Unterstützung für rechtslastigen Fußballclub
Den Kommunalwahlkampf in Schleswig-Holstein will die rechtsextreme Partei mit Eurokrise und Rente führen – vor Ort setzt man sich für die Kieler Bollstein-Kicker ein.
In Schleswig-Holstein beginnt die NPD, ihre Aktivitäten mit Blick auf die im Mai 2013 anstehenden Kommunalwahlen zu erhöhen. Dazu wurde jetzt eigens eine neue Internetseite eingerichtet. Ob die größeres Interesse finden wird als die bisherige Homepage des Landesverbandes, darf allerdings bezweifelt werden. Wenn es an Wochenende Infotische oder Verteilaktionen gibt, so reichen die Aktivisten vor Ort bei der dünnen Personaldecke vor Ort kaum aus. Daher unterstützen sie sich gegenseitig aus anderen Kreisverbänden.
Die rechtsextreme Partei hat seit 2008 mit Hermann Gutsche im Kieler Rathaus und Kay Oelke im Kreistag von Herzogtum Lauenburg zwei Mandatsträger sitzen. Beide strotzen nicht gerade vor Arbeitseifer, was Parlamentsinitiativen angeht. Gutsches jüngste Anfrage tangiert ein städtisches Vorgehen gegen einen Freizeitverein, dessen jahrelange rechtsorientierten Auffälligkeiten erst jetzt zu Konsequenzen geführt haben. Die Rede ist vom Straßenfußballclub Bollstein Kiel. Ein Fußballturnier auf einem städtischen Sportgelände, das dem Club in den vergangenen Jahren stets genehmigt wurde, fiel erstmals ins Wasser, weil die Stadt ihre Spielfläche für die Kicker sperrte.
Hinter dem Verein steht mit Mario Hermann ein Aktivist, der vor der Bollstein-Gründung noch an der Seite von gewaltbereiten Kieler Neonazis wie etwa Peter Borchert in Erscheinung trat. Hermann wird auch als Verantwortlicher für Bollsteins Internetauftritt genannt. Nach eigenem Bekunden will Bollstein inhaftierten Rechtsextremisten wie Borchert oder dem Polizistenmörder Kay Diesner Solidaritätspakete ins Gefängnis geschickt haben. Auf der Homepage des Clubs ist in der Fotogalerie zu entdecken, dass auch schon mal mit Hitlergruß vor der Kamera posiert wird. In Club-Ansprachen war vom „antideutschen System“ die Rede.
Wegen rassistischer Äußerungen ausgeschlossen
Bei einem Bollstein-Turnier 2008 befand sich auch eine Mannschaft des Neonazi-Treffpunktes „Club 88“ aus Neumünster im Teilnehmerfeld. Während des Turniers waren offenbar fremdenfeindliche Plakate zu sehen, wie der frühere Platzwart zu berichten weiß. Dies habe er damals bereits der Stadt gemeldet, doch es hatte keine Folgen. Aus dem Jahr 2010 wird bekannt, dass die Kieler Bollstein-Kicker von einer weiteren Teilnahme an einem Freizeitturnier in Eckernförde ausgeschlossen wurden, weil sie dort mit rassistischen Äußerungen aufgefallen waren.
Trotz dieser sichtbaren rechten Tendenzen wurde den „Bollsteinern“ im Rahmen von Straßensozial- und Stadtteilarbeit noch die Betreuung eines Spielmobils in einem Freizeit- und Bewegungspark übertragen. Der harte Kern des Clubs zählt etwa 30 Mitglieder. Im Umfeld operieren aber bis zu 150 Anhänger aller Altersgruppen. Nun wollen ausgerechnet Gutsche und die NPD den Club unterstützen.
Für den Kommunalwahlkampf konzentriert sich die Partei thematisch insbesondere auf die Eurokrise oder die kontroversen Debatten über die zukünftige Rente – beides Politikfelder, bei denen Entscheidungen fernab von den Kommunen fallen.