von Marc Brandstetter
   

Ungleiches Duell: Neonazi-Hooligan Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt versus Borussia Dortmund

Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt ist ein Urgestein der Dortmunder Neonazi-Hooligan-Szene. Unlängst hat der mehrfach Vorbestrafte die Kampfmontur gegen das Politikerdress getauscht – im nächsten Mai möchte er sogar in den Stadtrat einziehen. Auf seinen Werbeplakaten verwendet er die Farben schwarz-gelb und eckt damit bei Borussia Dortmund an, die nach Informationen seiner Partei rechtlich gegen die Neonazis vorgehen wollen.

Bei der Bundestagswahl am 22. September hatte die Neonazi-Partei Die Rechte, die nur in Nordrhein-Westfalen mit einer Landesliste angetreten war, keinen Grund zur Freude. Nur 2.288 Wählerinnen und Wähler entschieden sich für die Sektierer, deren wichtigstes Betätigungsfeld ohnehin auf der Straße zu liegen scheint. Dort organisieren die Neonazis, die vor allem aus verbotenen militanten Kameradschaftsstrukturen stammen, unter dem schützenden Dach des Parteienprivilegs Demonstrationen.

Als Hochburg der Rechten gilt Dortmund, wo zahlreiche Führungskader des wegen seiner Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verbotenen „Nationalen Widerstandes Dortmund“ angeheuert haben. Nach eigenen Angaben sei man in der Ruhrpottstadt bereits die „mitgliederstärkste nationale Kraft“, noch vor der NPD, die mit zwei Aktivisten im Stadtrat sitzt. Bei den nächsten Kommunalwahlen im Mai des kommenden Jahres möchte auch Die Rechte Platz in dieser Runde nehmen und schickt ihren örtlichen Vorsitzenden, den wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt, ins Rennen. Der langjährige Weggefährte von Parteichef Christian Worch machte sich als Gründer der „Borussenfront“, einer der berüchtigsten Hooligan-Gruppierungen der achtziger Jahre, einen Namen. Gleichzeitig war er im Umfeld der verbotenen „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“ (NSA/NA) Michael Kühnens aktiv, in der sich auch Worch an führender Stelle engagierte.

Bereits jetzt rührt der 59-Jährige die Werbetrommel und wirbt mit dem Spruch „Von der Südtribüne in den Stadtrat“ um Stimmen. Die Zeilen wurden mit den Farben schwarz und gelb hinterlegt. Diese Gestaltung hat offenbar die Verantwortlichen von Borussia Dortmund auf den Plan gerufen. Nach Aussage des „DortmundEcho“, einem rechtsextremen Internetportal aus dem Dunstkreis der Rechten, sei Worch ein Brief des BVB-Geschäftsführers Joachim Watzke zugegangen. Der Fußballverein sehe eigene Rechte verletzt, da „typische Gestaltungsmerkmale von Borussia Dortmund übernommen“ worden wären, heißt es dazu. „Die Rechtsabteilung der Rechten“ würde der Vereinsführung des letztjährigen Champions League-Finalisten derzeit erörtern, so das „DortmundEcho“ weiter, „warum ihr Versuch, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, zum Scheitern verurteilt“ sei.

Borussia Dortmund wollte sich hierzu nicht äußern. Zu laufenden Rechtsfragen gebe der Club keine Stellungnahme ab, hieß es aus der Geschäftsstelle. Derweil drohen die Aktivisten der Rechten, weiter an der Eskalationsschraube zu drehen: „In der heißen Wahlkampfphase im kommenden Frühjahr werden sich Watzke und Co an zahllosen Straßenlaternen in der ganzen Stadt erfreuen, von denen ihnen das Konterfei Siegfried Borchardts entgegenlachen wird, zusammen mit dem Spruch: "Von der Südtribüne in den Stadtrat!"“ [sic!] Passend dazu ist „SS-Siggi“ seit heute wieder mit einem Facebook-Profil am Start, von dem das umstrittene Motiv als Hintergrundbild verwendet wird. Seine alte Fanseite hatte der Konzern zuvor gelöscht.

Kommentare(3)

Björn Montag, 07.Oktober 2013, 17:25 Uhr:
Solange sich der BVB nicht die Farben markenrechtlich hat schützen lassen, wird Herr Watzke wohl damit auf die Nase fallen. Zudem müsste das Gelb und das Schwarz auf dem Plakat genau die gleiche Mischung haben, wie die Farben des BVB.

Alles in allem wohl eine willkommene Wahlwerbung für "Die Rechte".
 
Roichi Dienstag, 08.Oktober 2013, 06:33 Uhr:
@Björn

Mal wieder in Gefilden unterwegs, von denen du nichts verstehst.
Der Verweis auf die Südtribüne ist ja wohl eindeutig.
Sehen wir also mal, was rauskommt, und nicht was Orakel Björn so prophezeit.
 
Amtsträger Dienstag, 08.Oktober 2013, 07:16 Uhr:
Es geht bei dem Wahlplakat nicht nur um die Farben allein. Das steht auch so im Artikel. Tatsächlich geht es um die Gesamtkonposition von Farbe, Schrift und Begrifflichkeiten.

Alles in allem ein klarer Kurs des Vereins, der sich von rechtsextremen Tendenzen deutlich abgrenzt.

Im politischen Umfeld ist negative Publicity übrigens negative Publicity. Sich über derartige Nachrichten zu freuen ist sehr verwunderlich...
 

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