Unchristliche Brüder

In den Reihen der fundamentalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. finden sich immer wieder Verbindungen ins rechtsextreme Lager.

Donnerstag, 05. Februar 2009
Anton Maegerle

Die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. sorgt für weltweite Schlagzeilen. Einer der Bischöfe ist der britische Holocaust-Leugner Richard Williamson, der seit sieben Jahren ein Seminar seiner Bruderschaft im argentinischen La Reja leitet. In einem Interview mit einem schwedischen Fernsehsender äußerte er: „Ich denke, dass 200 000 bis 300 000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben sind, aber nicht ein einziger in den Gaskammern.“ Das Interview mit Williamson wurde im November 2008 im oberpfälzischen Zaitzkofen aufgenommen. Dort ist seit 1978 im ehemaligen Schloss das Priesterseminar Herz Jesu der Priesterbruderschaft St. Pius X. untergebracht. 22 Theologiestudenten bereiten sich aufs Priestertum vor, rund 100 haben hier ihre Ausbildung genossen. Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt gegen Williamson wegen Volksverhetzung. In einschlägigen Kreisen ist Williamson seit Jahren für die Verbreitung von Verschwörungsmythen in Bezug auf Freimaurer und Juden, auf den 11. September 2001 und den Holocaust bekannt.

Kurz nach Ausstrahlung des Interviews mit Williamson im Januar, outete sich ein weiteres Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X. als Holocaust-Leugner: „Ich weiß, dass es die Gaskammern gegeben hat, zumindest zur Desinfizierung. Ich kann aber nicht sagen, ob darin Menschen getötet wurden oder nicht, weil ich die Angelegenheit nicht vertieft habe“, sagte Pater Floriano Abrahamowicz, Kopf der Bruderschaft in den nordöstlichen Regionen Italiens im Interview mit der Tageszeitung „La Tribuna di Treviso“. „Die Opferzahl“, so Abrahamaowicz, „stammt vom Leiter der jüdischen Gemeinschaft Deutschland, der sie den amerikanischen und britischen Kräften mitgeteilt hat. In der Eile hat er eine Zahl genannt. Wie konnte er aber genau wissen?“ Juden sind im Glaubensgebäude der rechtsklerikalen Pius-Brüder Gottesmörder, solange sie sich nicht bekehren lassen.

Im Juni 2008 sagten die Pius-Jünger in letzter Sekunde eine Vortragsveranstaltung in der Kirche St. Maria Himmelfahrt des Priorats St. Athanasius in Stuttgart ab. Wieder ausgeladen wurde der bekannte österreichische Rechtsextremist Richard Melisch, Buchautor des geschichtsrevisionistischen Grabert Verlages, Dauerreferent in NPD-Kreisen und Autor des NPD-Organs „Deutsche Stimme“. Melisch sollte zu seinem Lieblingsthema „Gefahren der Globalisierung“ reden. Im Einladungstext zu der Veranstaltung wurde Melisch gelobt, dass er den „Angriffskrieg und die Schlussoffensive der Globalisierer, ohne Herumtasten hinter finsteren Kulissen der Weltpolitik“ und „ohne Verweis auf alle möglichen und unmöglichen Verschwörungstheorien“ behandele. Denn, so hieß es in der Einladung, „diese Kriegserklärung liegt jetzt schriftlich vor, die Betreiber der Welteroberung durch Globalisierung haben sich selbst enttarnt: Es ist die Allianz von Pentagon & Wall Street, die schon so siegessicher ist, dass sie ihrem Chefstrategen erlaubte, sowohl ihre Welteroberungspläne als auch die dazu führende Strategie zu veröffentlichen.“ Das 1981 gegründete Priorat St. Athanasius ist seit 1984 deutscher Distrikt der Pius-Jünger.

In Frankreich pflegt die Priesterbruderschaft seit langen Jahren Kontakte zum rechtsextremen Front National von Jean-Marie Le Pen. Auf der Sympathisantenliste der Pius-Brüder stehen unter anderem Roger Holleindre, Mitbegründer des FN und Bruno Gollnisch, langjähriges Mitglied des FN-Politbüros. Gollnisch wurde 2007 wegen Leugnung des Holocaust zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es, dass Gollnisch die Zahl der von den Nazis getöteten Juden und den Einsatz von Gaskammern in Frage gestellt habe. Mitte der 80er Jahre verteidigte das damalige Mitglied der Bruderschaft Philippe Laguerie die Thesen des Holocaust-Leugners Robert Faurisson. 1989 wurde der letzte große Kriegsverbrecher Frankreichs, Paul Touvier, früherer Milizchef von Lyon, in einem Kloster der Priesterbruderschaft in Nizza verhaftet. Nach seinem Tod führten die Brüder eine Totenmesse für den ehemaligen NS-Kollaborateur durch. Touvier hatte in Lyon während der Vichy-Zeit eng mit dem NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie zusammengearbeitet. Noch heute wird von den französischen Pius-Brüdern Marschall Petain, Kopf des Vichy-Regimes während der deutschen Besatzung, verehrt.

                                                                                            Anton Maegerle

 

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