Unbotmäßiger AfD-Nachwuchs

Düsseldorf – Die „Junge Alternative“ in NRW, Nachwuchsorganisation des AfD-Landesverbands, hat einen Politiker der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) zu einer Veranstaltung eingeladen.

Donnerstag, 09. Oktober 2014
Redaktion

Nationalratsmitglied Lukas Reimann (32) soll am 15. November beim „Zweiten Europapolitischen Forum“ der nordrhein-westfälischen „Jung-Alternativen“ in Düsseldorf sprechen. Reimann gehörte 2007 zu den Wortführern der Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“, die schließlich zum Verbot von Minaretten in der Schweiz führte. „Der Islam greift nach Europa, obwohl er nicht nach Europa gehört. Der Islam verändert unsere Kultur, obwohl er nicht vereinbar ist mit unserer Kultur“, hatte er seinerzeit erklärt. Im Jahr darauf sorgten zudem antiziganistische Äußerungen Reimanns, der seit 2007 dem Schweizer Parlament angehört, für Kritik.

AfD-Chef Bernd Lucke hatte sich erst vor wenigen Tagen im Gespräch mit einer Schweizer Zeitung verbal deutlich von der SVP abgegrenzt. Auf die Frage, ob seine Partei die SVP Deutschlands sei, hatte er gesagt: „Ich bin offen gestanden erschüttert, wenn Sie diesen Vergleich anstellen.“ Er habe SVP-Plakate gesehen, mit denen die Partei Stimmung gegen Muslime mache und das „geradezu in hetzerischer Art und Weise“. Die AfD mache anders als die SVP „keine Stimmung gegen Menschen“.

Nicht zum ersten Mal lädt die „Junge Alternative“ (JA) einen Gast ein, der bei der Parteispitze weniger gern gesehen wird. Im Frühjahr hatte man Nigel Farage, den Anführer der rechtspopulistischen UKIP, bei einer Veranstaltung in Köln auftreten lassen. In der Folge hatte die AfD-Spitze versucht, an der JA vorbei eine eigene Nachwuchsorganisation aufzubauen. Bisher ohne erkennbaren Erfolg. Im Gegenteil: Am vorigen Wochenende freute man sich bei der JA, dass man mittlerweile von vier AfD-Landesverbänden – außer in NRW noch im Saarland, in Hamburg und Baden-Württemberg – von der Partei offiziell anerkannt sei. (rr)

Kategorien
Tags