von Redaktion
   

„Unsere Ehre ist die Treue“ - Wohin führt der Weg der NPD?

Fast zehn tage nach der verlorenen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern meldete sich gestern der gescheiterte NPD-Spitzenkandidat Udo Pastörs erstmals zu Wort. Fehler habe seine Partei im Wahlkampf nicht gemacht, analysiert der vorbestrafte 64-Jährige. Die Wortwahl des Kaders lässt derweil eine weitere Zuspitzung der politischen Auseinandersetzung vermuten.

Teilnehmer einer NPD-Demonstration mit klarer Botschaft (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Udo Pastörs flüchtet sich in Durchhalteparolen. Bereits in den nächsten Tagen werde die NPD eine Konzeption umsetzen, die dem Wegfall der Landtagsfraktion Rechnung tragen werde, teilte der bisherige Fraktionsvorsitzende gestern bei Facebook mit. „Nennenswerte Abstriche der in den letzten 15 Jahren geschaffenen Strukturen“ seien aufgrund der „wirtschaftlichen und personellen Stärke in Mecklenburg-Vorpommern“ nicht zu erwarten, ist sich der 64-Jährige sicher. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob sich die Anhänger der extrem rechten Partei tatsächlich Sand in die Augen streuen lassen. Denn das Ergebnis von drei Prozent ist ein schwerer Schlag für die ohnehin schwächelnde Partei, zumal zukünftig die Mittel für die Fraktionsarbeit – gut 1,3 Millionen Euro pro Jahr – ausbleiben werden. Mit durch Steuergeld finanzierten Bürgerbüros hatte die NPD ihren Teil dazu beigetragen, an der Ostsee Anlaufpunkte für die Szene zu schaffen.

Realitätsverlust der „Kameraden“

Den „Mitstreitern, Förderern, Wählerinnen und Wählern“ erklärt Pastörs, das schlechte Abschneiden sei den „Verführungen durch die sogenannte Alternative für Deutschland“ geschuldet. Tatsächlich hatte die AfD, für den NPD-Kader nicht mehr als eine „Trendpartei“, unter der Führung von Leif-Erik Holm nach Berechnungen von infratest dimap von der NPD gut 20.000 Anhänger abgezogen. Die NPD schrumpfte auf ihr Kernklientel, was der Parteiführung allerdings keinen Grund zur Selbstkritik liefert. Bei Pastörs heißt es, seine Mannschaft habe einen „unglaublich intensiven, hervorragend geplanten und effektiven Wahlkampf ohne Schwachstellen organisatorischer oder personeller Art geführt“, was angesichts fehlender thematischer Schwerpunkte, gefloppter Provokationen und kaum besuchter Kleinstaktionen selbst hartgesottenen Sympathisanten schwer zu vermitteln scheint.

Bereits am Wahlabend hatte der gescheiterte NPD-Spitzenkandidat angekündigt, die Aktivitäten der AfD genau zu beobachten und zu begleiten, schließlich hätten deren „Macher“ „alle Wahlkampfthemen unserer NPD zum Teil wörtlich abgeschrieben [und] zu Markte getragen“. Derweil werden in den Kommentarspalten die bekannten Verschwörungstheorien vom staatlich gesteuerten Aufbau der AfD, um die „echte Opposition“ kleinzuhalten, wiedergekäut.

NS-Vokabular inklusive

Das knappe Statement beinhaltet darüber hinaus Andeutungen für die weitere politische Ausrichtung der NPD im Land, aber auch auf Bundesebene. Den Kritikern von Parteichef Frank Franz und des vergleichsweise moderaten, auf parlamentarische Repräsentation ausgerichteten Kurses dürfte die aktuelle Lage Auftrieb verleihen. Pastörs schreibt zehn Tage nach der Wahl: „Es gilt nunmehr, jetzt erst recht jenen volkszersetzenden Kräften erneut den Kampf anzusagen, die in Politik, Wirtschaft, Bildungs- und Kulturbetrieb dabei sind, das Gesicht unserer Nation faktisch zu verändern.“ Immer wieder betont Pastörs den Gegensatz zwischen „Freund“ und „Feind“.

„Unsere Forderungen und Handlungen müssen auch in Zukunft so radikal sein, wie die Wirklichkeit gegen unsere Nation ist!“, redet der mehrfach verurteilte Pastörs einer Anti-System-Opposition das Wort. Im vorletzten Abschnitt des Textes ist die Botschaft untergebracht, auf die vor allem Hardliner gewartet haben dürften: „[...] unsere Ehre ist die Treue zu unserer Heimat und zu unserem Volk“. „Meine Ehre heißt Treue“ lautete seinerzeit der Wahlspruch der SS. Er ist in Deutschland verboten.

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