von Tim Schulz
   

Ungetrübt Media – dubiose Medienmacher vom rechten Rand

Seit einigen Wochen gibt es im Netz eine weitere „Informationsquelle“ weit rechtsaußen. Hinter dem Blog „Ungetrübt Media“ stehen allerdings keine Journalisten, sondern ein Netzwerk aus bekannten Neonazis mit Verbindungen zu einer AfD-Splitterpartei.

Mit von der Partie: Neonazi und Ex-NPD-Kader Alexander Kurth

Mitte Mai ging die recht unscheinbare Website unter der Domain „ungetruebtmedia.blog“ online. Seitdem werden dort kurze Meldungen mit deutlichem Rechtsdrall gepostet. Eine Pegida-Aktivistin und Anhängerin von Ex-AfD André Poggenburg steuert polemische Gastbeiträge bei und auf Facebook senden die „Ungetrübten“ täglich Nachrichten-Kommentare aus dem heimischen Wohnzimmer. Rund 2.000 Personen folgen dem „Medienportal“ auf der Social-Media-Plattform.

Nach rechtsaußen grenzt man sich bei „Ungetrübt Media“ augenscheinlich nicht ab: In den Beiträgen ist etwa Sprache von „Kulturfremden“ und „Kriminellen aus dem Morgenland“, ein Autor wünscht sich eine „Volksgemeinschaft im Kleinen“ – ohne Migranten, wie er impliziert. Dass der AfD-Landtagsabgeordnete Roger Beckkamp den ehemaligen Vize-Chef der vom Verfassungsschutz beobachteten „Bürgerbewegung Pro Köln“ als Mitarbeiter beschäftigt, kommentierten die Blogger äußerst wohlwollend, schließlich sei der vorbestrafte Rechtsextremist ein „patriotisches Urgestein“. Die Linie ist klar.

Vorbestrafte Neonazis als objektive Journalisten?

Und überraschen dürfte sie kaum: Hinter dem Blog stehen nämlich keine Journalisten, sondern Alexander Kurth und Jens Wilke. Die beiden Aktivisten bildeten mit dem zwischenzeitlich inhaftierten Neonazi David Köckert das Führungstrio des rechtsextremen Pegida-Ablegers „Thügida/Wir lieben Sachsen“. Aktiv ist "Thügida" mittlerweile nicht mehr. Zuletzt versuchten sie bei der kurzlebigen Neugründung der sächsischen Republikaner mitzumischen.

Kurth und Wilke können auf bewegte Neonazi-Karrieren zurückblicken. Ersterer war lange Zeit NPD-Kader in Leipzig, bis er selbst für die Führung der rechtsextremen Partei untragbar wurde und sie aufgrund mehrerer Haftstrafen in einer regelrechten Schlammschlacht verließ. Darauf folgte ein kurzes Intermezzo bei Die Rechte.

Sein Mitstreiter Wilke ist Gründer der Neonazi-Gruppe „Freundeskreis Niedersachsen/Thüringen“, gegen die über einige Jahren wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe ermittelt wurde. Polizeikräfte durchsuchten dabei mehrfach die Privaträume des vorbestraften Rechtsextremisten. Die Anklage gegen die rechten Aktivisten wurde allerdings fallen gelassen. Erst im Februar kam es erneut zu einer Razzia bei Wilke.

Der Dritte im Bunde ist laut Impressum Jan Philipp Jaenecke. Auch er wird dem Umfeld des neonazistischen „Freundeskreises“ zugerechnet, war zwischenzeitlich aber auch Mitglied einer Göttinger Studentenverbindung und Kandidat der Jungen Alternative zu den örtlichen Hochschulwahlen. Die Gruppe war lange Zeit unter der Führung des skandalträchtigen Ex-AfD-Rechtsaußen Lars Steinke.

Mit „Presseausweisen“ unterwegs

Derweil ist man bei „Ungetrübt Media“ sichtlich um eine professionelle Fassade bemüht – und manchmal verfängt die Strategie. Bei einem rechten Aufmarsch in Northeim gerierte sich Jens Wilke als „Reporter“ und gelangte dank eines inoffiziellen Presseausweises durch die Polizeiabsperrung zum Gegenprotest. Unter dem Schutz der Beamten filmte er dort Gegendemonstranten, wie das Göttinger Tageblatt berichtete. Und man sieht sich auf Expansionskurs: Die „Medienmacher“ von „Ungetrübt“ werben um Mitstreiter, man brauche „mindestens 10 Unterstützer in der Mannschaft“. Weitere Medienausweise lägen bereit.

APDM – die nächste Station?

Weder der rechtsextreme „Freundeskreis“ noch die wiederbelebten Republikaner verheißen noch größere Erfolgsaussichten. Kaum verwunderlich also, dass sich Kurth und Co. der nächsten Kleinstpartei am rechten Rand zuwenden: André Poggenburgs „Aufbruch deutscher Patrionten Mitteldeutschland“. Schon der Gründungsveranstaltung der AfD-Abspaltung wohnten die beiden Neonazis bei und vor allem Kurth trat zuletzt immer wieder im Umfeld der Kleinstpartei auf. Ob als Ordner auf Mini-Demonstrationen oder beim Verteilen von Flyern – Kurth scheint die Splitterpartei als nächste Station auserkoren zu haben. Eine Abgrenzung gegenüber Rechtsextremen muss er bei Poggenburgs Partei ohnehin nicht fürchten.

Für den APDM, der im Vorfeld der Landtagswahlen sichtlich um Aufmerksamkeit kämpft, könnte das Blog zu einem weiteren Sprachrohr werden – vorausgesetzt, es schafft den Sprung aus der Bedeutungslosigkeit. So griffen die „Journalisten“ bereits die letzte Kleinst-Demonstration in Leipzig auf und versuchten mit suggestiven Fragen an die Leipziger Polizei Poggenburgs Behauptungen über vermeintliche, „bewaffnete Linksextremisten“ in der sächsischen Stadt zu untermauern. Da passt es auch, dass das erste „Pressefest“ von „Ungetrübt Media“ auf dem Gutshof des ehemaligen AfD-Landeschefs im sachsen-anhaltischen Stössen stattfinden soll.

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