von Marc Brandstetter
   

Thüringer NPD setzt im Bundestagswahlkampf auf vorbestrafte Gewalttäter

Keine Überraschung gab es gestern bei der Aufstellung der thüringischen NPD-Landesliste für die Bundestagswahl. Auf den ersten beiden Plätzen kandidieren vorbestrafte Gewalttäter, was die Partei für die anvisierte nationalkonservative Zielgruppe unwählbar machen dürfte. 

Auf ihrem gestrigen Landesparteitag in Kirchheim bei Arnstadt (Ilmkreis) wählte die Thüringer NPD ihre Landesliste für die kommende Bundestagswahl. Nach eigenen Angaben schicken die Rechtsextremisten 13 Bewerber am 22. September ins Rennen um Mandate. Spitzenkandidat ist Patrick Wieschke, dem 41 der 42 anwesenden Delegierten das Vertrauen geschenkt haben sollen. Der 31-Jährige, seit Frühjahr letzten Jahres Landeschef, entstammt der militanten Neonazi-Szene. 2002 war er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, da er eine Gruppe Gesinnungsgenossen zu einem Sprengstoffanschlag auf einen Imbiss angestiftet hatte.

Auch Platz zwei folgt mit Thorsten Heise ein weiterer Neonazi, dessen Vorstrafenregister dick wie ein Telefonbuch sein dürfte. Der einstige Aktivist der verbotenen FAP ist mehrfach vorbestraft, u. a. wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch, Nötigung oder Volksverhetzung. Die weiteren Plätze nehmen Gordon Richter, Tobias Kammer, Jan Morgenroth und Uwe Bäz-Dölle. Bäz-Dölle gilt als kommunalpolitisches Zugpferd der NPD in Thüringen. Bei den Bürgermeisterwahlen in der Gemeinde Lauscha (Landkreis Sonneberg) gewann er vor einem dreiviertel Jahr mehr als 18 Prozent der Stimmen. Wer die Plätze sechs bis 13 besetzt, wurde indes nicht bekannt. 

Im weiteren Verlauf des Parteitages stellten die Rechtsextremisten ihren besonderen „Humor“ unter Beweis. So sei die Ministerpräsidentin des Freistaates, Christine Lieberknecht, mit dem Preis „Politischer Armleuchter“ ausgezeichnet worden, heißt es in einer Mitteilung auf der Webseite der Partei. Die „abgehobene Landesmutter“ hätte sich die Auszeichnung aufgrund ihrer „intriganten, grundsatzlosen, unsozialen und antideutschen Politik“ verdient. Wieschke kündigte an, der Preis solle der CDU-Politikerin in der Staatskanzlei übergeben werden. Darüber wird sich die 54-Jährige bestimmt freuen. Wer kann schon von sich behaupten, eine solche Auszeichnung aus den Händen eines vorbestraften Gewalttäters bekommen zu haben? 

Begleitet wurde die NPD-Versammlung von Gegenprotesten, an denen 150 Menschen aus ganz Thüringen teilnahmen. Aufgerufen hatte das örtliche Bündnis gegen rechts. Nach Polizeiangaben blieb dabei alles friedlich, berichtet die Thüringer Allgemeine.

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