Thüringer vor österreichischem Gericht

Der deutsche Neonazi Philip T. sitzt seit Monaten in der Justizanstalt Korneuburg in Niederösterreich ein. Er gilt als Ziehsohn des einstigen Rechtsterroristen Manfred Roeder.

Donnerstag, 10. Oktober 2013
Anton Maegerle

Demnächst muss sich der Thüringer Neonazi Philip T. vor einem Gericht in Österreich wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz  verantworten. Er sitzt seit Monaten in der Justizanstalt Korneuburg ein. Bereits seit Juni fordert bei Facebook eine Unterstützertruppe „Freiheit für Philip“. Für anfallende Anwalts- und Gerichtskosten wurde eigens ein Konto bei der Sparkasse der hessischen Festspiel- und Kurstadt Bad Hersfeld-Rotenburg eingerichtet. Als Kontoinhaberin fungiert eine Katja K. T.s Unterstützergruppe ließ auch ein Solidaritäts-T-Shirt mit dem Goethe-Spruch „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. Nationale Solidarität“ drucken. Der Gewinn aus dem Verkauf kommt T. zugute.

T. gilt als Ziehsohn des einstigen Rechtsterroristen Manfred Roeder (Jg.1929). Als Roeder zur Jahrtausendwende eine Haftstrafe in der mecklenburg-vorpommerschen JVA Waldeck absaß, leistete T. die politische Arbeit vor Ort auf dem Roeder-Anwesen, einem ehemaligen 15-Zimmer-Hotel auf dem 634 Meter hohen Knüll beim hessischen Schwarzenborn. In den Rundbriefen der von Roeder ins Leben gerufenen „Deutschen Bürgerinitiative“ (DBI) gab T. kund: „Auf dem Knüll geht der Kampf weiter! Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Stolz posaunte T., dass trotz der Inhaftierung Roeders auf dessen Anwesen Arbeitseinsätze durchgeführt und Heimatabende abgehalten werden. T.: „Alle weiteren Arbeiten werden jetzt von hilfsbereiten Jugendlichen (kurz HJ) verrichtet!“

„Auf dem Knüll geht der Kampf weiter!“

Unterstützt wurde T. unter anderem von Renate Stahlschmidt. Die 2004 im Alter von 90 Jahren in Düsseldorf verstorbene Stahlschmidt, zeitweilig NPD-Mitglied, war dem Ex-NPD-Bundestagskandidaten Roeder über Jahre hinweg freundschaftlich verbunden. Zugleich fungierte sie als die zuständige Ansprechpartnerin in Sachen Fundraising für den Holocaust-Leugner Ernst Zündel. Auf der von Stahlschmidt gefertigten Einladungsliste zu ihrer Trauerfeier standen unter anderem NS-Treue wie Gudrun Burwitz, Tochter von Heinrich Himmler, einst Reichsführer SS.

Roeder selbst führte T. bei seinem Leser- und Sympathisantenkreis der DBI mit den Worten ein: „Zum ersten Mal hilft ein junger Mann mit ... Er hat in der Bundeswehr gedient, aber als man ihn erpressen und zum Spitzel machen wollte, hat er zurückgeschlagen und dem MAD die Zähne gezeigt. Die ganze Kompanie war begeistert von seinem Mut und alle sind mit ihm singend durch die Dörfer gezogen. ... Nur auf die Wenigen kommt es an, dann folgt die Masse nach.“

Kontakt zu Neonazis von „Objekt 21“

Schlagzeilen lieferte T. erstmals in den 90er Jahren. Demnach soll der Neonazi am Geburtstag Hitlers mit „exakt gescheiteltem Haar und schmalem Oberlippenbart“ zum Unterricht erschienen sein und Parolen gerufen haben, berichtete die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“.  2002 zog T. ins thüringische Erfurt um. Sein Engagement galt nun der „Kameradschaft Freiheitskämpfer Erfurt“. Im März 2003 fand in Südthüringen eine Saalveranstaltung des „Nationalen Widerstandes“ unter dem Motto „Wahrheit und Recht gegen Lüge und Hetze“ statt. T. war neben Szene-Größen wie Wolfgang Juchem, vormals Regierungsamtmann des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) der Bundeswehr, einer der Redner der Veranstaltung. Zugegen war auch der Holocaust-Leugner Gerd Ittner, der wegen einer drohenden Haftstrafe 2005 untertauchte und erst 2012 in Portugal gestellt werden konnte.

Einer geheim gehaltenen Zusammenstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz über „Besitz und Nutzung von Immobilien durch Rechtsextremisten“ zufolge ist zu entnehmen, dass T. Eigentümer eines 2010 für 15 000 Euro gekauften Anwesen mit Wohngebäude und Scheune in Görschen, einem Ortsteil von Mertendorf (Landkreis Burgenlandkreis), geworden sein soll. Als Bewohner registrierten die Verfassungsschützer unter anderem Martin C., Betreiber des Onlineversands und Labels Pesttanz Klangschmiede. Aktuell im Angebot von „Pesttanz“ ist unter anderem die CD „Satanic Holocaust –Raw Black Metal Holocaust“. Auf dem 800 Quadratmeter großen Gelände wurden mehrfach PKWs mit Kennzeichen aus Österreich gesehen. Umgekehrt soll sich T. bei Neonazis von „Objekt 21“, einem polit-kriminellen Netzwerk in Oberösterreich, das Kontakte zu der Neonazi-„Hausgemeinschaft Jonastal“ im thüringischen Crawinkel unterhielt, aufgehalten haben.

Kategorien
Tags