ausgerechnet die Akten dieser Quellen waren nur eine Woche nach dem Auffliegen des NSU geschreddert worden. Damals musste der Chef der Behörde, Heinz Fromm, kleinlaut einräumen, dieser Vorgang habe seinem Amt „geschadet“. Unmittelbar danach musste der 63-Jährige seinen Hut nehmen.     

Die an die einstigen THS-Aktivisten gezahlten Gelder sind jedoch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Tino Brandt, einst Kopf des THS, behauptet, über die Jahre mehr als 200.000 DM vom thüringischen Verfassungsschutz erhalten zu haben. Das Geld habe er für den Aufbau der militanten braunen Struktur verwendet. Ein auf den heutigen NPD-Landesvize von Thüringen, Thorsten Heise, der über die Jahre auch in der Rechtsrock-Szene kräftig mitmischte, angesetzter V-Mann soll zwischen 1995 und 2001 sogar 66.000 DM kassiert haben. „Tacho“, wahrscheinlich 1999 als Spitzel aktiv, bekam 1.500 DM – pro Monat. Nicht eingerechnet: zusätzliche Auslagen für Handys oder Computer.

Kommentare(2)

nurmalso Dienstag, 02.Juli 2013, 06:08 Uhr:
"... über die Jahre mehr als 200.000 DM ..."

Steuerfrei!, will ich auch. Wo muss man sich da melden? Test erforderlich?
 
Generalkonsul Dienstag, 02.Juli 2013, 07:57 Uhr:
@nurmalso
"Steuerfrei,will ich auch.Wo muss man sich da melden? Test erforderlich?
Also sag mal!
Warum bist Du so bescheiden?
Zwar sind 20 Scheine mit den Gebrüdern Grimm drauf ganz nett, aber zwischenzeitlich viel zu wenig.
Märchenerzähler, denn die sucht der deutsche Innlandsgeheimdienst händeringend müssen sich auch nirgens
melden oder gar einen Test ablegen.
Es sind vielmehr ständig Geldboten unterwegs oder stehen 24h in Alarmbereitschaft.
Es reicht völlig aus, wenn sich ein potentieller Zahlungsempfänger von Dritten Rechtsextremist nennen läßt.
Wie Trüffelschweine spüren VS-Leute dann
den Zahlungsempfänger auf und übergeben
ihm die Geldbeträge in bar.
 

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