„Ungewöhnliche“ Zusammenarbeit

Wenn es gegen Salafisten geht, sind sich unterschiedliche Fraktionen der extremen Rechten rasch einig: die neurechts-völkische „Identitäre Bewegung“ (IB), die Islamfeinde von der „German Defence League“ (GDL) und Vertreter rechtspopulistischer Kleinparteien. Auch rechtsradikale Fußball-Hooligans mischen immer stärker mit.

Freitag, 04. April 2014
Tomas Sager

Wo Pierre Vogel, das personifizierte Aushängeschild salafistischer Gruppen in Deutschland, derzeit auftritt, hagelt es Protest. Abu Hamza, wie sich Vogel nennen lässt, seitdem er zum Islam konvertiert ist, will eine ultrakonservative und frühmittelalterliche Koran-Interpretation an die potenziellen „Brüder“ oder „Schwestern“ bringen. Demokratische Parteien und Verbände machen dagegen mobil, auch Muslime, die wissen, dass, wer heute der radikalen Minderheit rund um Hassprediger Vogel zujubelt, sich morgen vielleicht zum „Heiligen Krieger“ ausbilden lässt.

Doch auch extrem rechte Gruppen machen mobil. Zum Beispiel in Hannover am vorigen Wochenende, wo Vogels islamistischer Verein „Schlüssel zum Paradies“ zu einer Kundgebung aufgerufen hatte. „Identitäre“ waren in der niedersächsischen Landeshauptstadt ebenso mit von der Partie wie Mitglieder der GDL, der rechtspopulistischen Wählergemeinschaft „Die Hannoveraner“ und von „pro Deutschland“. „Ein besonderes Augenmerk richtete die Polizei auf eine Gruppe von etwa 15 gewaltbereiten Fußball-Hooligans“, berichtete die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. Sie hätten offensichtlich die Absicht verfolgt, mit ihrer Präsenz die Teilnehmer der salafistischen Kundgebung einzuschüchtern.

„Miteinander gegen unsere gemeinsamen Feinde kämpfen“

„Identitäre“ und „Defence League“ feierten die Zusammenarbeit. Die GDL jubelte auf ihrer Facebookseite: „Erste gemeinsame Demoteilnahme zwischen der German Defence League und der Identitären Bewegung. Der Anfang wurde gemacht alle Kräfte zu bündeln. So muss es weiter gehen!!!“ Stolz präsentierte man Fotos, die Fahnenträger beider Organisationen nebeneinander zeigten. Auch das Islamhasser-Blog „Politically Incorrect“ (PI) freute sich: „Ein erster und wichtiger Schritt zur Bündelung aller aktiven Kräfte.“ Die PI-Autorin von der GDL konstatierte, auch wenn „unsere Organisationen zu diversen Themen verschiedene Ansichten haben“, werde das „uns nicht davon abhalten, miteinander gegen unsere gemeinsamen Feinde zu kämpfen“.

In Hannover blieb es bei Eierwürfen, Beleidigungen und einer versuchten Körperverletzung. Die Polizei verhinderte ein direktes Zusammentreffen von Rechten und Salafisten. Eine Woche zuvor war die Sache nicht so glimpflich ausgegangen. In Mannheim nahm die Polizei vier Hooligans fest, die eine Kundgebung mit Vogel attackieren wollten. 16 Hools wurden außerdem bis zum Ende der Veranstaltung in Gewahrsam genommen. An die 200 rechte Fußball-Hooligans – „größtenteils polizeibekannt“, wie die „Badische Zeitung“ zu berichten wusste – standen 400 salafistischen Demonstranten gegenüber. Die Hooligans waren aus verschiedenen Städten angereist und hatten die Teilnehmer der Kundgebung sowie Polizeibeamte massiv provoziert. Flaschen und  Feuerwerkskörper flogen. Fünf Beamte wurden verletzt, unter anderem weil die „Deutschland den Deutschen“ skandierenden Randalierer in der Menge Böller zündeten und Reizgas sprühten.

„Voller Erfolg im Kampf gegen Islamisten“

Nicht nur angebliche Fußball-„Fans“ aus Mannheim waren vor Ort – auch aus Stuttgart, Frankfurt, Kaiserslautern und Karlsruhe waren offenbar Hooligans angereist. Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ fand deren gemeinsamen Auftritt „angesichts der Feindschaft zwischen diesen Gruppen ungewöhnlich“.

Die Neonazi-Kleinstpartei „Der III. Weg“ freute sich hingegen unter der Überschrift „,Dritte Halbzeit’ für Salafisten in Mannheim“ über diese Art Feindbildsuche durch die „Freunde des grünen Rasensports“. Bei PI war man gar begeistert: „Angekommen in Mannheim, brauchten wir nur einen Block zu laufen, um auf eine laute, sehr beeindruckende Wand von cirka 150 Fußballfans aus Mannheim, Kaiserslautern, Karlsruhe, Stuttgart und Frankfurt zu stoßen. Zur Erinnerung: Auf anderen islamkritischen Veranstaltungen in der Rhein-Neckar-Region oder generell in Deutschland, wurden solche Teilnehmerzahlen nicht im Ansatz erreicht, mit ganz wenigen Ausnahmen in NRW.“ Mannheim sei „als voller Erfolg im Kampf gegen Islamisten in Deutschland zu werten“.

„Die unternehmen jedenfalls etwas gegen dieses Pack“

Gefallen an den Ereignissen hatte offenbar auch ein für die Facebookseite von „pro NRW“ verantwortlicher Rechtspopulist mit Affinität zur rechten Fußballszene gefunden. Die Hooligans seien „in den Farben getrennt, im Kampf für die Heimat vereint“, meinte er. Und weiter: „Auch wenn diese Fangruppen ,auf dem Platz’ Rivalen sind, beim Thema Salafisten sind sich die Fußball-Fans einig: ,Wir wollen keine -Salafisten-S.....’“ Ein Kommentator machte deutlich, wo die Sympathien für die Hooligans herrührt: „Die unternehmen jedenfalls etwas gegen dieses Pack, und ziehen nicht den Arsch ein.“

Eine Art Blaupause für Mannheim hatte sechs Wochen zuvor Mönchengladbach geliefert. Nach einer Kundgebung mit Vogel in der Stadt am Niederrhein berichtete die Polizei über eine „Gruppierung von cirka 150 Störern, die nach ersten Erkenntnissen mit einer Vielzahl von Hooligans durchsetzt war“. Die Gruppe habe versucht, zum Versammlungsort der Salafisten vorzudringen, was die Polizei verhindern konnte. Medienberichten zufolge gehörten zu den Randalierern auch Anhänger der GDL. Bierflaschen und Feuerwerkskörper flogen, Pyrotechnik wurde gezündet. „,Deutschland, Deutschland’-Rufe und Pyrotechnik sorgten für das passende Ambiente“, befand das neonazistische Internetportal „Wacht am Rhein“. PI machte ähnliche Beobachtungen: „Abgefeuerte Bengalos und Bierflaschen-Wurfgeschosse“ hätten die Salafisten „in arge Bedrängnis“ gebracht.

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