von Oliver Cruzcampo
   

Übergriff auf Medienvertreter: Rechtsextremist wegen Körperverletzung verurteilt

Regelmäßig kam es auf den von der NPD dominierten Mvgida-Demonstrationen auch zu Einschüchterungsversuchen gegenüber Journalisten. Doch nicht immer blieb es dabei: Vor einem Jahr schlug ein Teilnehmer einen Pressevertreter. Auf der heutigen Gerichtsverhandlung wurde der Rechtsextreme nun wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Ragnar D. als Ordner auf einer NPD-Demo in Rostock

Im Winter vergangenen Jahres organisierten Mitglieder der NPD-Landtagsfraktion regelmäßig Demonstrationen unter dem Namen Mvgida, auf denen vor allem gegen Flüchtlinge und „das System“ gehetzt wurde. Am 22. Februar 2016 zogen die NPD-Funktionäre zusammen mit rund 160 Teilnehmern durch Grevesmühlen, auch einige Medienvertreter waren an jenem Abend anwesend.

Direkt im Anschluss an die Demonstration verweilten noch drei Journalisten vor Ort, tauschten Informationen aus. Auf eine dieser Personen kam jedoch Ragnar D. unmittelbar zu und schlug ihr mit der Hand ins Gesicht. Der Journalist wurde leicht verletzt, musste ärztlich behandelt werden. Heute – rund ein Jahr nach der Tat – kam es vor dem Amtsgericht Wismar zur Verhandlung.

Zahlung von Schmerzensgeld

Der Rechtsextremist wollte den Vorfall offenbar möglichst schnell hinter sich bringen, über seinen Verteidiger Thomas Pennecke ließ er ein Geständnis verlesen: Im Vorbeigehen hätte er den Medienvertreter in der Tat ins Gesicht geschlagen. Der Mann erklärte sich zudem zu einer Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 200 Euro bereit, am Ende einigten sich die beteiligten Parteien auf 300 Euro, wovon D.s Verteidiger die erste Rate direkt im Gerichtssaal an den Geschädigten übergab, der als Nebenkläger ebenfalls vor Ort war.

In den anschließenden Plädoyers erklärte der Anwalt der Nebenklage, dass es sich bei dem Vorfall nicht nur um einen Angriff auf seinen Mandanten, sondern auch auf die Presse gehandelt habe. Diese solle so eingeschüchtert werden. Gefordert wurden 90 Tagessätze à 30 Euro, die Verteidigung des Anklagten drängte auf 30 Tagessätze. Der Richter verurteilte den Rechtsextremen schließlich wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 20 Euro. Er erinnerte daran, dass aufgrund derzeitiger Entwicklungen in Europa und den USA der Presse auch eine Kontrollfunktion zukäme, zudem sei D. „gerade noch mit einer Geldstrafe zu sanktionieren.“


Sven Krüger ebenfalls als Teilnehmer der Mvgida-Demo in Grevesmühlen im vergangenen Jahr

Der Verurteilte ist kein Unbekannter. Der heutige 32-Jährige war bereits vor über zehn Jahren in der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ aktiv, war dort Anführer der „Leitstelle Nord“. Anfang 2007 soll der zweifache Vater in Räumlichkeiten der NPD eine „Rasseschulung“ durchgeführt und den Film „Der ewige Jude“ gezeigt haben. Dafür wurde D. im Mai 2010 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt.

Bis heute tauchte er immer wieder auf Veranstaltungen der rechtsextremen Szene auf. 2012 fungierte er als Ordner auf einer NPD-Demonstration in Rostock, im vergangenen Jahr wurde er gleich mehrfach in Jamel gesehen, wo der Neonazi Sven Krüger regelmäßig zu Szene-Veranstaltungen auf seinem Hof lädt.

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