von Fabian Schumann
   

Türkische Nationalisten wollen durch Hamburg marschieren

Am Sonntag wollen türkische Nationalist*Innen durch Hamburg laufen. Bundesweit wurden Demonstrationen in Städten angekündigt, die zeitgleich stattfinden. Ein Bündnis mobilisiert zu Gegenprotesten.

Foto der Demonstration vom September, Foto: Fabian Schumann

In verschiedenen Großstädten des Bundesgebiets werden Demonstrationen unter dem deutschen Motto „Friedensmarsch für die Türkei und EU“ organisiert. Die Organisator*Innen wollen die Veranstaltungen als „Anti-Terror“-Demonstrationen verstanden wissen und beziehen sich hierbei auf die kurdische Bevölkerung. Diesen schreiben die Veranstalter*Innen den Krieg im Osten der Türkei einseitig zu. Die Forderungen schließen sich an vergangene Demonstrationen, wie in Duisburg, an. Rechtsradikale „Graue Wölfe“ und der „Turan e.V.“ nutzten diese als Plattform.

Bundesweite Aktion

Die Veranstaltungen am Sonntag um 16:00 Uhr in Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart werden in sozialen Netzwerken offen beworben. Als Veranstalter tritt das „Almanya Yeni Turk Komitesi“ (AYTK) mit dem Namenszusatz „bagimsiz vatanseverler“ - unabhängige Patrioten auf. Vor dieser Demonstrationsreihe trat die Gruppierung nicht in Erscheinung. Der Organisationsaufwand zur Durchführung von sieben zeitgleichen Demonstrationen ist erheblich. Die Veranstalter*Innen erhalten externe Unterstützung.

Ein Unternehmer aus der Personenschutz-Branche unterstütze laut „Turkishpress“ die Organisator*Innen. Dieser sei dem Blatt zufolge für die Sicherheit der türkischen Minister- und Staatspräsidenten zuständig und habe angekündigt, bei dem Schutz der Veranstaltungen mit über 100 Personen mitzuwirken. Türkisches Sicherheitspersonal habe, wie Die Zeit berichtet, darüber hinaus kürzlich in den USA Journalist*Innen und Demonstrant*Innen bedrängt.

Breite Unterstützung

Neben der AYTK mobilisieren zahlreiche Gruppen zu den Demonstrationen, darunter der Rockerclub „Turkos MC“ und Anhänger der „Grauen Wölfe“. Von Interessierten wird die Veranstaltung häufig mit Bezug zu den „Grauen Wölfen“ verbreitet. Der von AYTK angegebene Verantwortliche für die Veranstaltung in Hamburg hat gewechselt. Zunächst war ein Anhänger der „Grauen Wölfe“ verantwortlich, der seine Gesinnung offen durch den Wolfsgruß und andere Symboliken präsentierte. Nun werden zwei Personen angegeben, deren Profile in den sozialen Medien auf den ersten Blick unscheinbar sind. Verbindungen zur AKP und der MHP lassen sich jedoch schnell finden. Die „Grauen Wölfe“ oder auch „Bozkurtlar“ sind Mitglieder der rechtsradikalen Partei „Milliyetçi Hareket Partisi“ (MHP), die sich dem ZDF zufolge für Gewalttaten verantwortlich zeichnen. Die Polizei erwartet in Hamburg zwischen 1.000 und 2.000 Personen für die Demonstration an der U-Bahn Stephansplatz. Darunter könnte sich möglicherweise Erkan A. befinden, der seine Teilnahme über soziale Medien angekündigt hat. Er gilt Beobachtern als der Initiator der aufgelösten Bürgerwehr Hamburg und hatte den Holocaust als Lüge bezeichnet. Gegenüber Der Zeit räumte A. ein, seine Äußerungen seien „sehr blöd“ und „unüberlegt“ gewesen.

Im September 2015 gab es bereits eine Demonstration türkischer Nationalist*Innen in Hamburg. Damals nahmen etwa 700 Personen teil. Organisiert wurde die Demonstration von der „Türkiye Gençlik Birli?i“ (TGB), einer kemalistisch-patriotischen Vereinigung. Der Aufzug ließ eine deutliche rechtsradikale Ausrichtung vieler Teilnehmer erkennen. Die Erkennungszeichen der „Grauen Wölfe“ waren mit Fahnen und Wolfsgrüßen omnipräsent. Auch einige der Ordner waren als Anhänger der der Gruppierung zu erkennen. Während der Demonstration kam es zu internen Streitigkeiten zwischen den Organisator*Innen und den Grauen Wölfen, die schließlich zur Auflösung führten.

Bündnis organisierte Gegenveranstaltung

Verschiedene kurdische und türkische Vereine haben einen Aufruf gegen die AYTK-Veranstaltung unterzeichnet, in dem es heißt: „Es darf nicht zugelassen werden, dass auf hiesigen Straßen türkischer Nationalismus propagiert wird und rassistische Hetze stattfindet“. In zahlreichen Städten wird zu eigenen Gegendemonstrationen aufgerufen. Ein Hamburger Antifa-Bündnis ruft unter dem Motto „Gegen jeden Nationalismus – für internationalen Antifaschismus!“ zu Gegenprotesten ab 14.00 Uhr an der Sternschanze auf.

Fotos der Demonstration vom September 2015 auf Flickr.

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