von Marc Brandstetter
   

Thüringer Neonazi-Festival bleibt hinter den Erwartungen zurück

Nicht einmal die Plätze auf den Bierbänken in den ersten Reihen waren gefüllt. Gut 160 Neonazis kamen am Wochenende zum „Thüringentag der nationalen Jugend“ in Kahla zusammen. Die zeigten sich jedoch von ihrer entlarvenden Seite und trugen ihre Sympathie mit dem mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben zur Schau. Rund 600 Neonazi-Gegner demonstrierten gegen die Veranstaltung.

Die Teilnehmerzahlen des „Thüringentages des nationalen Jugend“ gehen kontinuierlich zurück. Mobilisierte Szeneprominenz wie der Ex-NPD-Vorsitzende Udo Voigt sowie die Rechtsrock-Aushängeschilder „Sleipnir“ und „Words of Anger“ 2011 noch rund 800 Neonazis nach Sondershausen, fanden im darauffolgenden Jahr noch knapp 300 braune Musikfans ihren Weg nach Meiningen. Daran konnte auch der amtierende NPD-Chef Holger Apfel nichts ändern, der nach Augenzeugenberichten das Festival bereits während des Auftritts der zweiten Band „Strongside“ verlassen hatte.

Kaum einer der Organisatoren, die in der Vergangenheit durch Solidaritätsbekundungen für den inhaftierten mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben aufgefallen waren, hatte sich vorstellen können, diesen Tiefpunkt zu unterbieten. Deren Gesichter wurden im Laufe des Tages aber immer länger: Nicht mehr als 160 „Kameradinnen und Kameraden“ fanden sich „Auf dem Gries“ ein. den Thüringer Demokratiepreis. Sozialministerin Heike Taubert (SPD) würdig damit sein jahrelanges Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus. Vor dem Dresdner Amtsgericht muss sich König derzeit wegen schweren Landfriedensbruchs, Beihilfe zum Widerstand gegen die Staatsgewalt und versuchter Strafvereitelung verantworten


Foto: Thomas Witzgall

Kommentare(8)

bc Montag, 17.Juni 2013, 10:15 Uhr:
"freiheit fuer wolle"
ich kann mir gut vorstellen, dass bjoern uns erzaehlen wird, dass damit ein werkstoff zum stricken gemeint ist.
 
Björn Montag, 17.Juni 2013, 14:27 Uhr:
@bc

Haben sie schonmal was von der Unschuldsvermutung gehört?
 
JayBee Dienstag, 18.Juni 2013, 07:51 Uhr:
@ björn

"Haben sie schonmal was von der Unschuldsvermutung gehört?"

Und deshalb müssen jetzt alle Angeklagten, egal was ihnen vorgeworfen wird, freigelassen werden? Bis der Schuldspruch fällt? Nein. Richtig müsste der Spruch lauten: "Freiheit für Wolle, wenn er freigesprochen wird." Aber das würde dann schon passieren, da mache ich mir keine Sorgen.
 
Junger Fritz Dienstag, 18.Juni 2013, 09:01 Uhr:
"Haben sie schonmal was von der Unschuldsvermutung gehört?"

Schonmal was von Meinungsfreiheit gehört? - die ist Ihnen ansonsten doch so heilig. Aber offenbar nur dann, wenn es um deutsche Geschichte geht.
 
Björn Dienstag, 18.Juni 2013, 12:14 Uhr:
@JayBee

"Und deshalb müssen jetzt alle Angeklagten, egal was ihnen vorgeworfen wird, freigelassen werden?"

Nö. Deshalb dürfen die Freunde von Wohlleben seine Freilassung fordern.

@Junger Fritz

"Schonmal was von Meinungsfreiheit gehört? - die ist Ihnen ansonsten doch so heilig. Aber offenbar nur dann, wenn es um deutsche Geschichte geht."

Ihr Kommentar klingt ziemlich verwirrt. Ich habe nirgends behauptet, dass die Freunde von Wohlleben nicht ihre Meinung kundtun dürfen. Noch, dass ihr nicht eure Meinung kundtun dürft. Was genau wollen sie also mit ihrem Kommentar aussagen?
 
Amtsträger Donnerstag, 20.Juni 2013, 20:04 Uhr:
Lieber Björn,

die Unschuldsvermutung gilt, wie die Achtung aller anderen Grundrechte, nur für den Staat.

Wenn eine Privatperson Herrn Wohlleben jetzt für schuldig wie die Hölle hält, dann ist das seine Meinung.
 
John Freitag, 21.Juni 2013, 07:30 Uhr:
Ach, unser Björn und die Gerichte. Es wird immer daran scheitern, dass die wirre Vermutung seiner Allmacht eben über diesen stehen kann. Ich erinnere mich noch amüsiert darüber, wie mich Björn vor Monaten darüber aufgeklärt hat, dass für die Taten und Ausfälle seiner KameradInnen eben nur er selbst die Kontexte zu deuten hat. Die Richter interessiert das freilich nicht ;)
 
Roichi Freitag, 21.Juni 2013, 08:01 Uhr:
@ Björn

"Ich habe nirgends behauptet, dass die Freunde von Wohlleben nicht ihre Meinung kundtun dürfen."

Also eigentlich behauptest du das bei jeder Gelegenheit.
 

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