Üble Hetze und Drohungen

Linnich – In Linnich (Kreis Düren) sind am Sonntag rund 60 Rechtsextremisten und Hooligans einem Aufruf der durch die NPD und Hooligans initiierten „Bürger stehen auf“ gefolgt.

Montag, 27. Juni 2016
Redaktion

Anders als Ende 2015 bei einer ersten Aktion gelang es den rechtsextremen Initiatoren diesmal nicht, nennenswert Normalbürger aus der Kleinstadt und den umliegenden Orten zur Teilnahme zu bewegen. War die erste Demonstration noch ein Schulterschluss verschiedener rechter Spektren in Nordrhein-Westfalen (bnr.de berichtete), trat im Frühjahr bei einem zweiten Aufmarsch der „Bürger“ in Erkelenz (Kreis Heinsberg) die rechtsextreme Prägung noch deutlicher hervor.

Am Sonntag gehörten die NPD-Politikerinnen Ricarda Riefling (Rheinland-Pfalz) und Jacky Süßdorf (Saarland) zu den Rednern. Aus Ostdeutschland angereist war der sächsische Landeschef der Neonazi-Partei „Die Rechte“ und Mitwirkende bei „Thügida“- und „Legida“-Aufzügen Alexander Kurth. Kurth nannte unter dem Jubel der rund 60 „Kameraden“ Medienvertreter „Prostituierte dieses Regimes“, deren Brot „das Brot der Lügen“ sei. „Möget ihr an diesem Brot ersticken!“ Bundeskanzlerin Merkel nannte er eine „vollkommene Irre“, Vize-Kanzler Gabriel einen „verhinderten Sonderschüler“.

Der „Volkszorn“ an der Tür des Bundeskanzleramtes

Die „Volksverräter“ in der Politik gehörten eingesperrt „oder in eine Nervenheilanstalt“. Von Revolutionsphantasien beseelt und vom Applaus angespornt diffamierte Kurth in einer zweiten Rede kurz vor dem Ende des Aufmarsches die Mitglieder des Bundestages als „politische Inzucht in dieser Laberbude“. Sollte der „Volkszorn“ dereinst an die Tür des Bundeskanzleramtes klopfen, dann gebe es nur eines: „Knüppel aus dem Sack, aufs Lumpenpack!“

Während Hooligans und Rechtsextremisten aus dem Großraum Aachen am Sonntag in der Unterzahl blieben, waren viele der Demonstranten aus Sachsen, Norddeutschland und Teilen Nordrhein-Westfalens angereist. Vor Ort waren etwa der bundesweit vernetzte Hooligan-Aktivist Marcel K., genannt „Captain Flubber“, aus Bremen, die Organisatorin eines Pegida-Ablegers aus Mönchengladbach, Simone H., sowie Rieflings Lebensgefährte, der rheinland-pfälzische NPD-Landeschef Markus Walter.

Teilnehmerin des Aufmarsches war eine in den letzten Monaten wieder häufiger rechten Aktionen in NRW beiwohnende Ex-Porno-Aktrice, die unter anderem als „Kitty Blair“ (bnr.de berichtete) bis heute im Erotikbusiness tätig ist. (mik)

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