von Marc Brandstetter
   

Udo Voigt vor Comeback? Die „Freundeskreise“ um den Ex-NPD-Vorsitzenden

Udo Voigt gilt – neben Adolf von Thadden – als einer der wenigen Vorsitzenden, die die NPD geprägt haben. 15 Jahre hielt sich der Diplompolitologe an der Spitze der Partei. Im Zuge der „Affäre Kemna“ machte er jedoch keine gute Figur und wurde von seinem Ziehsohn Holger Apfel abgelöst. Nun bläst er womöglich zum Gegenangriff.

Als das amtliche Endergebnis der niedersächsischen Landtagswahl bekannt gegeben wurde, mag der Berliner NPD-Landesvize Udo Voigt die Faust in der Tasche geballt haben. Unter seinem Nachfolger im Amt des NPD-Bundesvorsitzenden, Holger Apfel, erreichte die Partei in ihrem einstigen Stammland nur 0,8 Prozent der Stimmen. 2008 – damals stand Voigt noch auf der Brücke des mittlerweile stark angeschlagenen Flaggschiffs der parteipolitisch organisierten extremen Rechten – fuhr sie noch 1,5 Prozent ein, was zumindest zur Teilnahme an der staatlichen Parteienteilfinanzierung berechtigte.

Als Voigt die NPD 1996 von dem mehrfach vorbestraften Holocaustleugner Günther Deckert übernahm, lag sie am Boden. Selbst innerhalb der Szene galt sie als überalterte Politsekte mit einer rückwärtsgewandten Programmatik, die für den „Kampf um Deutschland“ denkbar ungeeignet schien. Erst die organisatorische, ideologische und strategische Neuausrichtung des mittlerweile 60-jährigen ehemaligen Bundeswehroffiziers brachte die Splitterpartei zurück in die (begrenzte) Erfolgsspur. Acht Jahre nach seinem Amtsantritt zog sie, zum ersten Mal seit 36 Jahren, sogar wieder in ein deutsches Länderparlament ein. 

Voigt verfolgte stets die Vision, den „nationalen Widerstand“ in der NPD zu einen. Er kassierte gleich zu Beginn seiner Amtszeit die „Abgrenzungsbeschlüsse“ gegenüber den zahlreichen neonazistischen Kleinstgruppierungen, die in den siebziger Jahren – teilweise von ehemaligen NPD- und JN-Mitgliedern gegründete – im Parteiumfeld entstanden waren. Da zeitgleich der Staat eine harte Linie gegen diese Organisationen fuhr, um der ausufernden fremdenfeindlichen Gewalt Herr zu werden, strömten viele politisch heimatlos gewordene Neonazis in die NPD – und versetzen dieser einen Schub. 

Die Proklamation der „Volksfront von Rechts“ und des „Deutschland-Paktes“ mit der DVU 2004 dienten diesem Zweck. Einige führende Neonazis wie Thomas „Steiner“ Wulff oder Thorsten Heise schlossen sich seinerzeit der NPD an. Vorübergehend gelang es den Parteistrategen die wichtigsten Potentiale der extremistischen Rechten unter der schwarz-weiß-roten NPD-Flagge zu versammeln. Die Partei stieg zum unangefochten Gravitationszentrum des deutschen Rechtsextremismus auf.

Diese „Erfolgsphase“ ist untrennbar mit dem Namen Udo Voigt verbunden. Der frühere NPD-Vorsitzende wiederum steht mittlerweile vor dem Scherbenhaufen seines „Lebenswerkes“. Unter seinem Nachfolger Holger Apfel, gegen den er die Kampfabstimmung um den Chefsessel nach einer heftigen Schlammschlacht im November 2011 verloren hat, droht der NPD die Spaltung. Der vermeintlich weichgespülte Kurs des sächsischen Fraktionschefs („seriöse Radikalität“), der nicht mehr ist als ein wenig bunte Farbe für den braunen Putz, treibt „radikale“ Parteianhänger auf die Barrikaden oder gleich aus der NPD. Es wird spannend zu beobachten, ob sich Apfel bis zum nächsten Bundesparteitag, der turnungsgemäß noch dieses Jahr stattfinden muss, an der Spitze halten kann. In den Hinterzimmern wird gerüchteweise schon an seinem Stuhl gesägt.

Kein Wunder, dass sich auch Voigt nach dem Desaster in Niedersachsen zu Wort meldete. Auf Facebook nahm er kein Blatt vor den Mund und versetzte Apfel einen heftigen Seitenhieb, in dem er dessen politischer Linie eine Absage erteilte: „Es ist jetzt nicht die Zeit für Experimente, sondern zur Schaffung einer deutschen "Nationalen Front"! Wenn sich immer mehr Patrioten in die verschiedensten Parteien, Gruppen und Organisationen zersplittern und zerfasern reicht es für KEINEN.“

Zeitgleich gründeten sich laut eigener Aussage an 15 Orten „Udo Voigts Freundeskreise“, die gemeinsam mit Voigt die Einigkeit des „nationalen Lagers“ vorantreiben wollen: „Wir, die Unterzeichner, wollen in den Freundeskreisen unter dem Motto: "Einigkeit macht stark – Nur organisierter Wille bedeutet Macht!" einen Unterstützerkreis aufbauen, der jeden Patrioten die Möglichkeit zur Mitarbeit gibt. Wir sehen darin die Chance, nationale Kräfte über Parteigrenzen hinweg zu sammeln und ihr Potenzial zu bündeln, um den gemeinsamen Kampf für ein besseres Deutschland neu zu beleben. Wir überlassen Deutschland und unser Volk nicht kampflos seinen Feinden!“, heißt es in einer im Internet verbreiteten Stellungnahme.

Und weiter: „Für unsere künftige Aktion lassen wir uns von den Worten von Udo Voigt leiten, mit den er bereits 1997 in Passau zur Einheitsfront aufrief: "Wir fragen nicht, was Du gestern getan hast, aus welcher Organisation Du kommst, sondern einzig danach, was Du bereit bist für Deutschland zu leisten!"“

Unterzeichner der Erklärung sind einige enge Weggefährten Voigts. Darunter finden sich Thorsten Heise, NPD-Landesvize in Thüringen, sein Kollege Uwe Meenen aus Berlin, Ulrich Pätzold, der ehemalige Bundesvorsitzende der Deutschen Partei (DP), oder der Revisionist Rigolf Henning, der 2005 wegen Verunglimpfung des Staates zu neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden war.

Verantwortet wird die Unterstützer-Seite von Frank Rohleder. Der 62-Jährige hat eine lange braune Karriere hinter sich. Laut Blick nach Rechts war der gelernte Koch von 1995 bis 1999 Versitzender der REP in Sachsen, bis 2002 sogar Mitglied des Bundesvorstandes. Dann folgte sein Wechsel zur NPD. Außerdem sei er an der Gründung des NPD-nahen „Nationalen Bündnisses Dresden“ beteiligt gewesen, das im Vorfeld der sächsischen Landtagswahl 2004 eine Art Testballon für die strömungsübergreifende Zusammenarbeit der extremen Rechten darstellte.  

Auch der Inhaber der Domain, Christoph Langer, lässt auf ein verbandsinternes Störfeuer aus Sachsen schließen. Der 52-Jährige kandidierte für die NPD bei den Kommunalwahlen 2009. Bei den Landtagswahlen im gleichen Jahr stand er ebenfalls auf dem Stimmzettel und gewann als Direktkandidat 4,1 Prozent im Wahlkreis Plauen. Damals führte ihn der Kreisverband Vogtland als stellvertretenden Vorsitzenden.  

„Das Reich ist unser Ziel“. Wohin die politische Reise Udo Voigts gehen soll, ist mit seinem Lebensmotto klar umrissen. Für den 4. Mai hat er ein Buch angekündigt, das diese Vorstellung weiter konkretisieren soll („Mein Weg Wohin - deutsche Rechte”). Es bleibt abzuwarten, ob sich darin auch ein Schlachtplan finden wird, den angezählten Holger Apfel wieder vom „NPD-Thron“ zu stoßen. 

Kommentare(13)

L.B. Montag, 04.Februar 2013, 11:45 Uhr:
Ich denke, dass selbst eine Rückkehr von Voigt nichts am Zustand der Bundes-NPD ändern wird. Voigt ist so blass und humorlos und wie alle NPDler in seiner politischen Themensetzung so eingeschränkt, dass er auch nichts mehr bewirken kann.

Die letzten Jahre als NPD-Fööhhrrerrr hat Voigt vor allem mit plumpen Provokationen und den immer gleichen Durchhalteparolen zugebracht. Und das ist nichts weiter als das Eingeständnis der eigenen Bedeutungslosigkeit und des eigenen Scheiterns.

Im Grunde wünscht man sich als NPD-Gegner sogar eine Rückkehr von Voigt.
 
John Montag, 04.Februar 2013, 16:06 Uhr:
"Im Grunde wünscht man sich als NPD-Gegner sogar eine Rückkehr von Voigt."

Hehehe, dass sehe ich ganz ähnlich. Kann mir vorstellen, dass dies in der Verbotsdiskussion neue Perspektiven eröffnen würde. Zusammen mit Pastörs ein absolutes Traumpaar - was den Unterhaltungswert angeht (L.B. - ich finde übrigens das sich beide hinsichtlich ihrer Humorlosigkeit hervorragend ergänzen würden). Wie war das nochmal mit Björns Ponyhof-NPD, ohne jedes Personalgemauschel? Love and Peace? Ich bin gespannt.
 
Alter Fritz Montag, 04.Februar 2013, 18:09 Uhr:
Deutschland aus der Knechtschaft zu befreien,kann man nur mit Idialisten wie Voigt,die für ein unabhängiges von den Siegern und der Zinsknechtschaft befreites Deutschland steht.
Aber nicht für weichgespülte in der Partei für
die zuerst das eigene Wohl im Vordergrund steht,und von dem BRD System füttern lässt.
 
L.B. Montag, 04.Februar 2013, 23:04 Uhr:
@ Seniler Fritz

Wieso habe ich das Gefühl, dass du deine Liebeserklärung an Föööhhrrerrr Voigt nur mit einer Hand getippt hast?
 
Bürger Dienstag, 05.Februar 2013, 00:01 Uhr:
@ John

"Kann mir vorstellen, dass dies in der Verbotsdiskussion neue Perspektiven eröffnen würde. "

Glaub ich nicht. Wenn es innerhalb der NPD einen wechsel des Parteivorstandes gibt,müsste wieder neues "Beweismaterial" gesammelt werden. Falls es denn überhaupt gerichtsfeste Beweise,für die angebliche Verfassungswidrigkeit der NPD gibt.
 
Amtsträger Dienstag, 05.Februar 2013, 07:37 Uhr:
Die NPD soll sich also von dem demokratischen Flügel trennen, um den verfassungswidrigen Flügel uneingeschränkt schalten und walten zu lassen?

Zumindest das Verbotsverfahren wäre dann sehr leicht zu einem Ende zu bringen ;)
 
Atze Dienstag, 05.Februar 2013, 09:19 Uhr:
Hallo Alter Fritz,

you make my day!

Voigt als Befreier Deutschlands aus einer ominösen Knechtschaft! Der strahlende Drachentöter hoch zu Ross! Von dem diese Wurst doch gleich runterfällt, wenn der Zossen nur einen Schritt macht... :-)))
 
Dennis Dienstag, 05.Februar 2013, 09:26 Uhr:
@Alter Fritz:
Können Sie das mit der Knechtschaft mal genauer erläutern? Aber bitte, wenn es geht, ohne die üblichen platten Parolen.
 
Roichi Dienstag, 05.Februar 2013, 12:19 Uhr:
@ L.B.

Der war gut.


@ Bürger

"Glaub ich nicht. Wenn es innerhalb der NPD einen wechsel des Parteivorstandes gibt,müsste wieder neues "Beweismaterial" gesammelt werden."

Warum?
Die Führungsfiguren bleiben ja erhalten.
Apfel und Pastörs hatten auch unter Voigt schon viel zu sagen und entsprechend Einfluss.
Das wird sich nicht ändern. Und auch die Partei wird sich nicht ändern.


@ Kamerun

Irgendwie hast du dich zwischen Verfassungsschutzverschwörung und rechter Euphorie verheddert.
 
Alter Fritz Dienstag, 05.Februar 2013, 17:19 Uhr:
Dennis

Können Sie das mit der Knechtschaft mal genauer erläutern? Aber bitte, wenn es geht, ohne die üblichen platten Parolen
------
Ihnen kann geholfen werden siehe
Grundgesetz 139
UNO Feindstaatenklausel 107 / 53
 
Kamerun Dienstag, 05.Februar 2013, 17:56 Uhr:
Roichi, du leugnest also die Verstrickungen der Verfassungsschutzämter mit NPD & Freier Naziszene und nennst dies "Verschwörungstheorie"?

Entweder du lebst hinterm Mond, oder du willst uns verarschen. Informier dich bitte erst mal, bevor du hier son Käse absonderst.
 
aufmerksamer Leser Dienstag, 05.Februar 2013, 19:00 Uhr:
@lb

"Wieso habe ich das Gefühl, dass du deine Liebeserklärung an Föööhhrrerrr Voigt nur mit einer Hand getippt hast?"

Wieso hat ein aufmerksamer Leser das Gefühl, dass Sie über dieses Stadium nie hinausgekommen sind?
 
Roichi Mittwoch, 06.Februar 2013, 10:11 Uhr:
@ Fritz

Dir kann offenbar nicht mehr geholfen werden.


@ Kamerun

Verstrickungen nennst du das.
Dabei weiß man bisher nur von V-Leuten innerhalb der NPD.
Von mehr wird nie etwas gesagt.
Aber natürlich sind die V-Leute Schuld.
 

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