von Redaktion
   

Überraschung oder Krawalle mit Ansage? Hooligan-Randale in Leipzig

„Völlig unvermittelt“ seien die gewalttätigen Hooligans gestern laut dpa in den Leipziger Stadtteil Connewitz eingefallen. Dabei werden immer mehr Hinweise bekannt, dass sich die Szene anlässlich des Legida-Aufmarsches in den Sozialen Medien zu den gezielten Angriffen verabredet haben könnte. Dort ist etwa von einem „Sturm auf Leipzig“ die Rede.

Die Legida-Demonstration - Lutz Bachmann mit seinem berüchtigten Schild (Foto: Visual Change)

57 Straftaten listet der Polizeibericht zu den gestrigen Ausschreitungen in Leipzig-Connewitz auf. Die Taten seien „in Gänze“ als schwerer Landfriedensbruch zu werten. Außerdem stellten Beamte Verstöße gegen das Versammlungs-, Waffen, Sprengstoff- oder das Betäubungsmittelgesetz fest. Von 211 Personen nahm die Polizei die Personalien auf. Die Verdächtigen seien zuvor eingekesselt worden, um sie anschließend zur Wache zu bringen, teilte ein Sprecher mit. Dabei sei der eingesetzte Bus von „Linksautonomen“ angegriffen und massiv beschädigt worden.

Massive Krawalle

Zuvor hatte der links-alternativ geprägte Stadtteil die wahrscheinlich schwerste Randale seit mehreren Jahren erlebt. 250 teilweise vermummte Gewalttäter, die von der Polizei der Hooligan bzw. der militanten Neonazi-Szene zugerechnet werden, zerschlugen Schaufensterscheiben oder steckten Autos in Brand. Vielen von ihnen seien bereits aktenkundig gewesen.

Die Feuerwehr rückte zu mehreren Bränden aus, die vermutlich auf den massiven Einsatz von Pyrotechnik zurückzuführen sind. Neben einem Imbissstand verwüstete der Mob Kneipen und andere Geschäfte in der und um die Wolfgang-Heinze-Straße. Bei den Ausschreitungen, die wohl gegen 19.20 Uhr begonnen hatten, wurden auch Barrikaden gebaut. Die Sicherheitskräfte antworteten mit auffahrenden Wasserwerfern, mehrere Straßen wurden dichtgemacht. Ein Hubschrauber kreiste über dem Geschehen.

Verwüstete Straße (Foto: Tim Wagner)

Polizei offenbar überrascht - trotz möglicher Hinweise

Die Polizei wertete die Angriffe als „unvorhergesehenes Ereignis“. Ähnlich die Deutsche Presseagentur, die von einer „völlig unvermittelten“ Situation sprach. Überrascht von dieser Sichtweise zeigte sich indes der Störungsmelder. Auf Twitter berichtete der von der Wochenzeitung Die Zeit betriebene Blog von einer Ankündigung des Angriffs durch die „Brigade Halle“. Zu sehen ist ein Tweet einer Neonazi-Seite, die zu einem „Sturm auf Leipzig“ mobilisiert.

Die „Freie Kameradschaft Dresden“ setzte für ihren Aufruf ebenfalls auf ein Soziales Medium – in diesem Fall Facebook. Dort posteten die Neonazis eine schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Text „Unser Land bekommt ihr nicht!! Es beginnt... Holen wir unser Land zurück!“ [sic!]. Ferner ist die Rede von einer „ganz guten Überraschung, falls diese Informationen stimmen sollten“.

Hetze bei Legida

In Zentrum der Messestadt versammelten sich derweil maximal 3.400 Legida-Anhänger, wie die Initiative "Durchgezählt" mitteilte. Unter den „Spaziergängern“ befand sich der Kopf von Pegida, Lutz Bachmann, der, wie Zeugen berichten, ein Schild mit der Aufschrift „Rapefugees not welcome“ getragen haben soll. Das Motiv hatte jüngst die Justiz auf den Plan gerufen.

Der Demonstrationszug in Leipzig (Foto: Visual Change)

In einer der ersten Reihen lief außerdem die frühere Pegida-Kandidatin zur Oberbürgermeisterwahl in Dresden, Tatjana Festerling, die nach Angaben der Leipziger Volkszeitung muslimische Flüchtlinge pauschal als „Sextouristen“ verunglimpft habe. Weiter zitiert die taz aus der Rede der Scharfmacherin, die von Jubel begleitet gewesen sei: „Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, würde sie zu Mistgabeln greifen und die volksverräterischen Eliten aus den Parlamenten, Gerichten und Kirchen vertreiben“. Bei einem derart aufgeputscht-aggressiven Klima kann es kaum verwundern, dass am Rande der Demonstration eine Reporterin des MDR nach Angaben des Senders ins Gesicht geschlagen wurde.

Kommentare(9)

BrechtLeser Dienstag, 12.Januar 2016, 17:53 Uhr:
Medienecho im Winter 2015:
Eine neue Form des Linksextremismus in Leipzig.
Medienecho Heute:
Einige Hooligans und Rechtsextreme in Leipzig.
 
BrechtLeser Dienstag, 12.Januar 2016, 20:56 Uhr:
Ich meinte Linksterrorismus.
 
Rostockä Mittwoch, 13.Januar 2016, 13:41 Uhr:
Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Berichterstattung über politische Gewalt in Leipzig etwas unproportional ist.

Während Leipzig szeneintern von der linksextremen Plattform Indymedia als "Randalmeister" 2015 bejubelt wurde, scheinen die Angriffe von rechten Hools ein größeres Medienecho zu bilden als die Ausschreitungen der linken Szene.

Wir erinnern uns:

2015 gab es etliche Anschläge auf Bahnanlagen um die Anreise von Legida Teilnehmern zu verhindern. Etliche Überfälle auf vermeintliche Rechte. Zum Beispiel dreimal auf Alexander Kurth, einmal auf Herrn Radestock, der danach aus Angst um sich und seine Familie die NPD verließ, die Verwüstung der Wohnung von Herrn Rösler (ehemals Legida) mehrere Überfälle auf die Polizei Station in Connewitz, einen Angriff auf die Wohnung eines sächsischen Ministers in Leipzig, mehrere "spontane" Ausschreitungen mehrerer hundert Linker in der Stadt, bei denen unter anderem etliche Behörden angegriffen wurden. Brandanschläge auf Autos, Angriffe auf rechte Demontstrationsteilnehmer und am 12.12. die großen Krawalle mit Dutzenden verletzten Polizisten gegen die rechte Demo am Rande von Connewitz.

Und nun haben wir diesen Angriff der Hools, der wohl als Racheakt zu verstehen ist und der in seiner medialen Beachtung alle vorgenannten linken Ausschreitungen überstrahlt.
Da fragt man sich natürlich warum dem so ist...
 
Roichi Mittwoch, 13.Januar 2016, 15:34 Uhr:
@ Rostockä

"scheinen die Angriffe von rechten Hools ein größeres Medienecho zu bilden als die Ausschreitungen der linken Szene."

Also lesen ist nicht deine Stärke, oder?
Es wurde oft genug berichtet, wenn in Leipzig Ausschreitungen stattfanden. Gerne auch mit der vom BrechtLeser kritisierten Wortwahl. Und vor allem mit der Relativierung.
Alle deine Fälle waren dabei.
Es ist also nur deine Wahrnehmung, die dich täuscht.
 
BrechtLeser Mittwoch, 13.Januar 2016, 20:34 Uhr:
@Rostockä
Indymedia ist nicht szeneintern. Jeder kann auf die dortigen Berichte zugreifen, und sogar selber welche verfassen. Klar ist es ein linkes Szeneportal, aber nicht intern...
Außerdem ist die suggerierte Homogenität nicht gegeben. Würde man Kommentare lesen, würde man mitbekommen, das Straftaten von einer weiten Leserschaft nicht gut geheißen werden. Übrigens interessant, dass sich viele national gesinnte diese Plattform aussuchen um ihre Meinung kund zu tun.
Um es noch einmal kurz zu fassen niemand weis wer genau den Artikel verfasst hat. Zudem wird das darin gefeierte Vorgehen von vielen Menschen nicht mitgetragen.

250 organisierte Rechte und Hooligans, welche einen Straßenzug verwüstet haben, und extra aus ganz Sachsen mobilisiert wurden ( exemplarisch Dresdener ) sind aber anscheinend nach deiner Meinung keiner Nachricht würdig? Es ist wichtiger von ihnen abzulenken und mit dem Finger auf Andere zu zeigen. Ich warte ja beinahe noch auf einen Rechtfertigungsversuch.
Aber halt: mit "Racheakt" hast du ja schonmal ne Vorlage geliefert.

Mal sehen, wie sich deine Argumentation weiter entwickelt. Immerhin scheinst du die armen 250 Rechten ja schon mal in die Opferrolle stilisiert und Lügenpresse impliziert.
 
Rostockä Donnerstag, 14.Januar 2016, 13:11 Uhr:
Lieber Brecht Leser,

Indymedia ist natürlich eine linksextreme Szene Plattform. Von Extremisten für Extremisten. Sie können dort zwar auch selbst etwas schreiben, doch wird es, wenn es nicht der Ideologie der Verantwortungsträger entspricht, umgehend gelöscht.

Auf dieser Plattform wird nicht nur regelmäßig zu Gewalttaten aufgerufen, sondern sie dient auch zum Verbreiten von Selbstbezichtigungsschreiben nach Gewalttaten und Überfällen.
Die Kommentarspalten laufen über von Gewaltfantasien gegen die Feindbilder der linken Szene. Altermedia wurde für deutlich weniger dicht gemacht. Bei Indymedia hat man es staatlicherseits wohl nicht so eilig.

Aber mir ging es eher um die unproportionale Berichterstattung zu diesen Vorfällen.
Und natürlich sollen auch Vorfälle von Rechten medial beleuchtet werden. Ich empfinde nur die Gewichtung als sehr schief. Als wenn manch ein Medium linke Gewalt lieber verschweigt und dafür über rechte umso umfangreicher und spekulativer berichtet.

Wie sie auf eine Opferrolle kommen, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Und auch das Motiv der Rache sollte auch für sie naheliegend sein, wenn man die vielen Überfälle der Linken auf ihre Kontrahenten alleine im letzten Jahr in Leipzig bedenkt.

Allerdings ist Rache auch keine Rechtfertigung. Wie sie darauf kommen bleibt mir schleierhaft. Ihre ganze Reaktion lässt auf einen antrainierten Reflex schließen. Wer nicht pro links ist, ist automatisch rechtsextrem. Sehr beliebt in der extremen Linken...
 
BrechtLeser Donnerstag, 14.Januar 2016, 17:56 Uhr:
@Rostockä
1.) Ich bleibe dabei, dass das Portal nicht intern ist. Die Szeneverbundenheit habe ich nie bestritten. Das solche Seiten administriert werden ist auch ganz klar.

2.) Ist ja schön und gut, hat nur leider wenig mit meiner Argumentation zu tun ( Mein O-Ton: " Nicht jeder Linke, oder auf Indymedia Aktive ist Gewaltäter" Ihr O-Ton: Die Plattform ist homogen gewaltverherrlichend etc.")
Zudem gibt es mittel und Methoden, die Indymedia auch öffentlich publiziert, wie man als Serverbetreiber für Deutsche Strafverfolgungsberhörden nur schwer zu fassen / abzuschalten ist. Als anderes Beispiel dienen z.b. Websiten, die sich mit dem illegalen Datenhandel befassen, welche auch defacto vor Strafverfolgung sicher sein können.

3.) Wo wurde linke Gewalt vom 12.12 cerschwiegen? Brennen Autos wird von Terrorismus gesprochen, brennen Menschen, Wohnungen und Räume von Hooligans.

4.) Wenn ich ihre Intention missverstanden habe, tut mir das leid. Dann finde ich es gut, dass sie zuerst Gewalt ablehnen, denn darin stimmen wir überein. Nichts destotrotz sehe ich die übergewichtung auf der anderen Seite.
 
Roichi Donnerstag, 14.Januar 2016, 22:44 Uhr:
@ Rostockä/Björn

"Bei Indymedia hat man es staatlicherseits wohl nicht so eilig."

Behauptest du. Und lieferst doch nur Parolen als Beleg.

"Aber mir ging es eher um die unproportionale Berichterstattung zu diesen Vorfällen."

Die du auch nur behauptest. Sonst nichts.
Wie oben schon angeführt wurde über diverse Ausschreitungen berichtet. Das war ja auch der Kritikpunkt vom BrechtLeser.
Vor allem aber die Art der Berichterstattung.
Offenbar für dich noch nicht verharmlosend genug.

" Ich empfinde nur die Gewichtung als sehr schief."

Dann solltest du vielleicht mal deine Empfindungen prüfen.
Aber "Lügenpresse" ist einfacher zu sagen. Mach es dir nicht zu kompliziert.

"wenn man die vielen Überfälle der Linken auf ihre Kontrahenten alleine im letzten Jahr in Leipzig bedenkt."

Und schon wieder Relativierung.

" lässt auf einen antrainierten Reflex schließen. "

Vielleicht schlicht aufgrund deiner Aussagen.
Aber ist sicher nur ein Reflex deine Pöbelei.
 
BrechtLeser Freitag, 15.Januar 2016, 21:24 Uhr:
Übrigens interessanter Artikel von Vice:
http://www.vice.com/de/read/wie-connewitz-nach-dem-hooliganangriff-von-montag-weitermacht-733
Anscheinend können Linke doch friedlich sein. Immerhin haben 2000 Menschen gegen die Angriffe in Conewitz demonstriert. Ich habe auch noch nie konkrete Morddrohungen, geschweige denn Morde, von Linken gehört, wohingegen das bei Rechtsextremisten ja anscheinend zunimmt.
 

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