von Redaktion
   

Verfahren gegen Lothar König eingestellt

Das Verfahren gegen Lothar König wurde am Montag vor dem Amtsgericht Dresden eingestellt. Im beiderseitigen Einverständnis hätte man sich auf eine Zahlung von 3.000 Euro geeinigt, die der Jugendpfarrer zu leisten hat. Der Aktivist, der im Laufe des Prozesses zu einer Symbolfigur für beharrliches Engagement gegen Rechtsextremismus geworden war, kündigte derweil an, auch weiter „gegen Unrecht in diesem Land“ ankämpfen zu wollen.

Der Jugendpfarrer Lothar König im Jahr 2011; Foto: Ingo Jürgensmann, Lizenz: CC BY 3.0

Der Prozess gegen den Jugendpfarrer Lothar König wird keine Fortsetzung finden. Das Strafverfahren wegen schweren Landfriedensbruches, das mit dem Prozessauftakt im April 2013 seinen Lauf nahm, wurde am Montag nach Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden durch das Amtsgericht Dresden eingestellt.

Laut Königs Verteidigung hatte der 60-Jährige diese Vorgehensweise selbst vorgeschlagen. In einer Pressemitteilung dazu heißt es:

„Motiv für die Zustimmung des Angeklagten ist, daß er aufgrund christlicher Überzeugung nach der langen Phase des Haders und des Streits, unter der nach seiner Wahrnehmung nicht nur er gelitten hat, einen Beitrag zum Rechtsfrieden leisten will. Jurisdiktion ist Menschenwerk, das fehlsam ist. Der Angeklagte läßt sich bei seiner Entscheidung von seinem umfassenden seelsorgerischen Auftrag leiten, mit dem er sein gesamtes Leben verbindet. Mit diesem Auftrag ist ein versöhnlicher Abschluß eines für alle Beteiligten massiv belastenden Ereignisses (Verfahrens) besser zu vereinbaren als „Rechthaberei“, die in diesem Falle die Suche nach irdischem Recht-Behalten wäre, obschon die Geschichte über die Ereignisse am 19. 2. 2011 – Gott sei Dank – längst hinweggegangen ist.“

 
Die Geldauflage in Höhe von 3.000 Euro werde jeweils zur Hälfte an den Justizfiskus des Freistaates Sachsen und an den Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirk in Dresden Mitte gezahlt werden. Laut Spiegel Online sei König erleichtert über die Beilegung des Streits. Der Prozess hätte ihn allerdings viel Energie gekostet, somit könne er andererseits nicht wirklich glücklich sein über das Ende des Prozesses. Der Jugendpfarrer will laut eigener Aussage auch weiterhin „Aufrührer mit Sinn und Verstand gegen Unrecht in diesem Land“ bleiben.

„Einstellung nach sächsischen Verhältnissen ein Freispruch“

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich die Nachricht derweil in rasantem Tempo. „Eine wunderbare Meldung aus Dresden. Hatz gegen Jugendpfarrer Lothar König wurde beendet“, schreibt Bodo Ramelow, der designierte Ministerpräsident von Thüringen. Die Landtagsabgeordnete Katharina König schreibt auf Facebook: „Einstellung gegen Auflagen ist nach sächsischen Verhältnissen ein Freispruch.“ Die Gruppierung „Dresden nazifrei“ stößt ins gleiche Horn: „Das ist die Bankrotterklärung der #sächsischen Verhältnisse.“

Der Prozess gegen den Mann hatte für bundesweites Aufsehen gesorgt. König, der sich seit mehreren Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus engagiert, war unter anderem vorgeworfen worden, während einer Neonazi-Demo im Februar 2011 in Dresden zur Gewaltanwendung gegenüber Polizisten aufgerufen zu haben. Wenige Monate später durchsuchten Polizisten seine Wohnung und beschlagnahmten etliche Gegenstände. Unterstützung bekam König seitdem von etlichen Gruppierungen, das Thüringer Sozialministerium verlieh ihm einen Demokratiepreis für sein „langjähriges und vielfältiges Engagement für eine demokratische Gesellschaft“.

Nachdem im vergangen Sommer rund 200 Stunden Videomaterial der Polizei aufgetaucht waren, wurde der Prozess zunächst ausgesetzt. Die Verteidigung sprach daraufhin von einer „Fälscherwerkstatt“ der Polizei, verantwortliche Polizisten hätten lediglich belastendes Videomaterial gesucht und der Akte zugefügt.  

Kommentare(2)

chaosprinzessin Dienstag, 11.November 2014, 16:38 Uhr:
gibt es ein spendenkonto? 3000€ sind ja schon ne menge geld...
 
münchhausen Donnerstag, 13.November 2014, 20:07 Uhr:
@chaosprinzessin:

Ja, es gibt ein Spendenkonto, das von der Jungen Gemeinde Stadtmitte Jena eingerichtet wurde: http://goo.gl/alAE9t
 

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